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Plakatmotiv: Warum hab' ich ja gesagt? (1957)

Beschwingte Unterhaltung mit
dem falschen Hauptdarsteller

Titel Warum hab' ich ja gesagt?
(Designing Woman)
Drehbuch George Wells
nach einer Idee von Helen Rose
Regie Vincente Minelli, USA 1957
Darsteller

Gregory Peck, Lauren Bacall, Dolores Gray, Sam Levene, Tom Helmore, Mickey Shaughnessy, Jesse White, Chuck Connors, Edward Platt, Alvy Moore, Carol Veazie, Jack Cole, Don Anderson, Helen Andrews, Jan Arvan, Rodney Bell, Arthur Berkeley, Otis Bigelow u.a.

Genre Romantik, Komödie
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
31. Dezember 1958
Inhalt

Sportreporter Mike und Modedesignerin Marilla heiraten Hals über Kopf, um gleich festzustellen, dass sie nicht zusammenpassen. Er kann mit Marillas Modekollegen nichts anfangen, ihr sind Mikes Pokerfreunde suspekt.

Dann findet Marilla auch noch das Foto einer unbekannten Schönheit …

Was zu sagen wäre

Männer leben auf dem Mars, Frauen auf der Venus. In diesem Fall lebt er in der Sportredaktion, sie im Modeatelier, er sitzt bei blutspritzenden Boxkämpfen und schreibt darüber, sie ist umgeben von Künstlern und entwirft für sie prachtvolle Kleider. Und aus einer Laune des Schicksals heraus, die es so nur im Kino gibt, heiraten sie, kaum, dass sie sich kennengelernt haben.

Dafür ist das Kino ja – auch – da, dass jene Dinge geschehen können, die der Menschenverstand in der Welt außerhalb des Kinos verhindert. Hier ähnelt der Film George Stevens' Komödie Die Frau, von der man spricht von 1942. Plakatmotiv (US): Designing Woman (1957) Da war Spencer Tracy auch ein Sportreporter, Katherine Hepburn allerdings eine politische Journalistin, keine Modedesignerin, wie im vorliegenden Film Lauren Bacall; deren Film-Beruf hier hilft, viele schöne Frauen in eleganten Roben vor der Kamera agieren zu lassen. Aber die Probleme, die sich dem ungleichen Paar in den Weg stellen, sind ähnlich: Was zu Beginn nicht passt, muss auf die Dauer passend gemacht werden.

Bei Sportreporter Mike steht im vorliegenden Fall dessen Ego im Weg: Seine Frau Marilla knabbert gerne an seinem Ohr – ist also erotisch für 1957 ungewohnt aktiv –, ist reicher als er und in New Yorks Gesellschaft besser vernetzt. Während er im Nebenraum mit seinen Kumpels die wöchentliche Pokerrunde feiert, erarbeitet sie mit ihren Freunden vom Theater nebenan Kostüme und Choreographie für die anstehende Theaterpremiere. In dem Lori die Hauptrolle spielt, die mit Mike zusammen war – bis der Marilla kennengelernt hat. "Designing Woman" ist von 1957, damals war es moralisch möglich, dass die Existenz einer ehemaligen Freundin als Rückgrat ganze Hollywoodfilme tragen konnten. Frühere Beziehungen waren im Kino regelmäßig Stolpersteine für romantische Missverständnisse und eheliche Zerwürfnisse. Männer konnten vor der Kamera einfach sagen, Hey, das ist meine Ex-Freundin. Auch hier nicht und prompt wird aus einem Nichts ein Screwball-Theater, während es kein Problem darstellt, dass sie mit Produzent Zachary White (der in der deutschen Fassung den Vornamen Henry trägt) am aktuellen Bühnenstück zusammenarbeitet, der ihr vergeblich einen Heiratsantrag gemacht hat.

"Designung Woman" ist ein Film aus der Klasse Beschwingte Unterhaltung, mittlere Nichtse werden zu Problemen aufgeblasen, mittlere Boxkampfverschieber als großen Gangsterdarsteller mit heiserer Stimme inszeniert, um den Film mit ein wenig Thrill über die Zeit zu bringen, und aus dem Off begleiten einige der Protagonisten die Geschichte mit ihren Kommentaren; da erzählen sie dann, was wir gerade im Bild sehen, dafür müssen sich Regisseur Vincente Minelli und Autor George Wells nicht so viele Gedanken um bündige Anschlüsse im Drehbuch machen – wenn sie bei einem Handlungsstrang nicht weiter wissen, können sie mit einem Off-Kommentar irgendwoanders wieder einsetzen.

Für die Hauptrollen waren ursprünglich James Stewart und Grace Kelly vorgesehen. Dann wäre das ein Film in den Farben von Die Oberen Zehntausend aus dem vorherigen Jahr 1956, nur ohne die Musik geworden. In jenem Musical, das auf dem 1939er-Bühnenstück "The Philadelphia Story" basiert, hatte Kelly die schnippische, sich nach Liebe sehnende Millionärstochter gespielt. Plakatmotiv (US): Designing Woman (1957) Und Stewart, der mit Kelly in Das Fenster zum Hof gespielt (1954) hatte, hatte in der ersten Verfilmung des Bühnenstücks "The Philadelphia Story" von 1940 den freundlichen Reporter gespielt, der der potenziellen Braut (die Grace Kelly dann in den Oberen Zehntausend spielt) aus der Patsche hilft. Grace Kelly heiratete dann aber Monacos Fürsten Rainier und sagte ab. Darauf stieg auch Stewart aus, und plötzlich fand sich Gregory Peck in der Rolle eines Liebhabers wieder. Ein Part, der bis dato nicht seine Kernkompetenz darstellt (Moby Dick – 1956; "Flammen über Fernost" – 1954; Ein Herz und eine Krone – 1953; "Schnee am Kilimandscharo" – 1952; Des Königs Admiral – 1951; Der Scharfschütze – 1950; Der Kommandeur – 1949; Der Fall Paradin – 1947; Duell in der Sonne – 1946; Ich kämpfe um dich – 1945; "Die Entscheidung" – 1945; "Schlüssel zum Himmelreich" – 1944; "Days of Glory" – 1944). Romantik ist nicht Pecks Rollenfach, in seiner bislang größten Romanze, Roman Holidays, vibrieren zwar die Emotionen, aber am Ende gehen beide hoch erhobenen Hauptes getrennte Wege. Diese Art unerfüllten Gefühls kann der stets etwas steif wirkende Schauspieler, der ja nicht zufällig gerne als Offizier besetzt wird, gut zeigen. Aber echte Liebe? Nicht seine Sache – jedenfalls nicht vor der Kamera.

Den Grace Kelly-Part übernimmt Lauren Bacall, was insofern passt, als in der erwähnten früheren "Philadelphia Story"-Verfilmung Katherine Hepburn die spätere Kelly-Rolle spielte und Hepburn und Bacall ihren Frauenfiguren stets eine gewisse Kratzbürstigkeit mitgaben, die es in jenen Jahren brauchte, um Ihre Film-Männer erfolgreich auf Linie zu bringen (In den Wind geschrieben – 1956; Wie angelt man sich einen Millionär – 1953; Gangster in Key Largo – 1948; Die schwarze Natter – 1947; Tote schlafen fest – 1946; Haben und Nichthaben – 1944).

Die Idee zum Film lieferte die Designerin Helen Rose, die auch die Kostüme für den Film entwarf. Gedreht wurde mit einem großzügigen Budget von zwei Millionen Dollar unter anderem im Beverly Hills Hotel in Los Angeles. Für Bacall waren die Dreharbeiten nicht leicht, da sich seinerzeit ihr Mann Humphrey Bogart in den letzten Stadien seiner Krebserkrankung befand. Er starb am 14. Januar 1957, noch ehe der Film veröffentlicht wurde.

Bei der Oscarverleihung 1958 wurde das Skript von George Wells in der Kategorie "Originaldrehbuch" mit dem Oscar ausgezeichnet. Wells erhielt zudem eine Nominierung für den Writers Guild of America Award. Bei der Verleihung der Laurel Awards war der Film als beste Komödie nominiert. Lauren Bacall war als beste Hauptdarstellerin in einer Komödie ebenfalls unter den Nominierten und belegte letztlich den dritten Platz.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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