Französisch-Westafrika, 1938: In der Kleinstadt Bourkassa fristet Lucien Cordier als einziger Polizist ein trauriges Dasein. Er wird von seinen Vorgesetzten verspottet, von den örtlichen Ganoven und Zuhältern wie Le Péron, von denen er sich bestechen lässt, nicht ernst genommen, und von seiner Frau, die ihn offen mit Nono, ihrem angeblichen Bruder, hintergeht, verachtet.
Trotz der Demütigungen wehrt Lucien sich kaum. Einzig die Affäre mit der schönen Rose bringt etwas Licht in seinen tristen Alltag. Als ihr Ehemann Mercaillou sie brutal schlägt, reagiert Lucien wieder feige und hilflos. Seine unterdrückte Wut und Selbstverachtung treiben ihn fast zur Verzweiflung.
Der örtliche Priester bringt seine Pflichtvergessenheit auf den Punkt: Den Einwohnern sei nicht entgangen, dass er nie jemanden verhaftet habe. Als Marcel Chavasson, ein Kollege in der nächstgrößeren Stadt, ihm empfiehlt, sich von den Zuhältern (deren Zeitvertreib unter anderem darin besteht, auf Leichen im Fluss zu schießen) nichts mehr gefallen zu lassen, nimmt er sich das zu Herzen.
Bei der nächstbesten Gelegenheit richtet er Le Péron mit einem gezielten Schuss hin, sorgt aber dafür, dass niemand auf die Idee kommt, den friedfertigen Cordier mit dieser brutalen Tat in Verbindung zu bringen. Und weil das bei Le Péron so erfolgreich funktioniert, hört Cordier nicht mehr auf, für Ordnung zu sorgen. Seine Ordnung …
Will man vom aktuellen Zustand der Gesellschaft erzählen, bricht man seine Geschichte am besten auf eine kleine Gemeinschaft herunter. Bertrand Tavernier wendet sich nach Afrika in die fiktive Kleinstadt Bourkassa. Hier leben französische Kolonialisten ein pseudo-feudales Leben neben einheimischen Farbigen, die keine Rechte haben. Eine erkennbare demokratisch legitimierte Struktur gibt es nicht, augenscheinlich haben zwei Zuhälter und ein Geschäftsmann hier das Sagen, der Chef der Polizei ist sein einziger Mitarbeiter und nicht sonderlich einsatzfreudig. Hätte die französische Regierung hier einen Polizeichef haben wollen, der tapfer, ehrlich und pflichtbewusst agiert, hätte sie sicher nicht ihn geschickt, ist er überzeugt.
Dieser Polizeichef Lucien Cordier ist eine traurige Gestalt, ein Trottel. Auf den ersten Blick. Und eine Traumrolle für Philippe Noiret (Der inszenierte Mord – 1981; Ein verrücktes Huhn – 1977; Abschied in der Nacht – 1975; Das große Fressen – 1973; Topas – 1969; Mörder GmbH – 1969; Alexander, der Lebenskünstler – 1968; Zazie – 1960), der all seine Stärken ausspielt. Cordier ist ein Mann, dessen Körper vom dauernden Essen aus der Form ist, dessen Ehefrau ihn verachtet und mit ihrem angeblichen Bruder betrügt. Die leitende Polizeibehörde aus der Nachbarstadt Stadt macht sich über ihn lustig und die erwähnten Zuhälter und Geschäftsleute scheuchen ihn herum wie einen servilen Angestellten. Korrupt ist Cordier obendrein.
Wie so oft im französischen Film sind es in stärkerem Maße die Frauen, die dem Helden das Leben schwer machen, hier sind es eine wunderbar aufspielende Stéphane Audran als gehässige Ehefrau und Isabelle Huppert als die berechnende Rose, die glaubt zu wissen, wie sie Cordier um den Finger wickeln kann.
Es ist eine gruslige Freude dabei zuzusehen, wie Cordier eines Tages beschließt, sich nicht mehr auf der Nase herumtanzen zu lassen und mit demselben großväterlich-harmlosen Verliererblick, mit dem er sich bisher hat treten lassen, ungerührt so lange Morde begeht, bis er endlich frei ist; bis er so weit ist, dass er sich selbst als Jesus Christus begreift.
Wo keine Ordnung herrscht, herrscht das Recht des Stärkeren und der Anstand geht vor die Hunde. Die weißen Kolonialisten, die sich für gesellschaftlich und biologisch den Einwohnern überlegen fühlen, führen sich auf wie Schweine und lassen jeden Respekt vermissen. Beim geselligen Billardspiel debattieren sie angeregt darüber, wie viele Einwohner denn Bourkassa habe: „1275 Seelen sind nicht dasselbe wie 1275 Einwohner! Bei den 1275 hat man die Neger mitgerechnet. Neger haben keine Seele!“ Und die hätten sie nicht, weil sie keine richtigen Menschen seien. „Das sind Neger!“
Der unverhohlene Rassismus, den Tavernier seinen Landsleuten in den Mund legt, erinnert an die Arroganz der Kolonial-Briten in Indien, die in Filmen wie Der Mann, der König sein wollte (1975) aufscheint – nur, dass die Franzosen nicht so steif und arrogant auftreten. Ihr Leben in Französisch-Westafrika (umfasst die Gebiete Obersenegal und Niger, Senegal, Mauretanien, Mali, Guinea, Benin, Burkina Faso sowie die Elfenbeinküste) besteht aus Essen, Schlafen und Vögeln; das der schwarzen Bevölkerung aus Arbeiten und Wegducken.
Cordier nutzt dieses französische Savoir-Vivre für seine Zwecke: Wenn ihn alle für doof und unterbelichtet halten, ist es ein Leichtes, sie übers Ohr zu hauen. So sabotiert und mordet er sich mit Nonchalance in eine Machtposition in seinem Dorf, die ihm niemand mehr streitig machen kann. Nur glücklich macht ihn das nicht. Macht macht einsam ist die Moral von der Geschicht. Und Einsamkeit ist nicht französisch.
Bertrand Tavernier bezeichnet seine Satire über politischen und moralischen Verfall der europäischen Zivilisation, mit der er gesellschaftliche Institutionen wie Polizei, Militär, Kirche, Schule und Familie aufs Korn nimmt, als „metaphysische Komödie“.
Der Film wurde im Senegal gedreht. Der Originaltitel "Coup de torchon" bedeutet wörtlich "Schlag mit dem Wischlappen" und steht für Großreinemachen und Ausmisten. Tavernier hat den Augiasstall, den Cordier ausmisten will, in die Gegenwart des kolonialen Afrika verlegt. Er selbst bezeichnete den Film als „metaphysische Komödie“.
Der Film war 1983 in der Kategorie Bester ausländischer Film für den Oscar nominiert und 1982 gleich zehnfach für einen César. 1982 teilte er sich den Preis für den besten französischen Film des Syndicat Français de la Critique de Cinéma (SFCC) mit Claude Millers Das Verhör.
Der 1964 veröffentlichte Roman "1280 schwarze Seelen" ("Pop. 1280") von Jim Thompson hat Bertrand Tavernier zu seinem Film inspiriert. Er verlegt die Handlung aus einer rassistischen Kleinstadt im Süden der USA nach Westafrika, und macht aus einem ehrgeizigen Sheriff, der skrupellos alles aus dem Weg räumt, was seine Wiederwahl gefährden könnte, einen pflichtvergessenen französischen Kolonialpolizisten, der von allen gedemütigt wird, bis er beschließt, den Abschaum der Gesellschaft nach eigenem Gutdünken zu beseitigen.
