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Plakatmotiv: Neues vom Hexer (1965)

Eine Fortsetzung ohne
Edgar-Wallace-Touch

Titel Neues vom Hexer
Drehbuch Herbert Reinecker
nach dem gleichnamigen Roman von Edgar Wallace
Regie Alfred Vohrer, BRD 1965
Darsteller

Heinz Drache, Barbara Rütting, Brigitte Horney, Margot Trooger, Siegfried Schürenberg, Klaus Kinski, Robert Hoffmann, Karl John, Hubert von Meyerinck, Heinz Spitzner, Kurt Waitzmann, Lia Eibenschütz, Teddy Naumann, Gisela Hahn, Lu Säuberlich u.a.

Genre Crime, Mystery
Filmlänge 95 Minuten
Deutschlandstart
4. Juni 1965
Inhalt

Der rätselhafte Mord an Lord Curtain, einem der reichsten Männer Londons, ist der Auftakt zu einer Mordserie, der nacheinander die Erben seines stattlichen Vermögens zum Opfer fallen. Weil an den Schauplätzen der mysteriösen Bluttaten die Visitenkarte des Hexers liegt, kommt dieser höchstpersönlich aus Australien zurück nach England, um seine Unschuld zu beweisen und die wirklichen Schuldigen zur Strecke zu bringen.

Obwohl Inspektor Wesby nicht sonderlich davon begeistert ist, will er mit dem Hexer zusammenarbeiten …

Was zu sagen wäre

Heinz Drache ist geblieben, Joachim Fuchsberger als Inspector Higgins auf ausgedehnter Hochzeitsreise aus dem Edgar-Wallace-Kosmos entschwebt. Wobei sich der Edgar-Wallace-Kosmos hier auf ein paar Figuren beschränkt. Erstmals liegt hier keine Romanvorlage von Edgar Wallace im engeren Sinne vor. Herbert Reinecker hat nur den Titel der Vorlage behalten, die Geschichte für seinen Film aber frisch erfunden.

Der Stern des Edgar-Wallace-Kinos sinkt. Besser als mit dem "Gasthaus an der Themse" und dem Hexer wurden die Einspielergebnisse nicht mehr. Also versuchen die Produzenten es mit einer Zweitverwertung. Für die dreht Reinecker das Bekannte auf den Kopf: Arthur Milton soll Scotland Yard bei der Jagd nach einem Mörder unterstützen, der nach und nach eine Familie auslöscht. Ist es Rache? Gibt es ein lukratives Testament? Das Motiv bleibt ein Rätsel, Probleme werden mit Kalauern gelöst; wenn der "Hexer" über der Lektüre des Romans "Neues vom Hexer" einschläft und von Butler Finch geweckt wird, antwortet der auf die Frage „Wo sind wir?“ „Seite 89, Sir!“ „Na, dann wird es höchste Zeit.“ Weil es der Handlung an Geheimnis fehlt, werden die Nebenfiguren aktiver. Margie Fielding etwa, eine Nichte des Toten, mischt bei der Ermittlungsarbeit eifrig mit, weiß früh mehr als andere und gilt doch, weil Flirtziel des Kommissars – wenn auch diesmal mit schwarzem Haar – als nicht verdächtig. Arthur Milton wird in die Polizeiarbeit eingespannt, geht aber seine eigenen Wege und fördert das Durcheinander beim Zuschauer. Das Versteckspiel bleibt Grundlage des ganzen Spiels.

Wieder treiben Reinecke und Vohrer ein Spiel mit Masken und Verkleidungen. Hier ist das Kino wieder ganz Theater, das ja ein einziges Spiel mit der Verkleidung ist. Dennoch kommt echte Spannung nur einmal auf, nämlich als der junge Charles sich ein Verlies mit mehreren frei laufenden Tigern teilt. Sind die Tiger sediert? Wie locker der – einarmige – Junge mit den Tieren umgeht. Da war die Anspannung hinter der Kamera wahrscheinlich sehr groß. Später liest man, Teddy Naumann, der den Charles spielt, ist der Sohn des Dompteurs Heinz Naumann. Aber das mörderische Familiendrama im angemessen verwitterten Gemäuer bleibt diesmal ohne Spannung. Viele Großaufnahmen erschrockener Gesichter, schnelle Zooms, schriller Musikeinsatz; da ist alles Wollen, aber nur wenig Erreichen.

So schaut man diesem Edgar-Wallace-Stück, das kein Edgar-Wallace-Stück ist, zu und freut sich an den bekannten Figuren – „Setzen Sie sich!“ „Ah, Louis XVI (gesprochen Seize)“ „Nicht Seize. Setzen.“ –, dem Spaß mit Masken, den fast schon Familie gewordenen Edgar-Wallace-Schauspielern und denkt sich am Ende, naja, hätt' auch schlimmer kommen können.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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