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Plakatmotiv: Die oberen Zehntausend (1956)

Leicht und locker inszenierte Romanze,
die durch Cole Porters Musik leuchtet

Titel Die oberen Zehntausend
(High Society)
Drehbuch John Patrick
nach einem Bühnenstück von Philip Barry
Regie Charles Walters, USA 1956
Darsteller

Bing Crosby, Grace Kelly, Frank Sinatra, Celeste Holm, John Lund, Louis Calhern, Sidney Blackmer, Louis Armstrong, Margalo Gillmore, Lydia Reed, Gordon Richards, Richard Garrick, Edmond Hall, James Young, Arvell Shaw, Billy Kyle, Barrett Deems u.a.

Genre Musical, Romanze
Filmlänge 111 Minuten
Deutschlandstart
16. April 1957
Inhalt

Die Familie von Tracy Lord hat keine Geldsorgen, denn sie gehört zur Oberschicht. Tracy will zum zweiten Mal heiraten, wird jedoch von ihrem Ex Dexter-Haven genervt, der für einige Zeit direkt im Haus nebenan wohnt und sie immer noch liebt.

Sorgen macht Tracys auch ihr Vater, der einer jungen Tänzerin aus New York verfallen ist. Die Reporter Mike Connor und Liz Imbrie erpressen Tracy – entweder, das Boulevard-Magazin "Späher" darf über die Hochzeit berichten, oder pikante Fotos von Tracys altem Herren landen im Blatt …

Was zu sagen wäre

Immer noch schön, wenn mal ein Film die Reporter-Nebenrollen nicht zum Mülleiner für alles Schlechte in der Welt macht. Plakatmotiv: Die oberen Zehntausend (1956) Hier erleben zwei Reporter eines berüchtigten Klatschmagazins die höchst Schlagzeilen- und Fototrächtige Trennung einer Verlobung in höchsten New Yorker Gesellschaftskreisen bei gleichzeitiger Wiederverlobung der Braut mit ihrem ersten Bräutigam. und die Reporter kündigen ihren Job und berichten nichts über dieses Beziehungsdrama, das beide reich machen könnte.

Die Geschichte, in der die geschilderten menschenfreundlichen Reporter eine Nebenrolle haben, ist nicht ganz neu. Ganz neu an der Erzählung ist genau genommen nur die Musik für die Musicalstruktur, die das Stück unter Charles Waters' Regie bekommen hat. Der mit Musik von Cole Porter und in Vistavision produzierte Film basiert auf dem Broadway-Bühnenstück "The Philadelphia Story" (1939) von Philip Barry, das bereits 1940 von George Cukor als Die Nacht vor der Hochzeit verfilmt wurde.

In der damals von Katherine Hepburn elegant und herb gespielten Rolle der Tracy Lord spielt heute Grace Kelly elegant und romantisch verträumt (Über den Dächern von Nizza – 1955; Das Fenster zum Hof – 1954; Dial M for Murder – 1954; Mogambo – 1953; 12 Uhr mittags – 1952). Schaut man sich Kellys jüngste Filmvergangenheit an, erscheint "High Society" wie das Finale einer Trilogie, die mit Das Fenster zum Hof (1954) begonnen hat, mit Über den Dächern von Nizza (1955) fortgeführt wurde und hier jetzt ihren Abschluss findet: Erzählt werden da im Hintergrund Geschichten über die schönste Frau der Welt, die einmal in eine Mordgeschichte und einmal in einen Juwelenraub verwickelt wird und dadurch zu einer marmornen Statue unübertrefflicher Eleganz verklärt worden ist. Ein zentraler Dialog zwischen George, dem hoffnungsfrohen künftigen Ehemann und dessen wohl künftiger Ehefrau aus dem Bühnenstück behandelt die unterschiedlichen Sehnsüchte von mann und Frau. George, der Verlobte, freut sich, die wunderschöne, wohl erzogene, elegante Tracy zur Frau nehmen zu dürfen – obwohl die schonmal verheiratet war: „Du bist im Grunde unberührt geblieben in dieser törichten Ehe“, sagt also George. „Du hast die Unnahbarkeit, wie eine Statue, die man verehrt.Plakatmotiv: Die oberen Zehntausend (1956) Das lässt Tracy zum ersten Mal über ihre neuen Hochzeitspläne nochmal nachdenken: „George, ich will nicht verehrt werden. Ich will, dass Du mich liebst!.“ „Das versteht sich ja von selbst.“, reagiert der, als sei das Gefühl der Liebe eine Nebensache in so einer Verbindung. „Aber darüberhinaus möchte ich Dir einen Tempel bauen, wie einer Göttin. Um Dich anzubeten und zu Dir aufzuschauen.“ George will mit Tracy machen, was die Öffentlichkeit it Grace Kelly nach den genannten Filmen gemacht hat, das Monument anbeten, anstatt die Frau aus Fleisch und Blut zu sehen. "High Society" war der letzte Film mit Grace Kelly, bevor sie 1956 Fürst Rainier III. von Monaco heiratete und ihre Schauspiel-Karriere beendete.

Die neue Verfilmung dieses Broadwaystücks bietet auf der erzählten Ebene keine wesentlich neuen Überraschungen. Die Rolle der kleinen Schwester der Braut, Caroline, musste stark eingekürzt werden, um zeitlich Platz für die Musicalnummern zu schaffen, von denen Louis Armstrongs "High Society" und "Now You have Jazz" von Bing Crosby mit Louis Armstrong and Band sofort zu fingerschnippenden Ohrwürmern werden. Im Film spielt Armstrong Armstrong, Bing Crosby spielt die damalige Cary Grant-Rolle des Ex-Gatten Dexter, heute ein Schlagerkomponist, der über Nacht mit Charme, Liedern und ein paar Wahrheiten, seine ehemalige Ehefrau zurückgewinnt.

Die James Stewart-Rolle des Boulevardreporters übernimmt im neuen Film Frank Sinatra ("Der Mann mit dem goldenen Arm" – 1955; Verdammt in alle Ewigkeit – 1953), was der Rolle als solcher eherCharme und Schlagfertigkeit nimmt, den Produzenten aber die Möglichkeit bietet, Sinatra und Crosby Duette singen zu lassen, was launige Filmminuten hervorbringt.

"High Society" ist in erster Linie ein Musical. Es will sich über seine Melodien verkaufen, weniger über die überraschende Story. Entsprechend wenig überrascht die. Gelegentlich ertappe ich mich dabei, dass ich auf die nächste bekannte Wendung schon warte und mich auch mal frage, ob die Kulisse rund um den Swimmingpool eigentlich die gleiche ist, de George Cukor schon 1940 genutzt hat. Weil aber die Autoren wieder lebendige Dialoge geschrieben haben, die Schauspieler weder fröhlich spielen, entfaltet dieses Genrestück zusammen mit der Musik von Cole Porter große Leichtigkeit in großen Ballsälen und bunten, maßgeschneiderten Roben.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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