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Plakatmotiv: Sturm über Washington (1962)

Großes Panorama über Macht
und Ohnmacht in Washington

Titel Sturm über Washington
(Advise & Consent)
Drehbuch Wendell Mayes
nach dem Roman "Macht und Recht" von Allen Drury
Regie Otto Preminger, USA 1962
Darsteller

Henry Fonda, Charles Laughton, Don Murray, Walter Pidgeon, Franchot Tone, Peter Lawford, Gene Tierney, Lew Ayres, George Grizzard, Burgess Meredith, Eddie Hodges, Paul Ford, Edward Andrews, Inga Swenson, Paul McGrath, Will Geer u.a.

Genre Drama, Thriller
Filmlänge 139 Minuten
Deutschlandstart
12. Oktober 1962
Inhalt

Der selbstbewusste Professor Robert Leffingwell wird vom amerikanischen Präsidenten für das Amt des Außenministers vorgeschlagen. Als Prüfungsgremium muss der Senat der Vereinigten Staaten die vorgeschlagenen Kandidaten prüfen und die Kandidatur genehmigen oder verweigern.

Im Senat herrscht ein Kampf zwischen den Anhängern und den Gegnern des Präsidenten. Dieser Kampf wird zum Teil sehr hitzig geführt. Unterstützt wird Leffingwell durch den Mehrheitsführer Munson, der dem Präsidenten treu ergeben ist, und dem machthungrigen und demagogischen Senator Van Ackerman. Plakatmotiv (US): Advise & Consent – Sturm über Washington (1962) Gegen die Nominierung spricht sich insbesondere der erfahrene Politiker Seabright Cooley aus, obwohl er in der derselben Partei ist: Er hat noch einen alten Streit mit Leffingwell zu begleichen. Den Vorsitz des Prüfungsgremiums wird dem jungen Senator Brig Anderson verliehen, sehr zum Ärger von Van Ackerman, der sich Hoffnungen auf den Posten gemacht hatte.

Vor dem Ausschuss wird Leffingwell mit seiner Vergangenheit konfrontiert, während der er kurzzeitig Mitglied in einer kommunistischen Zelle war. Das ist besonders brisant, da sich Leffingwell für eine entspanntere Politik mit der Sowjetunion einsetzt. Leffingwell bezeichnet sich als unschuldig. Der idealistischeAusschussvorsitzende Anderson, der sich mit den politischen Grabenkämpfen nicht anfreunden kann, erfährt allerdings mithilfe Cooleys, dass Leffingwell vor dem Gremium gelogen hat und tatsächlich einmal Kommunist war. Er fordert den Präsidenten auf, den meineidigen Leffingwell von der Kandidatenliste zu streichen. Der Präsident will allerdings an seinem Kandidaten festhalten.

Anderson will sich aber auf keinen Fall für Leffingwell als Außenminister einsetzen und wird plötzlich mit pikanten Details aus seiner Militärzeit in Hawaii konfrontiert …

Was zu sagen wäre

Der US-Präsident nominiert einen Mann für das Amt des Außenministers und in Washington beginnen sich die Mühlen der Macht zu drehen. Senatoren treffen sich zu verschwiegenen Vier-Augen-Gesprächen, der Mwehrheitsführer im Senat lotet die Stimmung seiner Kollegen in der Partei, aber auch in der gegnerischen Partei aus, junge Senatoren fordern einen Senatsausschuss zum Thema, weil sie sich Chancen auf den prestigeträchtigen Posten des Ausschussvorsitzenden ausrechnen.

Im realen Washington heißt der Präsident 1962 John F. Kennedy, bei den US-Bürgern sorgt er für eine gewisse Washington-Euphorie. Regisseur Otto Preminger (Exodus – 1960; Anatomie eines Mordes – 1959; "Porgy und Bess" – 1959; "Der Mann mit dem goldenen Arm" – 1955; Fluss ohne Wiederkehr – 1954) nutzt diese Begeisterung für seinen Film. Minutiös zeichnet er die Fäden der Macht, die Washington zusammenhalten nach. Einmal steht seine Kamera sogar auf der Besuchertribüne des Senats, wo eine Beamtin einem französischen Gast erläutert, warum der Vizepräsident der vereinigten Staaten gleichzeitig Präsident des Senats ist, obwohl er selber kein Senator ist, Plakatmotiv (US): Advise & Consent – Sturm über Washington (1962) dafür aber in Pattsituationen bei Abstimmungen dass Zünglein an der Waage ist. Manchmal hat Preminger Drama was von einem politischen Proseminar. Offenbar will der Regisseur ganz sicher sein, dass alle den politischen Betrieb in Washington verstehen – inklusive den mit Intrigen und bösen Verleumdungen. Denn um diese und was sie mit aus Menschen machen geht es eigentlich in diesem Film.

Der politische Betrieb, den Preminger in wortreichen Szenen beschreibt, bildet bloß den mit Henry Fonda (Der Stern des Gesetzes – 1957; "Die zwölf Geschworenen" – 1957; Der falsche Mann – 1956; "Krieg und Frieden" – 1956; Faustrecht der Prärie – 1946; Ritt zum Ox-Bow – 1942; Rache für Jesse James – 1940; Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Jesse James – Mann ohne Gesetz – 1939) und Charles Laughton prominent besetzten Rahmen, der mehr und mehr von dem aufstrebenden Senator aus Utah, Brigham 'Brig' Anderson, ausgefüllt wird, der als Ausschussvorsitzender zwischen die Fronten gerät, alles richtig machen und sich nicht verbiegen lassen will. Er hat eine freundliche Ehefrau, die keine Salonlöwin ist, wie die Frauen manch anderer Senatoren, eine liebreizende Tochter und er glaubt an seine Ideale. Ein Außenminister der Vereinigten Staaten, der sich früher mal bei den Kommunisten umgeschaut hat, gehört für Brig nicht zu diesen Idealen. Ohne es zu ahnen, hat Brig sich aber schon Feinde im Senat gemacht. Es gab andere, die sich Chancen auf den Posten des Ausschussvorsitzenden gemacht haben, und Brig erpressen.

Preminger, der in seinen Filmen gerne kontroverse Themen aufgreift, kommentiert in diesem Film die Kommunistenhatz in der McCarthy-Ära. Und er hebt das Thema Homosexualität auf die große Kinobühne. "Sturm über Washington" ist der erste Hollywoodfilm nach dem Zweiten Weltkrieg, in der Szenen in einer Schwulenbar gedreht wurden. Dass Homosexualität in der Gesellschaft des Jahres 1962 zwar existiert, aber nicht zur Kenntnis genommen wird, ist der dramatische Twist des Films und dass das Drama kein gutes Ende nimmt, ist die logische Folge.

Ein spannendes Lehrstück über Macht, die korrumpiert und in einer Welt außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft Blüten treibt.

Wertung: 6 von 7 D-Mark
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