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Plakatmotiv: Teufel in Blau (1995)

Set-Design und Zeitcolorit sind
spannender als die Krimistory

Titel Teufel in Blau
(Devil in a Blue Dress)
Drehbuch Carl Franklin
nach einem Roman von Walter Mosley
Regie Carl Franklin, USA 1995
Darsteller

Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle, Maury Chaykin, Terry Kinney, Mel Winkler, Albert Hall, Lisa Nicole Carson, Jernard Burks, David Fonteno, John Roselius, Beau Starr, Steven Randazzo, Scott Lincoln u.a.

Genre Crime, Drama
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
2. Mai 1996
Inhalt

Es ist 1948 in L.A. Der schwarze Kriegsveteran Ezikeal “Easy” Rawlins sucht nach Arbeit. Er wird von DeWitt Albright als Privatdetektiv angeheuert, eine weiße Frau zu finden, die irgendwo in L.A.s Ghetto abgestiegen sein soll.

Rawlins findet heraus, dass es sich bei der gesuchten Dame um Daphane Monet, die Geliebte von Todd Carter, dem Favoriten im Rennen um das Bürgermeisteramt, handelt. In der Jazz-Szene von Los Angeles findet er sie.

Und jeder, der mit Daphne zu tun hat, endet offenbar als Leiche …

Was zu sagen wäre

Das Interessante an diesem Film ist weniger seine Dramaturgie als mehr sein Setting. Mit Liebe zum Detail zeigt Carl Franklin das Los Angeles des Jahres 1948, lässt seine Set-Designer aus dem Vollen schöpfen und führt uns in buckligen, bunten Limousinen durch staubige Straßenzüge, verrauchte Billardhallen, schummrige Jazzkeller und prächtige Villen in groß angelegten Parks – eine Reise durch Los Angeles von unten nach oben und wieder nach unten.

Und er zeigt den harschen Rassismus, der drei Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges immer noch hemmungslos ausgelebt wird und die Gesellschaft spaltet in jene, die arm oder reich oder Cops sind und weiß. Und jene, die schwarz sind. Letztere sind immer die Verlierer. Die eigentliche Kriminalhandlung verblasst etwas hinter diesem Zeitcolorit.

Viele Überraschungen hält die Handlung nicht bereit. Da ist der Arbeit suchende, lakonische Texte aus dem Off sprechende Zyniker, der dringend Geld braucht. Da ist der Auftrag, für unglaubliche 100 Dollar (1948 eine Menge Geld) lediglich ein Mädchen zu suchen. Da ist dieses Mädchen dann verwickelt in große Machtkämpfe zweier Bosse – traditionell endet im Film Noir ein simpler Job in einer mörderische Verschwörung. Aber in diesem Film liegt der Hintergrund, der üblicherweise erst langsam in den Film tröpfelt und dann die Pole der Verschwörung formt, rasch offen zutage, denn Zeitungsschlagzeilen schreien nach ein paar Minuten schon überraschende Entwicklungen im Bürgermeisterwahlkampf in den Film. Da sind Tricks und Finten in dieser Verschwörung, die den Held der Geschichte als Killer der in so einer Verschwörung nun mal notwendig zu erschießenden Leute herhalten soll. Der einzige Unterschied zu den Film-Noir-Detektiven, unter denen Humphrey Bogarts Auftritte als Philip Marlowe und Sam Spade zu den ersten einer langen Reihe gehörte, ist der, dass hier die meisten Protagonisten Afroamerikaner sind.

Die in solchen Filmen unvermeidliche Rolle der Femme Fatal spielt Jennifer Beals, die vor 12 Jahren als Alex in Flashdance mit ihrer erst zweiten Kinorolle schlagartig berühmt wurde. Als Femme Fatal eignet sie sich nicht, siie raucht nicht einmal. Sie ist der titelgebende "Teufel in Blau", am Ende aber gar kein Teufel, sondern Opfer mächtiger Männer – von einer Barbara Stanwyck, einer Bette Davis oder gar einer Lauren Bacall ist diese harmlose Person weit weg. Als Hobby-Detektiv aus Geldnot wirkt Denzel Washington zu glatt (Die Akte – 1993; Philadelphia – 1993; Ricochet – Der Aufprall – 1991). Es mag durch die deutsche Synchronstimme in ihrem slangfreien Hochdeutsch verstärkt sein, aber in keiner Szene wirkt Washington wie ein Mann am Rande des Existenzminimums, selbst, wenn er verprügelt wird, trägt er anschließend dekorative, rot glänzende Comicnarben durch die Kulissen.

"Devil in a Blue Dress" lässt sich gut gucken, vor allem wegen seiner historischen Kulisse.

Wertung: 6 von 10 D-Mark
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