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Plakatmotiv: Besser geht's nicht (1997)

Jack Nicholson und Helen Hunt
entfachen den Zauber des Kinos

Titel Besser geht's nicht
(As Good as It Gets)
Drehbuch Mark Andrus & James L. Brooks
Regie James L. Brooks, USA 1997
Darsteller

Jack Nicholson, Helen Hunt, Greg Kinnear, Cuba Gooding Jr., Skeet Ulrich, Shirley Knight, Yeardley Smith, Lupe Ontiveros, Jill the Dog, Timer the Dog Timer the Dog ... Supporting Dog (as Timer)
Billy the Dog, Bibi Osterwald, Ross Bleckner, Bernadette Balagtas, Jaffe Cohen u.a.

Genre Drama
Filmlänge 139 Minuten
Deutschlandstart
12. Februar 1998
Inhalt

Der alternde Schriftsteller Melvin Udall ist kein Mensch, dem man gerne auf der Straße begegnet. Was auch nicht sehr oft vorkommt, denn der von Zwangsneurosen geplagte Misanthrop zieht es vor, einen Großteil des Lebens im Schutze seines New Yorker Apartments zu verbringen, das er nur verlässt, um in seinem Stammlokal das tägliche Mittagessen einzunehmen. Dort arbeitet die Kellnerin Carol Connelly, alleinstehende Mutter eines kleinen, an Asthma erkrankten Jungen.

Trotz des anstrengenden, oft frustrierenden Alltags versucht sie, ihren Mitmenschen mit Güte und Nachsicht zu begegnen – was bei einem unausstehlichen Zeitgenossen wie Melvin schwer fällt, der mit beleidigenden, menschenverachtenden Äußerungen auffällt. Besonders deutlich zu spüren bekommt das Melvins Nachbar Simon Bishop, ein sensibler Maler, der seine Homosexualität offen auslebt und von dem störrischen Autor regelmäßig als "Tunte" beschimpft wird. Doch als Simon eines Tages von einer Jugendbande überfallen und schwer verletzt wird, ist es ausgerechnet Melvin, der widerwillig die Obhut von dessen Schoßhündchen Verdell übernimmt.
Überraschenderweise entwickelt sich zwischen dem kleinen Hund und seinem neuen Herrchen bereits nach kurzer Zeit eine herzliche Freundschaft, und es fällt Melvin spürbar schwer, das Tier an Simon zurückzugeben, als der nach einem längeren Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause kommt. Für den Maler brechen jetzt harte Zeiten an: Nicht nur, dass sich Verdell von ihm entfremdet hat – er steht auch vor dem Ruin.

Um finanziell wieder auf die Beine zu kommen, muss Simon zu seinen Eltern nach Baltimore fahren und sie um ein Darlehen bitten. Für diese Reise gibt es nur einen geeigneten Chauffeur: ausgerechnet Melvin. Dieser willigt zwar ein, bittet jedoch Carol, der er in der Zwischenzeit einen großen finanziellen Dienst erwiesen hat, sie auf der Fahrt zu begleiten. Melvin hat sich insgeheim längst in die resolute Kellnerin verliebt. Mehr noch: Er glaubt, dass sie die Einzige ist, die ihm helfen kann, ein besserer Mensch zu werden …

Was zu sagen wäre

Der Film hat streng genommen in dem Moment verloren, als klar wird, dass aus Jack Nicholson (Jahrgang 1937) und Helen Hunt (Jahrgang 1963) ein Liebespaar werden soll. Geht's noch? Im Jahr 1997 will uns ein Film weiß machen, dass eine von lauter Schicksalsschlägen gebeutelte Kellnerin sich von einem knapp 30 Jahre älteren, schwerreichen Soziopathen in den Siebten Himmel des Glücks geleiten lässt? Für mich im Kinosessel (Jahrgang 1961) ist es nicht schwer zu verstehen, dass ein 60-jähriger Melvin Udall in der jungen mit beiden Beinen im Leben stehenden, ehrlichen Haut Carol sein Lebenselixier zu finden glaubt.

So ein alter Griesgram fände in Manhattan, wo dieser Film größtenteils spielt, mit seinem finanziellen Background als erfolgreicher Schriftsteller von Liebesromanen wahrscheinlich lauter 34-Jährige, die sich ihm als Jungbrunnen zu Füßen werfen würden. Wobei Helen Hunts Kellnerin Carol weit mehr ist als diese lauter 34-Jährigen. ich bin zwei Jahre älter als sie und verheiratet. Aber ich habe mich im Kinosessel sehr rasch in Carol verknallt. Was sie aber unter erotischen oder auch romantischen Aspekten an diesem Mann findet außer der Rettung aus einer familiär-wirtschaftlich grässlichen Zwangslage, bleibt unklar – es sei denn, wir legen zugrunde, dass Melvin Udall von Jack Nicholson gespielt wird, dem ihn nicht persönlich kennende Zeitgenossinnen von zwanzig Jahre älter bis zehn Jahre jünger als ich hohes erotisches Potenzial zuschreiben, wo ich einfach nur wahnsinnig gute diabolische Grimassen erkenne (Mars Attacks! – 1996; Crossing Guard – 1995; Eine Frage der Ehre – 1992; Die Spur führt zurück – The two Jakes – 1990; Batman – 1989; Die Hexen von Eastwick – 1987; Sodbrennen – 1986; Zeit der Zärtlichkeit – 1983; Wenn der Postmann zweimal klingelt – 1981; Shining – 1980; Duell am Missouri – 1976; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975; Chinatown – 1974; Easy Rider – 1969; Psych-Out – 1968; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963; Kleiner Laden voller Schrecken – 1960).

Aber so kommen wir nicht weiter. Im Kino sind die Regeln des realen Alltags außer Kraft gesetzt. Im Kino gilt Alfred Hitchcocks Doktrin, nach der alles auf der Leinwand passieren kann, solange es die Spannung hoch hält und die innere Logik des Films nicht bricht. Wenn es also egal ist, wie alt Jack Nicholson und Helen Hunt sind draußen im wahren Leben. Natürlich ist das bei Tageslicht besehen eine von mal zu Mal peinlicher werdende Geschichte, wenn sich alte Männer vor der Kamera von Drehbuchautoren und Regisseuren junge Frauen ins Bett schicken lassen. Aber der Zauber des Kinos beginnt, wenn uns dieser Gedanke eben erst draußen auf der Straße kommt, nie aber im Kinosessel, wenn es dunkel ist und ich mit lauter anderen Leuten diesen drei gesellschaftlich in vielerlei Hinsicht dysfunktionalen Figuren folge, die, ja genau, ihr Stück vom Glück suchen. Und es schließlich finden. Das darf man verraten. Filme wie diese sind nicht auf sozialkritische Realistic Ends ausgelegt, sondern auf Happy Ends. Die Frage ist, wie gut der Regisseur, in diesem Fall der immer wieder wunderbare James L. Brooks (Broadcast News – 1987; Zeit der Zärtlichkeit – 1983), die Zeit zwischen Vor- und Abspann füllt. Brooks füllt diese Zeit mit großem Sentiment, witzigen Dialogen, unfassbar charmanten Figuren und dem ein oder anderen One-Liner, der das Zeug zum künftigen Klassiker hat.

Das ist New York“, sagt Melvin Udall zu Verdell, dem Hund des Nachbarn, als er den in den Müllschlucker stopft. „Wenn Du es hier schaffst, schafft Du es überall.“ Jack Nicholson spielt einen manisch Gestörten. Reich geworden mit erfolgreichen Kitsch-Romanen, allein lebend, zwanghaft, ein ganz und gar in seiner eigenen Blase lebender Schriftsteller, der die Nähe anderer Leute schwer bis gar nicht aushält und erst zu einem halbwegs erträglichen Mitglied der Menschheit wird, als ihm seine gewohnte Kellnerin im täglichen Restaurant abhanden kommt, die wegen finanzieller Unpässlichkeiten und einem chronisch kranken Sohn den Job wechselt und Udall dadurch indirekt zwingt, aus seiner romantischen Romanblase herauszukommen und sich den sozialen Tiefen der wirklichen Welt zu stellen. Das ist natürlich eine Traumrolle für einen Schauspieler wie Nicholson, der mit seinem Gesicht mehr zwischenmenschliche Gemütszustände verkörpern kann, als George Lucas' CGI-Computer dies bei seinen Aliens schaffen. Nicholson ist in dieser Rolle großartig. Wie er in jeder Szene ganz in der Haut dieses Melvin aufgeht, anfangs arschlöchrig („Wie schaffen Sie es, Frauen so gut zu beschreiben?” „Ich denke an einen Mann. Und dann ziehe ich Verstand und Zurechnungsfähigkeit ab!“) aber bald schon ehrlich erstaunt über die Gefühlswelt dieser Menschen da draußen vor dem Haus, bald mal charmant oder hilflos oder verliebt oder zwanghaft – bei den vielen Close Ups, die Brooks ihm gönnt, fragt man sich zwischenzeitlich, ob Nicholson diesen Soziopathen im Zusammenspiel mit seinen Schauspielpartnern spielt, oder immer erst in einsamen Takes, bei denen die jeweiligen Anspielpartner nicht mehr am Set sind. Der Acadamy of Motion Pictures, Arts & Scientists waren solche Gedanken egal. Sie überreichte ihm bei der Oscar-Verleihung am 23. März 1998 seinen dritten Acadamy Award für eine männliche Hauptrolle.

Aber dann kommt Helen Hunt ins Spiel (Twister – 1996; "Kiss of Death" – 1995; Projekt X – 1987); diese 26 Jahre jüngere Schauspielerin, die abseits der Nicholson'schen Close Ups einige viele Szenen gemeinsam mit dem schauspielerischen Überfallkommando Nicholson vor der Kamera hat. Und da zeigt sich schnell ihre große Klasse. Nicholsons sprichwörtliche breitbeinige Raumbesetzung vor der Kamera lässt Helen Hunt kalt. In Hunts Beisein schrumpft Nicholson zu dem gestörten Zwangsneurotiker, der Melvin Udall nun mal ist. Helen Hunt tritt in diesem Film in die Fußstapfen der frühen Katherine Hepburn und der die Kerle beherrschenden Ida Lupino; und die Fußstapfen sind ihr nicht zu groß. Die Szenen, in denen Hunt den Egomanen Nicholson auf kleiner Flamme röstet, rechtfertigen jeden sexistischen Cent, der in diese Traumproduktion investiert worden ist. Die Acadamy of Motion Pictures, Arts & Sciences kam nicht umhin, auch Helen Hunt mit dem Hauptrollen-Oscar auszuzeichnen.

Als dritte gesellschaftlich dysfunktionale Figur haben die Autoren den homosexuellen Künstler und Nachbarn Udalls, Simon Bishop, in die Geschichte geschrieben und so tuntig wie Greg Kinnear ihn zunächst anlegt, bin ich schnell versucht, die Figur als dem Zeitgeist geschuldet abzutun. Simon, dessen Hund Verdell, ein furchtbarer pinschiger Griffon zu Beginn in den Müllschlucker geworfen wird, ist die Figur, die für den zweiten Blick in dieser Geschichte gebraucht wird. Dass der Misanthrop Melvin auf die junge Kellnerin steht – okay, geschenkt, sie ist der für die Story notwendige Eintritt in die Welt der Menschen! Aber plötzlich entwickelt er auch Gefühle für diesen bunt schillernden Clown, den er eben noch als Tunte, abnorm oder pervers bezeichnet hat. Simon entwickelt sich zur hellen Seite des dunklen Udall. Der, ein einsamer Menschenfeind, der sich über zwanghaft notwendigen Kontakt mit der Zwangsläufigkeit einer Gemeinschaft beschäftigt auf der einen Seite, auf der anderen der gesellige aufstrebende Künstler mit vielen Freunden, der bitter lernen muss, was Freunde von Freunden unterscheidet, und das durchleben muss, vor dem sich Udall bisher gefürchtet hat: menschliche Nähe. Greg Kinnear hat seine bisherige, noch nicht sehr weitreichende Erfahrung vor TV-Kameras für sich gewinnbringend eingesetzt. Wunderbar, wenn er – am Boden zerstört – dem irritiert interessierten, helfen wollendem Udall entgegen schleudert, Ja, er sei am Ende und endlich könne er, Udall, sich am Unglück des zerstörten Schwulen weiden und Udall darauf ganz verstört zärtlich reagiert. Auch das eine Szene, die bei Tageslicht draußen vor dem Kino in sich zusammenfällt. Aber drinnen, im Dunkel des Kinosaals, auf dem großen Fenster vorne zwischen den schweren Samtvorhängen, entwicklen diese Szenen, diese Charaktere eine nach dem anderen ihren Zauber.

Einen Zauber, wie ihn nur das Kino kennt.

Manche von uns haben tolle Geschichten … hübsche Geschichten, die am See stattfinden, mit Booten und Freunden und Nudelsalat. Nur von uns hat die keiner. Aber für viele Menschen sind das ihre Geschichten – eine schöne Zeit und Nudelsalat. Das ist es, was das Leben hart macht. Nicht, dass wir es schlecht haben, sondern dass es uns dermaßen anpisst, dass so viele andere es gut haben.Melvin Udall

Wertung: 11 von 11 D-Mark
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