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Plakatmotiv: City Heat – Der Bulle und der Schnüffler (1984)

Ein Film wie ein Museum für Ideen, die
man in einem Film unterbringen könnte

Titel City Heat – Der Bulle und der Schnüffler
(City Heat)
Drehbuch Blake Edwards & Joseph Stinson
Regie Richard Benjamin, USA 1984
Darsteller

Clint Eastwood, Burt Reynolds, Jane Alexander, Madeline Kahn, Rip Torn, Irene Cara, Richard Roundtree, Tony Lo Bianco, William Sanderson, Nicholas Worth, Robert Davi, Jude Farese, John Hancock, Tab Thacker, Gerald S. O'Loughlin, Bruce M. Fischer, Art LaFleur, Jack Nance u.a.

Genre Krimi, Komödie
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
10. Mai 1985
Inhalt

Sie können sich nicht ausstehen: der Bulle Speer und Privatdetektiv Mike Murphy. Ihre unfreiwillige Zusammenarbeit beginnt, als Murphys Partner plötzlich das dicke Geld zu haben scheint und kurz darauf umgebracht wird. Mike Murphy geht der Sache auf den Grund und Lieutenant Speer heftet sich an seine Fersen.

Der Detektiv wittert das ganz große Geschäft, der Polizist sucht den Mörder. Prompt stehen die beiden im Kugelhagel zweier rivalisierender Gangstersyndikate …

Was zu sagen wäre

Irgendwas muss diesem Film in die Quere gekommen sein, der heute wirkt, wie eine Aneinanderreihung von Szenen, denen das Drehbuch abhanden gekommen ist. Plakatmotiv: City Heat (1984) Man hört, dass Blake Edwards himself (Der Fluch des Rosaroten Panthers – 1983; Der rosarote Panther wird gejagt – 1982; "Victor/Victoria" – 1982; 10 – Die Traumfrau – 1979; Der rosarote Panther kehrt zurück – 1975; Der Partyschreck – 1968; Das große Rennen rund um die Welt – 1965; Ein Schuss im Dunkeln – 1964; Der rosarote Panther – 1963; Frühstück bei Tiffany – 1961; Unternehmen Petticoat – 1959) das Drehbuch geschrieben habe – unter Pseudonym – und eigentlich auch die Regie übernehmen sollte. Dazu kam es aus unbekannten Gründen nicht und so wurde Richard Benjamin in die Credits und ins Team aufgenommen.

So sieht nun der Film auch aus. Wie gewollt und dann aber das Gewollte nicht umgesetzt.

Zwei der aktuellen Top-Stars des Kinos ziehen sich Klamotten aus dem Fundus von Der Clou an, fahren in Oldtimern durch Kulissenstraßen und erschießen alle zehn Minuten Gangster und lassen alle zwanzig Minuten was explodieren. Die Geschichte ist dünn und erweist sich als große Enttäuschung. Da gibt es zu Beginn dieses Privatdetektiv-Duo. Bald ist der eine tot, erschossen und aus dem Fenster geworfen. Da wirkt der Film noch, als hätten die Produzenten ursprünglich einmal eine karikierende Hommage an The Maltese Falcon mit Humphrey Bogart drehen wollen (der nämlich sehr ähnlich los geht). Aber dann geht der später tote Detektiv-Partner eigene und fragwürdige Wege, will augenscheinlich zwei Gangsterbosse gegeneinander ausspielen, was aber keinerlei Interesse hervor ruft, der eine Gangsterboss ist so aalglatt und egal wie der andere. Und die Frauen, die in solchen Konstellationen schnell als Femme Fatal gebrandmarkt sind, erweisen sich gar als noch uninteressanter; die eine ist Nachtclubsängerin und hat Informationen, verschwindet aber für lange Zeit aus dem Film, und die andere, Caroline, gewohnt lasziv gespielt von Madeline Kahn (Mel Brooks' verrückte Geschichte der Welt – 1981; Höhenkoller – 1977; Frankenstein Junior – 1974; Der wilde wilde Westen – 1974; Paper Moon – 1973; Is' was, Doc? – 1972), ist Tochter aus einflussreichem Hause, irgendwie mit dem Privatdetektiv verbandelt und braucht auch, als sie entführt wird, keinen Beschützer.

Zwischendurch tritt dann immer nochmal Clint Eastwood (s.u.) mit zusammengekniffenen Augen auf. Er spielt einen Lieutenant der Polizei, Speer, der immer zur rechten Zeit am entscheidenden Ort ist. Plakatmotiv: City Heat (1984) Er hat kein Büro, er hat kein Team, er hat aber was mit diesem Privatdetektiv Mike Murphy; der war wohl früher auch mal Cop, Partner von Speer. Was die beiden auseinander getrieben hat, lässt der Film offen. Stattdessen giften sich die beiden halt einfach an. Hier ist die Schwierigkeit, dass Burt Reynolds kein Sparringspartner für Clint Eastwood ist.

Reynolds läuft durch den Film wie eine Schaufensterpuppe – der Schnäuzer stets akkurat getrimmt, der Trenchcoat immer fleckenfrei, der Hut strahlend sauber, darüber hinaus hat der Kinoheld der vergangenen zehn Jahre nichts zu bieten (Auf dem Highway ist wieder die Hölle los – 1984; Das schönste Freudenhaus in Texas – 1982; Sharky und seine Profis – 1981; Auf dem Highway ist die Hölle los – 1981; Das ausgekochte Schlitzohr ist wieder auf Achse – 1980; Um Kopf und Kragen – 1978; Ein ausgekochtes Schlitzohr – 1977; Mein Name ist Gator – 1976; Abenteurer auf der Lucky Lady – 1975; Der Tiger hetzt die Meute – 1973; Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten – 1972; Beim Sterben ist jeder der Erste – 1972).

Dasselbe gilt für Clint Eastwood. Aber der ist immer noch, auch wenn er Designerklamotten aus dem Filmstudiofundus aufträgt und sich Schwanzvergleiche mit seinem Ex-Partner über die jeweilige Schusswaffe liefert, immer noch The Clint.

Unterwegs, also während wir diesen beiden Comicfiguren zugucken, passiert erschreckend wenig. Nichts erzeugt Spannung, keine Figur lässt uns mitfiebern. Das Plakat wirbt für diesen Film mit dem Claim: „Zum ersten Mal gemeinsam die Superstars Clint Eastwood und Burt Reynolds“. Genau: Mehr passiert nicht.

Der Film wirkt wie ein Museum für Ideen, die man mal in einem Film unterbringen könnte, für den man noch das Drehbuch schreiben müsste.

Wertung: 2 von 9 D-Mark
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