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Plakatmotiv: Rache für Jesse James (1940)

Die Fortsetzung eines Dramas,
das den Regeln des Kinos gehorcht

Titel Rache für Jesse James
(The Return of Frank James)
Drehbuch Sam Hellman
Regie Fritz Lang, USA 1940
Darsteller

Henry Fonda, Gene Tierney, Jackie Cooper, Henry Hull, John Carradine, J. Edward Bromberg, Donald Meek, Eddie Collins, George Barbier, Russell Hicks, Ernest Whitman, Charles Tannen, Lloyd Corrigan, Victor Kilian, Edward McWade u.a.

Genre Western, Drama, Abenteuer
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
25. März 1952
Inhalt

Robert Ford, der den jungen Outlaw Jesse James hinterrücks ermordet hat, und sein Bruder Charlie werden in einem Scheinprozess freigesprochen und kassieren obendrein das Kopfgeld, das auf Jesse James ausgesetzt war. Als Jesses Bruder Frank davon erfährt, beschließt er, das Gesetz in seine eigenen Hände zu nehmen.

Er macht sich gemeinsam mit zwei seiner alten Bandengesellen auf die Jagd nach Ford, um seinen Bruder zu rächen. Um an Geld zu kommen, überfallen Frank und seine Begleiter die Eisenbahngesellschaft, wobei ein Angestellter versehentlich getötet wird.

Frank muss untertauchen und lernt dabei die Journalistin Eleanor Stone kennen. Plakatmotiv (US): The Return of Frank James (1940) Schon bald kommt Frank zu der Einsicht, dass er sich erst selbst dem Gesetz stellen muss, bevor er den Mörder seines Bruders stellen kann …

Was zu sagen wäre

Und die Legende lebt weiter. Fritz Lang übernimmt den Sagenstoff der James-Brüder und inszeniert einen ordentlichen Rache-Western. Frank James, gespielt von Henry Fonda (Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Jesse James – Mann ohne Gesetz – 1939) übrig geblieben war; die Rache für den feigen Mord an Jesse, seinem Bruder.

Auf historische Feinheiten muss Lang keinen Wert mehr legen, die Story dieses Films basiert auf keinen historischen Fakten; es ist einfach eine Fortsetzung. Lang kann frei fabulieren – und unbeschwert inszenieren. Das tut er. Die rasanten Verfolgungsjagden in gestrecktem Galopp aus Jesse James verfeinert er mit einer weichen Kamerafahrt, die wirkt, als würde die Kamera neben den über Stock und Stein Galoppierenden her schweben. Lang schickt Frank James für seine Rache auf einen Hindernisparcours; hat er ein Problem bei der Suche nach den Ford-Brüdern gelöst, bauen sich zwei neue auf. Eines ist sein Ziehsohn Clem, der das Abziehbild des heißblütigen Jungen in einem Western ist, der mal hilfreich ist und mal den Feldzug behindert und auf dem Höhepunkt der Erzählung sein Leben verliert. Ein anderes sind die korrupten Behörden, die sich ungefragt der Eisenbahngesellschaft unterwerfen – klar: alle gekauft.

Fritz Lang, aus dem faschistischen Deutschland in die USA emigriert, inszeniert die Politik des Kapitals (der Eisenbahn) als für das Wohl des Volkes alternativlos und also gegen alle Widerstände und mit Härte durchzusetzen. Das setzt er sehr effektvoll in Szene.

Vor allem, weil er eine neue Zeitung in den Fokus zerrt. Im Original gab es ja schon den Zeitungsherausgeber Cobb, der mit publizistischem Furor gegen die Herrschenden anschrieb. Plakatmotiv (US): The Return of Frank James (1940) War diese Figur noch irgendwie wenigstens halbwegs historisch gedeckt, kommt nun aus rein dramaturgischen Gründen eine hübsche Maid ins Spiel, Tochter des Herausgebers des Denver Star. Die wird eingeführt als eine, die sich im bislang rein männlich geprägten Berufszweig durchsetzen möchte und also allerhand Interessen in Bewegung setzt.

Aufgrund ihrer Recherchen ist bald halb Amerika überzeugt, dass Frank James tot ist, getötet bei einer Schießerei irgendwo in Mexiko. Das klingt nach einem Scoop und was zunächst aussieht, wie der Beweis, dass Frauen 1940 genauso gute Reporter sein können wie Männer, entpuppt sich bei Fritz Lang, der die Macht der Presse (in Deutschland) hautnah erlebt hat, als Beweis dafür, dass Frauen bei ihrem Versuch, besser – oder wenigstens genau so gut – zu sein wie Männer, entsetzlichen Schaden anrichten. Denn diese Eleanor Stone prüft ihre Quelle nicht, sie schreibt einfach nieder, was ihr irgend jemand erzählt hat, und bringt Frank James damit in ein Gerichtsverfahren (auch der ein oder andere männliche Reporter schreibt einfach auf, was irgend jemand erzählt, und bringt damit Menschen an den Galgen. Aber das wird im Film nicht thematisiert).

Im letzten Drittel seines Films wechselt Fritz Lang vom Action-Rache-Western zum Gerichtsdrama. Jetzt haben Anwälte, ein Richter und johlende Zuschauer im Saal das Wort, während zwölf Geschworene irgendwie neutral zuhören sollen. Und mit der Macht des Wortes – nicht der des Colt – wird Frank James von allen Vorwürfen befreit. Und so können nun er und die tapsige Tochter des Herausgebers des Denver Star, die offenbar doch keinen so großen Wert darauf legt, sich als Frau im Reporterjob durchzusetzen – „Sie werden wohl nie mehr nach Denver zurück kommen“, haucht sie. „Das kann man nicht voraussagen“, entgegnet er und schwärmt: „Das ist wirklich eine hübsche Gegend hier. Ja, es ist schon sehr beeindruckend, wenn man sieht, wie morgens die Sonne über den Bergen aufgeht.“ Dann blickt er auf die kokett aufblitzende Eleanor Stone und sagt: „Doch, es gibt eine Menge, was mir an Denver gefällt!“ „Das freut mich“, gluckst sie –, in eine gemeinsame, friedliche Zukunft ziehen.

Wertung: 3 von 6 D-Mark
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