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Plakatmotiv: (Robert Altmans) Last Radio Show (2006)
Ein unaufgeregter Film
über den Lauf der Zeit
Titel (Robert Altmans) Last Radio Show (2006)
(A Prairie Home Companion)
Drehbuch Garrison Keillor + Ken LaZebnik
nach dem Radio Programm „A Prairie Home Companion“ von und mit Garrison Keillor
Regie Robert Altman, USA 2006
Darsteller
Garrison Keillor, Meryl Streep, Lily Tomlin, Lindsay Lohan, Kevin Kline, Woody Harrelson, John C. Reilly, Virginia Madsen, Tommy Lee Jones, L. Q. Jones, Marylouise Burke, Tommy Lee Jones    Tommy Lee Jones, Maya Rudolph, Tim Russell, Sue Scott, Tom Keith u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
12. April 2007
Inhalt

Der Privatdetektiv Guy Noir berichtet von der Sendung zum dreißigjährigen Jubiläum der beliebten Radioshow „A Prairie Home Companion“, der er selbst an einem regnerischen Samstagabend in Saint Paul, Minnesota, als Sicherheitsmann beiwohnt.

Während die beliebte Sendung im Zeitalter des Fernsehens zu überleben schien, wurde der Radiosender WLT von texanischen Investoren gekauft. Das kleine Theater soll nun einem Parkhaus weichen. Moderator Garrison Keillor lässt sich nichts anmerken und führt souverän mit Werbespots und Geschichten über eine erfundene Stadt namens Lake Wobegon das Publikum durch seine letzte Sendung.

Die beiden Schwestern Yolanda und Rhonda Johnson erinnern sich hinter der Bühne wehmütig an die gute alte Zeit zurück. Die Country-Sängerinnen hatten mit zwei weiteren Schwestern als vielversprechendes Quartett ihre Musikkarriere begonnen, Yolanda selbst hatte eine Liaison mit Keillor unterhalten.

Plakatmotiv (US): A Prairie Home Companion – (Robert Altmans) Last Radio Show (2006)Mit von der Partie sind auch das ordinäre Cowboy-Gesangsduo Dusty und Lefty alias die Old Trailhands und Yolandas Tochter Lola. Der Teenager, der depressive Poesie verfasst, erhält spontan und ungeplant in der Show die große Chance, zum ersten Mal selbst als Sängerin die Radiobühne zu betreten als am Ende noch sechs Minuten Sendezeit übrig sind. Eine schwangere Bühnenarbeiterin, der erwartete Vertreter des neuen Besitzers und eine geheimnisvolle blonde Frau in Weiß, die den Tod des Showveteranen Chuck Akers herbeiführt, sorgen hinter den Kulissen für weitere Aufregung …

Was zu sagen wäre

Der Film ist ein kleines Wunder. Nur möglich, weil man einem Robert Altman („The Company“ – 2003; Dr. T and the Women – 2000; Cookie's Fortune - Aufruhr in Holly Springs – 1999; Gingerbread Man – 1998; „Prêt-à-Porter“ – 1994; „Eine Hochzeit“ – 1978; „Buffallo Bill und die Indianer“ – 1976; „Nashville“ – 1975; M.A.S.H. – 1970) ein solches Projekt nicht abschlägt – nicht mal die zynischen Hollywoodbosse können das. Altmans Film ist, wie immer bei ihm, ein Ensemblefilm, in dem viele Kleinteile ein Ganzes portraitieren. In The Player (1992) erzählte er ganz viele kleine Dramen, um das Geschäft namens „Hollywood“ zu erklären, in Short Cuts (1993) nutzt er diese Erzählform, um „Los Angeles“ zu portraitieren, in Gosford Park (2001), um die feudale englische Gesellschaft zu erklären. Hier portraitiert Altman das Radio von damals. Durch dessen Kulissen und Sitzreihen eine blonde Frau im weißen Trenchcoat wandelt, die sich als Engel vorstellt, die jene zu Gott bringt, deren Zeit gekommen ist. „Sie schenkte mir ein Lächeln so süß, dass man es über Pancakes hätte gießen können“, schwärmt Sicherheitsmann Guy Noir. „Sie trug einen weißen Trenchcoat, so weiß, dass es dem Regen peinlich wäre, ihn nass zu machen. Ihr Rock war so eng, dass man das Label auf ihrer Unterwäsche lesen konnte. Da stand In handwarmen Wasser waschen und im Schongang schleudern.

Robert Altman ist ein halbes Jahr nach der Premiere seines Films bei den Berliner Filmfestspielen 2006 gestorben – das Studio hatte, für den Fall, dass der damals bereits abzusehende Tod des Regisseurs früher einträte, Paul Thomas Anderson engagiert. Anderson, bekannt geworden durch Projekte wie Boogie Nights (1997) oder Magnolia (1999), sollte auf dem Regiestuhl Platz nehmen, falls der 80-jährige Robert Altman die Dreharbeiten nicht hätte beenden können. Der blonde Engel im weißen Trench bekommt in der Rückschau ein sentimentale Note, die sehr schön zu diesem Film über einen Abschied passt.

Denn um einen Abschied geht es. Um einen erfundenen Abschied. Die reale Sendung gibt es heute noch. Der Film basiert auf der Radiosendung A Prairie Home Companion von Garrison Keillor, der sich in Altmans Film selbst spielt, die seit 1974 jeden Samstag live von 17 bis 19 Uhr auf dem US-amerikanischen Sender National Public Radio ausgestrahlt wird. Die Show wird in den USA von rund 590 Radiostationen übertragen und wird über Satellit weltweit verbreitet. Seit 1978 gastiert A Prairie Home Companion im Fitzgerald Theatre in Saint Paul, Minnesota. In Robert Altmans melanchoischer Komödie wird sie abgewickelt.

Grund genug für ihn, nochmal ein beeindruckendes Country-Ensemle um sich zu versammeln, um ein schönes Weißt-Du-noch-Album zu produzieren. Mit Schauspielern, die ganz offensichtlich mit großer Freude bei der Sache sind; da spielen große Namen kleine Parts und füllen sie derart selbstverständlich mit Leben, als wäre dies ihr Debüt, in das sie alles werfen müssen. Meryl Streep verschwindet völlig hinter ihrer Country-Yolanda, ebenso Lilly Tomlin.

Kevin Kline erinnert uns daran, was für ein großer Clown er ist (Wild Wild West – 1999; In & Out – Rosa wie die Liebe – 1997; Der Eissturm – 1997; Wilde Kreaturen – 1997; French Kiss – 1995; Dave – 1993; „Chaplin“ – 1992; Grand Canyon – 1991; „Ein Fisch namens Wanda“ – 1988; „Silverado“ – 1985; „Der große Frust“ – 1983; „Sophies Entscheidung“ – 1982). Als Privatdetektiv Guy Noir ist er sowas wie der Conferencier des Films. Das ist ein schöner Erzählkniff: In der eigentlichen Radioshow ist Guy Noir eine immer wieder auftauchende Figur, dessen Sätze jeder ein Kunstwerk à la Dashiel Hammett ist: „Ich bin Privatdetektiv. Aber vor sechs Jahren habe ich vorübergehend eine Stelle als Sicherheitsmann bei einer Radioshow namens A Prairie Home Companion angenommen. Grund dafür waren ernsthafte Liquiditätsprobleme – entstanden durch Mangel an vermissten Erbinnenen, toten, auf der Terasse liegenden Industriebossen mit Lippenstift auf der Hausjacke. Mit anderen Worten: Ich war pleite.“ Noir hält die losen Fäden des Films zusammen so weit das nötig ist, aber Altman lässt ihm lange Leine.

Im Grunde hat der alte Meister eine Radioshow fürs Kino zusammengestellt, so überraschend wie gutes Radio, so abwechslungsreich wie gutes Radio. Und so lustig wie ein gutes, abwechslungsreiches Radioprogramm. Ein abgeklärter, unaufgeregter Film über den Lauf der Zeit und das Sterben.

 

 

Wertung: 4 von 6 €uro
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