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Plakatmotiv: Stern des Gesetzes (1957)

Versöhnlicher Blick auf
eine bigotte Gesellschaft

Titel Stern des Gesetzes
(The Tin Star)
Drehbuch Dudley Nichols
nach einer Erzählung von Joel Kane und Barney Slater
Regie Anthony Mann, USA 1957
Darsteller

Henry Fonda, Anthony Perkins, Betsy Palmer, Michel Ray, Neville Brand, John McIntire, Mary Webster, Peter Baldwin, Richard Shannon, Lee Van Cleef, James Bell, Howard Petrie, Russell Simpson, Hal K. Dawson, Jack Kenney, Mickey Finn, Walter Bacon, Sam Bagley u.a.

Genre Western
Filmlänge 93 Minuten
Deutschlandstart
28. Februar 1958
Inhalt

Der verbitterte Ex-Sheriff Morgan "Morg" Hickman, jetzt Kopfgeldjäger, bringt die Leiche eines Outlaws in eine Westernstadt, um seine Belohnung zu kassieren. Dabei wird er ungewollt in ein Kräftemessen zwischen dem unerfahrenen Sheriff Ben Owens und dem machtgierigen Bart Bogardus hineingezogen. Ben kennt seine Schwächen, ist aber trotz des Widerstands seiner Angebeteten, Millie, entschlossen, sich als Mann zu beweisen und seinen Job zu behalten.
Wegen seiner Kopfgeldjagd verachtet, wird Morg von den Stadtbewohnern eine Unterkunft verweigert. Der junge Kip bringt ihn zu seiner verwitweten Mutter Nona, die ebenfalls eine Ausgestoßene ist - gemieden, weil sie einen Indianer geheiratet hat. In ihrem Haus findet Morg Aufnahme, bis die Belohnung ausgezahlt werden kann. Ben ist beeindruckt von dem ruhigen, selbstsicheren Auftreten Morgs und von dessen Schießkünsten, so dass er ihn bittet, ihm alles Notwendige beizubringen. Zögerlich willigt Morg ein und beginnt, den jungen Sheriff nicht nur den Umgang mit dem Revolver zu lehren, sondern dass Menschenkenntnis noch wichtiger ist …

Was zu sagen wäre

Wenn das Gröbste überstanden ist, wünscht man die starken Männer zum Teufel. Der amerikanische Westen ist besiedelt, die kleinen Städte prosperieren, nur leider haben die starken Männer auf dem Weg zum Teufel ein paar Umwege gemacht, von denen die Bevölkerung in ihren gut gefüllten General Stores in den sauberen Straßen lieber nichts mehr wissen will.

Anthony Mann (Der Mann aus Laramie – 1955; Meuterei am Schlangenfluss – 1952; Quo Vadis (1951, uncredited); Winchester 73 – 1950) erzählt in seinem Western über die Zeit, in der das Land die Gewalt endlich hinter sich lassen wollte. Hatte man während der Besiedlung nicht genug Indianer getötet? Hatten schnelle Pistoleros während der großen Trecks nicht genug Gauner zur Strecke gebracht? Jetzt wohnen sie endlich in ordentlichen Städten, der Handel floriert, der Whisky fließt und die Gauner  werden dem Richter überantwortet – oder von Kopfgeldjägern draußen vor der Stadt gerichtet. Schön, dass die Mordbuben ausgeschaltet sind. Blöd aber, dass der Kopfgeldjäger mit den Toten dann in die Stadt kommt, um die Prämie zu kassieren. Muss das denn sein?

Morgan Hickman, der Kopfgeldjäger, bekommt in der Stadt kein Zimmer, erst bei der Frau eines verstorbenen Indianers, die ihren Sohn alleine groß zieht. In der kleinen weißen Stadt sind das gleich zwei Ausschlusskriterien. Mit wenigen Szenen malt Anthony Mann das Porträt dieser bigotten, weißen Stadtgesellschaft, die den Frieden will, aber den damit einhergehenden Tod nicht, die den Handel propagiert, aber die Fremden, die ihn ermöglichen, nicht will. Plakatmotiv (US): The Tin Star (1957) Die sich einen Sheriff hält, der sich um die Schurken kümmert, dafür wird er ja bezahlt, und die ihm genau deswegen im entscheidenden Moment auch nicht beistehen. Da klingt Fred Zinnemanns zynischer Western 12 Uhr mittags von 1952 an. Anthony Mann erzählt seine Version in einer Lehrer-Schüler-Geschichte – der erfahrene Mentor nimmt den hoffnungslosen Nachfolger unter seine Fittiche.

Dafür muss Henry Fonda (Die 12 Geschworenen – 1957; Der falsche Mann – 1956; Krieg und Frieden – 1956; Faustrecht der Prärie – 1946; Ritt zum Ox-Bow – 1942; Rache für Jesse James – 1940; Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Jesse James – Mann ohne Gesetz – 1939) in die Rolle eines verbitterten Mannes schlüpfen, der jede Art staatlicher Macht-Insignien in seinem früheren Leben als Scharlatanerie entlarvt hat und einen hohen Preis bezahlte. Er war auch mal Sheriff, lange sogar. Aber die Stadtgesellschaft, die ihm immer so freundlich auf die Schulter klopfte, ließ ihn im Stich, als er sie brauchte. Da stellte er fest, dass er mit dem Abarbeiten von Steckbriefen – „Tod oder lebendig“ – besser weiter kommt, als als unterbezahlter Sheriff. Und so bringt er nun dem jungen, überforderten Sheriff Ben Owens seine zynischen Erkenntnisse nahe und der dem Zyniker den Wert des Lebens. Manns Film könnte auch "Tod oder lebendig" heißen, denn darum dreht er sich.

Fondas Zyniker muss wieder lernen, dass er in der modernen, zwar bigotten, aber freien Gesellschaft des Rechts das "lebendig" auf den Steckbriefen achten sollte. Und sein Schüler Ben, der Sheriff, muss lernen, das Autorität nur besitzt, wer sie sich nimmt. Und in der Gesellschaft der kleinen Stadt mag man den starken Mann zwar zum Teufel wünschen, aber der, der nun mal da ist, hier heißt der Bart Bogardus, den nimmt man gerne, um sich hinter dessen breitem Auftreten zu verstecken. Das Genre des Western eignet sich im US-Kino am besten, um die ewigen Fragen zu diskutieren. Alle wollen Ruhe und Ordnung im Zusammenleben, damit der Handel floriert und der Umsatz stimmt. Aber niemand möchte mit den Begleitumständen behelligt werden, die dieses Leben mit sich bringt; die bewaffneten Gauner sind ja nicht einfach weg, die müssen ja weiterhin ausgeschaltet werden und das ist nicht immer sehr ansehnlich. Von dieser Bigotterie handelt der Film. Mann packt seine Gesellschaftskritik in eine unterhaltsame Westernkulisse, der nur die Indianer und die Saloonschlägerei fehlt.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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