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Plakatmotiv: Creed II – Rocky‘s Legacy

Nichts Neues im Ring.
Ein Baby wird geboren

Titel Creed II: Rocky’s Legacy
(Creed II)
Drehbuch Cheo Hodari Coker + Sascha Penn + Sylvester Stallone + Juel Taylor
mit Charakteren von Sylvester Stallone + Ryan Coogler
Regie Steven Caple Jr., USA 2018
Darsteller
Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Phylicia Rashad, Dolph Lundgren, Florian Munteanu, Russell Hornsby, Wood Harris, Milo Ventimiglia, Robbie Johns, Andre Ward, Brigitte Nielsen, Patrice Harris, Jacob 'Stitch' Duran, Ana Gerena u.a.
Genre Drama
Filmlänge 130 Minuten
Deutschlandstart
24. Januar 2019
Inhalt

Nachdem es Adonis "Donnie" Johnson gelungen ist, aus dem Schatten seines Vaters zu treten und zum Liebling der Massen zu werden, sind sowohl Publikum als auch Medien vernarrt in den neuen Star des Boxrings.

Da bekommen er und sein Trainer Rocky Balboa ein Angebot der besonderen Art unterbreitet: Adonis soll in einem Showkampf gegen den russischen Champion Viktor Drago antreten, dessen Vater Ivan mehr als 30 Jahre zuvor Adonis' Vater im Ring getötet hat.

Trotz Rockys Einspruch sagt Adonis für das Event zu. Doch schnell beginnen das Medieninteresse und die scheinbare Übermacht des Gegners in einen verbissenen Trainingsrausch zu versetzen, in dem er sich körperlich und seelisch zu verlieren droht …

Was zu sagen wäre

Und in "Creed III" dann geht es gegen den Enkel von Irokesenfrisur Clubber Lang. Oder was? Abwarten. Der vorliegende Teil kannibalisiert zunächst einmal den vierten Teil der Rocky-Reihe, was ja – Nerds im Kinosessel lieben ja das späte Wiedersehen mit lieb gewonnenen (oder auch ausgebuhten) Charakteren – was ja 33 Jahre später nix Schlimmes sein muss. Aber etwas neues erzählen sollten die Filme schon, wenn ich sie ernst nehmen soll.

Was erzählt mir "Creed II" Neues? Es geht nicht um Politik. Und Ivan Drago sowie sein Sohn Viktor haben ein Ludmilla-Problem – Ivan, weil sie sich von ihm getrennt hat, Viktor, weil sie ihn nicht respektiert.

Plakatmotiv (Fr.): Creed II – Rocky‘s LegacyEs geht um die Rückkehr zu den Anfängen: Was ist der Stoff, aus dem die Champions sind? Adonis und Rocky begreifen: Egal wohin der Lebensweg führt – niemand kann seiner Vergangenheit entkommen. Das steckt wohl auch hinter dem Plakatmotiv, das im Film sonst keine Entsprechung findet. Insgesamt geht es sehr familiär zu auf beiden Seiten. Ivans am Boxring zu seinem boxenden Sohn liebevoll geknurrtes „Brich ihn!“ hat seine Entsprechung in der Onkel-Neffe-Beziehungzwischen Rocky und Adonis, dessen Freundin noch dazu ein Baby erwartet. Es wächst die dritte Rockyfilm-Generation heran. Und Stallone wird als Großvater ein noch mehr zu Herzen gehendes Verhältnis zum Alt-Geworden-Sein haben, als jetzt schon; wenn er auftaucht, wird's unter seinem Dackelblick zuverlässig melancholisch. „Ich besiege ihn!“, sagt Adonis. „Das will ich Dir auch geraten haben!“, sagt seine Freundin zum emotionalen Höhepunkt. Okay: Das erinnert an „Go and get them, Tiger!“ aus Spider-Man 3, aber hat für Boxer-Filme-Guck-Jungs immer noch einen gewissen Charme. Nur dass sie, die Sängerin ist, ihn dann auch noch perfekt performend zum Ring begleitet.

Zentrale Szenen in den Rockyfilmen ist das clipartig inszenierte Training, diesmal auf einem rostigen Autohof mit Reifelstapeln: „Da Du zurück in die Hölle gehst, kannst Du Dich gleich daran gewöhnen. Los!“ Es ist (auch hier) alles wie immer, nur den aktuellen Gegebenheiten angepasst etwas archaischer, wobei die Rocky-Creed-Szenen natürlich mehr auf Natur setzt. Die russische Gesellschaft ist wieder böse, weil sie wider Erwartungen pflegt, die ihre Box-Maschinen umzusetzen haben; da hilft auch nicht die persönliche Note der Brigitte Nielsen, die nicht wiederzukennen ist. Der Film diskutiert afroamerikanische Probleme, aber so oberflächlich, dass die Familienfilmstruktur nicht gestört wird. Der Film verliert sich im Kasse-machen-Klischee. Für einen Film, dessen Ende man ahnt passiert zu wenig. Ein bisschen Testosteron-Gebrülle und ganz viel Kinder-kriegen.

Die Box-Dramaturgie ist gewohnt großartig, aber im entscheidenden Moment gibt es dann, als Adonis mal am Boden ist, eine zähe Zeitlupe, die die eigentlich klare Dramaturgie nur stört, denn eigentlich warten wir längst auf die finale Triumphkombination. Die Boxerlegende bleibt ein Produkt des 70er- und 80er-Jahre-Kinos des vergangenen Jahrhunderts. Da werde ich so melancholisch, wie Sylvester Stallone dauernd guckt ("Escape Plan 2: Hades" – 2018; Guardians of the Galaxy Vol. 2 – 2017; Zwei vom alten Schlag – 2013; Escape Plan – 2013; Shootout – Keine Gnade – 2012; The Expendables – 2010; John Rambo – 2008; D-Tox – Im Auge der Angst – 2002; Driven – 2001; Get Carter – Die Wahrheit tut weh – 2000; Cop Land – 1997; Daylight – 1996; Assassins – Die Killer – 1995; Judge Dredd – 1995; "The Specialist“ – 1994; Demolition Man – 1993; Cliffhanger – 1993; Stop! Oder meine Mami schießt! – 1992; "Oscar – Vom Regen in die Traufe" – 1991; Tango und Cash – 1989; "Lock Up" – 1989; Over the Top – 1987; Die City-Cobra – 1986; Rambo II – Der Auftrag – 1985; Rambo – 1982; Nachtfalken – 1981; Rocky II – 1979; Vorhof zum Paradies – 1978; "F.I.S.T. - Ein Mann geht seinen Weg" – 1978; Rocky – 1976; Bananas – 1971).

Wertung: 3 von 8 €uro
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