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Kinoplakat: Woher weißt Du, dass es Liebe ist
Reese Witherspoon sorgt für
ein paar Frühlingsgefühle
Titel Woher weißt Du, dass es Liebe ist
(How Do You Know)
Drehbuch James L. Brooks
Regie James L. Brooks, USA 2010
Darsteller

Reese Witherspoon, Paul Rudd, Owen Wilson, Jack Nicholson, Kathryn Hahn, Mark Linn-Baker, Lenny Venito, Molly Price, Ron McLarty, Shelley Conn, Domenick Lombardozzi, John Tormey, Teyonah Parris, Tony Shalhoub, Dean Norris u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 121 Minuten
Deutschlandstart
20. Januar 2011
Inhalt

Lisa Jorgensen ist Anfang 30 und steht an einem Wendepunkt. Der Trainer der Frauen-Softball-Nationalmannschaft stellt sie nicht für die anstehenden Olympischen Spiele auf. Dabei war Lisa das Herz der Mannschaft – ihre positive und motivierende Lebenseinstellung hat jedes teammitglied mitgerissen. Aber sie ist zu langsam, sagt der neue Trainer.

Einen Mann in ihrem Leben gibt es gerade auch nicht – gab es eigentlich nie. Aber wenn sie es recht bedenkt, gibt es derer gerade sogar zwei. Mit George, dem einen, hatte sie gerade ein Blinddate, aber der benahm sich komisch. Was Lisa nicht wissen kann, ist, dass George von seinem Vater Charles gelinkt worden ist. Der ist ein großer Fisch im Börsenhandel und hat seinen Sohn, George, den er zum Geschäftsführer gemacht hat, an die Justiz verkauft – der Vorwurf illegaler Geschäfte steht im Raum (die eigentlich Charles zu verantworten hat). Kurz: Das Blinddate ging ziemlich in die Hose.

Da lässt sich Lisa stattdessen doch lieber auf das Angebot von Matty Reynolds ein, bei ihm einzuziehen. Eigentlich ist der Baseballstar ein eingefleischter Playboy, der die Regeln der Monogamie mehr als großzügig auslegt. Aufgrund Lisas unkomplizierter und pragmatischer Art fühlt er sich jedoch immer mehr zu ihr hingezogen und will eine feste Beziehung ausprobieren. Deshalb ist er sogar bereit, einige Schubladen in seinem Luxusapartment für sie freizuräumen.

Da ausgerechnet in Mattys Haus auch Georges Vater wohnt, treffen George und Lisa erneut aufeinander. Dieses Mal verläuft die Begegnung entspannter und es entwickelt sich eine freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden. Als Matty in sein altes Muster verfällt und Lisa in Bezug auf seine Wohnung auf gewisse Regeln und Beschränkungen hinweist, packt sie kurzerhand ihre Sachen und sucht vorübergehend Unterschlupf bei George …

Was zu sagen wäre

Eine Frau in den Wechseljahren – also jenen, in denen sie wechselt von Twentysomething-Verspieltheiten zu verantwortungsvoll-konservativen Familiengründung. Ich weiß nicht, ob und wie Frauen solche Zeiten im real life durchleben; im Kino tun sie das jedenfalls immer leicht hibbelig, chaotisch und beschützenswert sympathisch.

Ich glaube, ich habe mich ein bisschen in Reese Witherspoon verknallt – also in ihren Lisa-Jorgensen-Charakter. Das hilft, um dieser schwerfälligen romantic comedy beim Entstehen zuzugucken. James L. Brooks hat sich eine Menge vorgenommen, um von den Wirrungen der Gefühle zu erzählen; und dann will er seinem Buddy Jack Nicholson auch noch einen schönen Altersauftritt verschaffen, den der aber versemmelt. Nicholson gibt einfach einen Nicholson, der eine Jack-Nicholson-Rolle nachmacht (Departed – Unter Feinden – 2006; Das Versprechen – 2001; Besser geht‘s nicht – 1997; Mars Attacks! – 1996; Eine Frage der Ehre – 1992; Die Spur führt zurück – The two Jakes – 1990; Batman – 1989; Die Hexen von Eastwick – 1987; „Sodbrennen“ – 1986; „Zeit der Zärtlichkeit“ – 1983; Wenn der Postmann zweimal klingelt – 1981; Shining – 1980; Duell am Missouri – 1976; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975; Chinatown – 1974; Easy Rider – 1969; Psych-Out – 1968; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963). Seine Rolle ist schon tragend – aber Nicholson dafür zu groß … oder die Rolle zu dünn. Die hätte ebensogut ein Dabney Coleman spielen können; ich glaube, der hat solche Rollen sogar gespielt (in „Die Zeit der bunten Vögel“, 1990, zum Beispiel), aber ich schweife ab.

Dieser Film hat schöne Tränenzieher-Momente und La Witherspoon („Machtlos“ – 2007; „Walk the Line“ – 2005; „Sweet Home Alabama“ – 2002; Little Nicky – 2000; American Psycho – 2000; Election – 1999; Eiskalte Engel – 1999;Pleasantville – 1998) spielt diese Lisa-Rolle zum rechten Zeitpunkt in ihrer Karriere. Es gehört zu den Grundregeln dieser Comedies, dass von vorneherein klar ist, wer am Ende mit wem zusammen ist und es ist völlig klar, dass der sympathische Loser, dem Paul Rudd („Dinner für Spinner“ – 2010; „Nie wieder Sex mit der Ex“ – 2008; „Nachts im Museum“ – 2006; „Jungfrau (40), männlich, sucht …“ – 2005) ein nettes Gesicht gibt, die blonden, blauäugigen Strahlegrübchen heimholt. Aber Owen Wilsons Rolle – die des in jeder Hinsicht potenten Konkurrenten Matty – ist schon arg plump angelegt. Er sorgt für ein paar Brüller, aber alles in allem warte ich bei seinen Szenen nur darauf, dass es mit Witherspoon und Rudd wieder weitergeht; denn Witherspoon zieht alle Register. Man(n) kann sich nur in sie verknallen (oder du findest den Film insgesamt blöd und dann verlässt Du ganz ohne Gefühle für irgendwen das Kino).

Bedauerlich ist dann, dass nach zwei Stunden verliebt sein nicht mehr dabei heraus springt, als dass sich Lisa heim führen lässt, um das erträumte Leben einer Ehefrau und Mutter zu leben – ihre Baseball-Ambitionen, die zu Beginn des Films eine so entscheidende Rolle gespielt haben, tauchen im letzten Drittel des Films gar nicht mehr auf. Sie frage sich, sagt sie an einer Stelle, ob sie das Zeug „für diesen Allerweltsplan“ habe, sich zu verlieben und Kinder zu kriegen.

Der Film wirkt an allen Ecken unfertig. Jack Nicholson, der mit seiner Rolle in der Luft hängt und eigentlich egal ist. Drei Hauptfiguren, die sich in unterschiedlich ausgeprägtem Intellekt ständig über den Sinn und Zweck des Lebens, über dessen Entwürfen austauschen und ihre verpassten Chancen fokussierte Ziele formulieren.

Der Film des großen James L. Brooks („Spanglish“ – 2004; Besser geht's nicht – 1997; „Broadcast News“ – 1987; „Zeit der Zärtlichkeit“ – 1983) ist eine Enttäuschung. Aber die Affaire mit Reese Witherspoon dürfte gerne noch ein weng anhalten – wenn ihre Lisa nur etwas anspruchsvoller wäre in ihrer persönlichen Lebensplanung.

Wertung: 4 von 8 €uro
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