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Plakatmotiv: Inside Man (2006)

Ein cleveres Drehbuch mit einem
Überangebot berühmter Namen

Titel Inside Man
(Inside Man)
Drehbuch Russell Gewirtz
Regie Spike Lee, USA 2006
Darsteller

Denzel Washington, Clive Owen, Jodie Foster, Christopher Plummer, Willem Dafoe, Chiwetel Ejiofor, Carlos Andrés Gómez, Kim Director, James Ransone, Bernie Rachelle, Peter Gerety, Victor Colicchio, Cassandra Freeman, Peter Frechette, Gerry Vichi u.a.

Genre Crime, Drama
Filmlänge 129 Minuten
Deutschlandstart
23. März 2006
Inhalt

Als Anstreicher verkleidete Gangster – unter der Führung von Dalton Russell - überfallen eine Bank in Manhattan. Der vermeintliche Bankraub mündet in einer Geiselnahme. Die Gangster bringen um die fünfzig Menschen in ihre Gewalt.

Die Polizei schaltet den Vermittler Keith Frazier ein, der soll Russell auf den Zahn fühlen. DVD-Cover (US): Inside Man (2006) Doch er benimmt sich nicht, wie ein Geiselnehmer es tun sollte, und führt Frazier immer wieder vor. Welchen Schritt Frazier auch unternimmt, Russell scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein.

Erschwert wird Fraziers Arbeit zudem durch die Interventionen von Madeline White, welche die Interessen des Bankiers Arthur Case vertritt …

Was zu sagen wäre

Ein Film aus der Kategorie Irgendwas stimmt nicht und Du weißt es. Du weißt nur nicht, was nicht stimmt. Es spielen zwei AAA-Stars (Washington und Foster) drei AA-Star (Owen, Dafoe und Plummer) und ein paar A-Stars. Und sie alle werden nicht benötigt, um ihre schauspielerischen Finessen zu zeigen. Denn keine der Rollen erfordert mehr, als was Schauspielschüler nach vier Semestern können. Nein, diese Rollen fordern die Starpower der Beteiligten, ihre Präsenz, ihre Souveränität im Auftreten vor Filmkameras. Denn dieser Film ist ein Drehbuchfilm.

Hier hat ein smarter Autor eine clevere Idee, die er auf ein verschachteltes Drehbuch ausbaut, das über mehrere Ebenen läuft, und ein Regisseur, der New York liebt, hat sich das Buch geschnappt und einen intelligent montierten Krimi draus gemacht, dessen Wurzeln bis ins dritte Reich metastasieren, in dem es, das erfahren wir dann nebenbei, auch Amerikaner gab, die sich am Elend der verfolgten Juden bereichert haben.

Zunächst baut sich ein ganz normaler Bankraubthriller auf. Weil aber Clive Owen schon im Eröffnungsmonolog erklärt, man solle im folgenden ganz genau hinsehen, ist gleich klar: Das, was die Filmkamera im Fokus hat, ist nicht unbedingt Zentrum der Handlung. Und weil die Filmstars eben gleichmäßig auf beide Seiten des Gesetzes verteilt sind, ist es dem oberflächlichen Kinobesucher verwehrt, sich leicht auf eine, die richtige, weil Star-gespickte Seite zu werfen. Irgendwas stimmt also nicht.

Für dieses Irgendwas ist Jodie Foster zuständig ("Flightplan" – 2005; Panic Room – 2002; Anna und der König – 1999; Contact – 1997; Nell – 1994; Sommersby – 1993; Das Schweigen der Lämmer – 1991; Angeklagt – 1988; Taxi Driver – 1976). Sie spielt eine geheimnisvolle Möglichmacherin mit dem allegorischen Namen Mrs. White, die das Motto hat „Vertrauen Sie mir. Ich bin nicht erfolgreich, weil ich mir Feinde mache.“ Warum sie den Einfluss hat den sie hat, wird nicht klar, sie hat ihn einfach, nutzt ihn und spaziert als erfolgsgewohnte Spezialistin durch den Film. Plakatmotiv (US): Inside Man (2006) Ihre Rolle spielt keine Rolle außer der, dass es am einfachsten ist, am Ende sie das Verhältnis zweier Schlüsselfiguren dieses Verwirrspiels erklären zu lassen. Aber es ist Jodie Foster und der schauen wir so gerne zu, wie wir Denzel Washington zuschauen, solange der nicht echtes Schauspiel bieten muss – als Funktionsfigur ist Washington immer ganz gut (Déja Vu – 2006; Der Manchurian Kandidat – 2004; Mann unter Feuer – 2004; Training Day – 2001; Hurricane – 1999; Der Knochenjäger – 1999; Ausnahmezustand – 1998; Dämon – Trau keiner Seele – 1998; Mut zur Wahrheit – 1996; Crimson Tide – 1995; Teufel in Blau – 1995; Die Akte – 1993; Philadelphia – 1993; "Malcolm X" – 1992; Ricochet – Der Aufprall – 1991).

Washington spielt den rätselndes Cop mit den richtigen Ideen an der richtigen Stelle im Drehbuch, der selber irgendeinen Dreck am Stecken hat, von dem nicht klar wird, ob der Dreck wirklich Dreck oder doch eher ein Irrtum ist. Dadurch bleibt dieser Cop-Charakter lange Zeit undurchschaubar, verdächtig. Christopher Plummer ("Das Haus am See" – 2006; A Beautiful Mind – 2001; Insider – 1999; 12 Monkeys – 1995; Star Trek VI: Das unentdeckte Land – 1991; Die Zeit der bunten Vögel – 1990; Schlappe Bullen beißen nicht – 1987; Star Crash – 1978; "Der Mann, der König sein wollte" – 1975; "Der rosarote Panther kehrt zurück" – 1975; Spion zwischen zwei Fronten – 1966) spielt den großväterlichen Wohltäter, den guten Banker, von dem wir im Kinosessel alle wissen, dass es den im Kino nicht gibt, und weil er Jodie Foster beauftragt, sein Schließfach in der überfallenen Bank zu sichern, ist früh klar, dass der Wohltäter tatsächlich nicht nur wohltätig ist. Das darf man ruhig verraten, weil auch dies in diesem Reigen der Funktionsfiguren kein Geheimnis ist, zumal Plummer für einen Mann, der der Filmvita folgend um die 90 Jahre alt sein müsste, doch noch arg jung ist.

Auch Plummer verkörpert eine Schachfigur in diesem lustvoll erzählten Script, das mit schönen Dialogperlen glänzt. Einem Perser, der sich beklagt, dauernd als Araber missverstanden und zu verschärften Kontrollen herausgezogen zu werden, entgegnet der Manhatten-Cop kühl „Ich wette, Sie kriegen ein Taxi.“ „Irgendeinen Vorteil muss man ja haben.“ "Inside Man" ist ein unterhaltsamer Film, der sich als Startrampe für einen fröhlichen Abend in den Kneipen und Clubs der Stadt anbietet.

Wertung: 4 von 7 €uro
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