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Plakatmotiv: Rendezvous mit einer Leiche (1988)

Eine müde Mordgeschichte vor fader
Kulisse mit langweiligen Menschen

Titel Rendezvous mit einer Leiche
(Appointment with Death)
Drehbuch Anthony Shaffer & Peter Buckman & Michael Winner
nach dem Roman "Der Tod wartet" von Agatha Christie
Regie Michael Winner, UK, USA 1988
Darsteller

Peter Ustinov, Lauren Bacall, Carrie Fisher, John Gielgud, Piper Laurie, Hayley Mills, Jenny Seagrove, David Soul, John Terlesky, Nicholas Guest, Valerie Richards, Michael Sarne, Douglas Sheldon, Michael Craig, Amber Bezer, Mohammed Hirzalla, Rudy Ruggiero, Dan Muggia u.a.

Genre Krimi
Filmlänge 96 Minuten
Deutschlandstart
2. November 1989
Inhalt

1937: Elmer Boynton, ein reich gewordener ehemaliger Direktor eines US-amerikanischen Gefängnisses, ist verstorben, nachdem er kurz zuvor sein Testament geändert hatte; sein Vermögen soll unter seiner zweiten Frau Emily Boynton, einer ehemaligen Aufseherin in Boyntons Gefängnis, und den Kindern gleichmäßig verteilt werden. Der Witwe Emily gelingt es aber durch Erpressung, den Anwalt der Familie zum Verbrennen des Testaments zu zwingen. Dadurch wird das ursprüngliche Testament wieder gültig, nach dem das Vermögen allein an die Witwe fällt.

Auf Wunsch der tyrannischen Witwe unternimmt die Familie, zu der – neben dem eigenen Kind – auch Stiefkinder aus einer früheren Ehe des Verstorbenen und bereits eine Schwiegertochter gehören, eine Reise, die sie zuerst nach Europa, dann ins britisch regierte Palästina führt. Der Anwalt, der eine Affäre mit Emilys Schwiegertochter hat, reist der Familie nach. Auf der Überfahrt, bei der auch noch andere Reisende in den Kreis der Familie Boynton geraten, versucht Emily ihn – den einzigen, der ihr Geheimnis um die Erbschaft teilt – mit ihren Herztropfen zu vergiften, was aber misslingt.

Hercule Poirot reist ebenfalls auf diesem Schiff in den Urlaub nach Palästina. Durch gemeinsame Bekannte und andere Zufälle kommt man ins Gespräch und besucht die Ausgrabungen bei Qumran am Toten Meer. Dort fällt Mrs. Boynton, vor einem Zelt sitzend, einem Mordanschlag zum Opfer. Hercule Poirot beginnt mit den Ermittlungen

Was zu sagen wäre

Im Kriminalkino sind es häufig die Anwälte oder die Erblasser, sprich: die reichen Gründer, die für Unruhe, Mord und Totschlag sorgen. Bei Agatha Christie sind es die Familien aus gehobenem Kreis, die alles andere als familiär herzlich miteinander umgehen.

In "Appointment with Death" haben wir es mit kalten Anwälten und nervenschwachen Erben zu tun, die gerne mehr von dem hätten, als das, was der Erblasser ihnen augenscheinlich überlassen will, und also das Testament anfechten. Wenn es sein muss auch mit Gewalt. Allerdings lässt uns die Regie im Stich. Michael Winner sitzt auf dem Regiestuhl und der hat Ahnung vom schnell schießenden Spannungskino, weniger allerdings vom Suspense. Er leitet die Dramaturgie seines Kriminalfalls wie ein Puppentheater, in dem eine Figur nach der anderen erklärt, welche Funktion sie hat, um dann wahlweise vom Krokodil gefressen, oder vom Kasper gerettet zu werden.

Da ist diese Gefängnisdirektorenwitwe, die eingans dafür sorgt, dass ihr Anwalt das ihr ungenehme Testament in Flammen aufgehehen lässt und dann sehen wir die Erben und andere Geschädigte auf einer Kreuzfahrt durch Touristenattraktionen. Das wirkt im Kinosessel wie Tod auf dem Nil (1978) nochmal verwurstet. Plakatmotiv: Rendezvous mit einer Leiche (1988) Der Mordfall lässt hier mehr als eine dreiviertel Stunde auf sich warten, ohne, dass zuvor Spannung aufgebaut worden wäre. Michael Winner, bekannt geworden als Charles Bronsons Hausregisseur ("Death Wish 3 – Die Rächer von New York" – 1985; Ein Mann sieht rot – 1974; Scorpio, der Killer – 1973; Kalter Hauch – 1972; Chatos Land – 1972) begnügt sich vor dem Hintergrund des israelischen/jüdischen Konfliktes im Heiligen Land vor dem zweiten Weltkrieg damit, Skizzen zu inszenieren – hier ein (vielleicht) heimliches Liebespaar, dort die erpresserische Erblasserin, hier sich übergangen fühlende Stiefkinder, dort der renommierte Privatdetektiv, der immer wieder zufällig genau in dem Moment an der richtigen Stelle ist, an der später Verdächtige einander verdächtige Sätze zuraunen. Dazwischen leuchtet die goldene Kuppel des Felsendoms attraktiv in die Kamera. Im Kinosessel kommt da keine Spannung auf, aber wir freuen uns über die bekannten Strukturen und – vor allem – Figuren.

Peter Ustinov spielt den Poirot hier zum sechsten und letzten Mal ("Tödliche Parties" – 1986; "Mord mit verteilten Rollen" – 1986; "Mord à la carte" – 1985; Das Böse unter der Sonne – 1982; Tod auf dem Nil – 1978; Drei Fremdenlegionäre – 1977; Flucht ins 23. Jahrhundert – 1976; Topkapi – 1964; Die Verdammten der Meere – 1962; Spartacus – 1960; Wir sind keine Engel – 1955; Quo Vadis – 1951). Er macht das charmant mit kleinen Poirot-Manierismen, hat allerdings zu wenig zu tun, weil lange erstmal gar kein Mord geschieht. Er geht viel herum, unterhält sich über Belanglosigkeiten und zaubert den Mörder im Finale dann doch mit einer dem Zuschauer bislang unbekannten Information wie Kai aus der Kiste. Die übrigen Verdächtigen, unter ihnen Carrie Fisher, die Prinzessin Leia aus dem Star Wars-Universum sowie David Soul, seinerzeit der Hutch aus der TV-Krimiserie "Starsky und Hutch", bleiben blass und unbedeutend. Hier eine Westentaschenintrige, da eine heimliche Liebelei, dort eine obskure Vergangenheit, da spielt sich keiner über den Abspann hinaus ins Gedächtnis der Zuschauer.

"Rendezvous mit einer Leiche" reiht sich ein in die Filmvehikel, in der große Altstars noch einmal auftreten. John Gielgud etwa (Gandhi – 1982; Der Elefantenmensch – 1980; Caligula – 1979; Mord im Orient-Express – 1974; Julius Cäsar – 1953) als alternder Colonel Carbury, oder Lauren Bacall, die beide schon in der Agatha Christie-Verfilmung Mord im Orient-Express (1974) zum Kreis der Verdächtigen gehört haben (The Shootist – Der letzte Scharfschütze – 1976; Mord im Orient-Express – 1974; Ein Fall für Harper – 1966; Warum hab' ich ja gesagt? – 1957; In den Wind geschrieben – 1956; Wie angelt man sich einen Millionär – 1953; Gangster in Key Largo – 1948; Die schwarze Natter – 1947; Tote schlafen fest – 1946; Haben und Nichthaben – 1944).

"Appointment with Death" ist eine müde Agatha Christie-Verfilmung mit faden Dialogen, in der nicht einmal die wieder prominenten Schauplätze für sich werben wollen.

Wertung: 3 von 10 D-Mark
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