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Plakatmotiv: Guardians of the Galaxy, Vol. 3 (2023)

Bildgewitter mit Schmunzelfaktor
von dem nichts hängen bleibt

Titel Guardians of the Galaxy, Vol. 3
(Guardians of the Galaxy Volume 3)
Drehbuch James Gunn
nach den Comic-Charakteren von Dan Abnett & Andy Lanning & Steve Englehart & Steve Gan & Jim Starlin & Stan Lee & Larry Lieber & Jack Kirby & Bill Mantlo & Keith Giffin
Regie James Gunn, USA, Can., NZ 2023
Darsteller

Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel, Bradley Cooper, Karen Gillan, Pom Klementieff, Sean Gunn, Marija Bakalowa, Will Poulter, Chukwudi Iwuji, Elizabeth Debicki, Sylvester Stallone, Nico Santos, Miriam Shor, Nathan Fillion, Jennifer Holland, Daniela Melchior, Benjamin Byron Davis, Tara Strong, Linda Cardellini, Asim Chaudhry, Mikaela Hoover, Molly C. Quinn, Judy Greer, Michael Rooker, Christopher Fairbank, Seth Green, Gregg Henry, Pete Davidson u.a.

Genre Comicverfilmung, Science Fantasy, Abenteuer
Filmlänge 150 Minuten
Deutschlandstart
3. Mai 2023
Inhalt

Thanos und Peter Quills Vater Ego sind zwar Geschichte, aber die von ihnen verursachten Schäden sind sowohl im Universum als auch bei den Guardians Of The Galaxy nach wie vor spürbar. Während Star-Lord noch immer Gamora hinterhertrauert, hat seine Truppe die ehemalige intergalaktische Minenkolonie Knowhere mittlerweile zu ihrem Hauptquartier und einer Zufluchtstätte für Ausgestoßene umgemodelt.

Doch findet der Frieden hier ein jähes Ende, als der mächtige Adam Warlock, Sohn der rachsüchtigen Sovereign-Hohepriesterin Ayesha, Knowhere attackiert. Sie handelt im Auftrag eines Wesens, das als High Evolutionary gefürchtet ist.

High Evolutionary will Rocket in seine Gewalt bringen, oder besser: zurück haben. Denn er hat Rocket erschaffen und will dessen brillant arbeitendes Gehirn sezieren. Beim Angriff des Warlock wird Rocket schwer verletzt. Als Star Lord ihm routiniert ein Medipac auf die Brust schnallt, verschlechtert sich Rockets Zustand schlagartig. Grund: Sein Herz wird von einem hochsensiblen Gerät bewacht, das jeden äußeren Eingriff abwehrt.

Damit haben Star-Lord, Drax, Groot, Nebula und Mantis, die Guardians of the Galaxy, einen neuen Auftrag: Um ihren Freund zu retten, müssen sie quer durch die Galaxis reisen, um erstens Rockets Produktionsdatei an sich zu nehmen, auf der alle Daten Rocket betreffend gespeichert sind. Und dann müssen sie den Schlüssel finden, mit dem sie die gefährliche Sonde an Rockets Herz neutralisieren.

Währenddessen haben High Evolutionary, Ayesha und Warlock nicht aufgehört, Rocket und die Guardians zu jagen …

Was zu sagen wäre

Dies ist die Origin-Story des Guardian Rocket, der sich stets verbittet, als "Waschbär" bezeichnet zu werden – obwohl er ein solcher ist. Zusammen mit anderen war er als Kleintier in die Fänge des High Evolutionary geraten, eines Mannes, der behauptet „Gott existiert nicht! Deshalb habe ich seinen Posten übernommen!“ Das Volume 3 der "Guardians of the Galaxy" senkt die Stimmung. Der überbordende Actionklamauk der beiden Vorgänger ist ein wenig zurückgeschraubt, grausame Mensch- und Tierversuche geben dem Film emotionale Tiefe. Regisseur James Gunn (Super – Shut Up, Crime! – 2010) ist zwischenzeitlich ins konkurrierende DC-Lager gewechselt, nachdem er von Disney wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen worden war, als zehn Jahre alte Tweets von Gunn aufgetaucht waren, die Pädophilie und Vergewaltigung thematisierten. Als sich dann die Guardians-Schauspieler mit Gunn solidarisierten, holte Disney ihn nochmal zurück; vielleicht hat er den düsteren Touch des vorliegenden dritten Teils von DC mitgebracht, wo er noch schnell die Suicide Squad (2021) gedreht hatte.

Im Mittelpunkt steht einer, der sich für die Schönheit und Perfektion im Universum verantwortlich fühlt. Deshalb forscht er am lebenden Subjekt, an Tieren wie an Humanoiden, in seinem Frachtraum hat er hunderte Kinder eingekerkert. Dieser High Evolutionary ist ein klassischer Marvel-Schurke: ein Wissenschaftler, der aus Tieren und Menschen das perfekte Wesen designen wollte und darüber so verrückt wird, dass er u einem Superschurken heranwächst, der sich meistens mit den X-Men gemessen hat, aber auch Spider-Man hatte in seiner Comic-Karriere Kontakt mit seinen Schöpfungen. High Evolutionary will die perfekte Welt züchten. Mit Gentechnik, will tierische Lebensformen in anthropomorphe Arten verwandeln. Wenn ihm das gelungen ist, will er das ganze Universum optimieren.

Erreicht eine Versuchswelt nicht die 100%ige Perfektion, stampft er sie wieder ein und bringt dabei dann gleich Milliarden neu geschaffene Lebewesen um. In einer seiner Versuchsreihen, in „Charge 98“, schuf er Rocket, den wir als sarkastischen Piloten und Kämpfer kennen. Der ursprünglich kleine, verängstigte Waschbär entwickelte eine hohe Intelligenz und High Evolutionary möchte unbedingt wissen, wieso dieser "89P13" die einzige seiner Schöpfungen ist, die sich weiterentwickelt hat; wie es dazu kam, um den Vorgang duplizieren zu können. Denn ein gut funktionierendes Gehirn gehört zu Schönheit und Perfektion dazu. Na immerhin. Einige potenzielle Weltenlenker in Film und Wirklichkeit halten ja dumme Wesen für leichter beherrschbar.

Das Thema wird nicht vertieft, natürlich nicht, es ist immer noch ein Guardians-Film. Es reicht aber für eine Erzählung, die wieder getragen wird von einer Dramaturgie aus dem Konsolen-Kosmos. Die Helden wollen X erreichen. Um dorthin zu gelangen, müssen sie vorher die Level A, B, C und so weiter in ihrer Reihenfolge durchlaufen. Unter anderem geraten sie in eine organisch gezüchtete Raumstation, auf deren Oberfläche aus Haut die Guardians zwischen einzelnen Härchen durchgehen. Auch Volume 3 besticht mit phantasievollen Designs und überraschenden Momenten – zwischen denen wie gewohnt gekämpft, geballert, gekalauert, sich aus unmöglichen Situationen gewitzelt und in Familie gemacht wird, die beträchtlich gewachsen ist. Sie wohnen jetzt alle zusammen auf dem Stützpunkt Knowhere, dem fliegenden Totenschädel im All. Quill säuft sich hier meistens seine Trauer um den Verlust seiner Gamora die Kehle runter. Nebula kümmert sich rührend um den Beinahe-Schwager. Mantis und Drax wissen immer noch nicht, ob sie ein Liebespaar oder Geschwister werden wollen, Rocket hängt seinen Erinnerungen nach, Kraglin Obfonteri hat den Zauberpfeil von Yondu Udonta, Quills verstorbenem Ziehvater geerbt und übt immer noch, damit zehn Ziele gleichzeitig zu treffen, der Hund Cosmo hat es aus der Vitrine in Volume 2 zum vollwertigen Mitglied der Gruppe gebracht, Silvester Stallone als Stakar Ogord, Chef der Ravagers, wohnt nebenan und Gamora ist zwar tot, aber es ist ja noch eine da, die aus dem Jahr 2014 gekommen ist, die nur gar keine Vorstellung hat, je in Quill verliebt gewesen zu sein.

Und damit ist dann auch gut. Volume 3 ist das Schlusskapitel der "Guardians of the Galaxy"-Serie. „Star-Lord will return“ heißt es am Ende des Films, aber als Guardian hat er genug. Er will sich doch mal um seinen Grandpa auf der Erde kümmern. Mantis geht auf Selbstfindungstrip und die Anderen bleiben auf Knowhere und wollen dort die perfekt lebenswerte Gesellschaft entwickeln. James Gunn, der mittlerweile Batman, Superman und Wonder Woman in die cineastische Zukunft geleiten soll, hat Volume 3 ordnungsgemäß zu Ende gebracht. Seine Bilder sind übervoll, das Tempo ist rasant, die Ideen platzen zweieinhalb Stunden lang aus allen Nähten, dauernd wird unser Mitgefühl von putzigen Tieren, goldigen Kindern oder tollpatschigen Figuren motiviert und am Ende wird getanzt. Soweit so gut.

Nur ein guter Film ist auch diese Marvel-Produktion, von der nichts Interessantes hängen bleibt, an der nichts berührt, nicht geworden.

Wertung: 4 von 8 €uro
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