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Kinoplakat (US): Passage to Marseille – Fahrkarte nach Marseille (1944)
Humphrey Bogart als französischer
Held in einem US-Propagandafilm
Titel Fahrkarte nach Marseille
(Passage to Marseille)
Drehbuch Casey Robinson + Jack Moffitt
nach dem Roman „Men Without Country“ von Charles Nordhoff + James Norman Hall
Regie Michael Curtiz, USA 1944
Darsteller
Humphrey Bogart, Claude Rains, Michèle Morgan, Philip Dorn, Sydney Greenstreet, Peter Lorre, George Tobias, Helmut Dantine, John Loder, Victor Francen, Vladimir Sokoloff, Eduardo Ciannelli, Corinna Mura u.a.
Genre Drama, Krieg, Abenteuer
Filmlänge 109 Minuten
Deutschlandstart
18. Februar 1977
Website TurnerClassicMovies/Passage-to-Marseille/
Inhalt
Capt. Freycinet, der Leiter eines in England stationierten französischen Bombergeschwaders, erzählt dem Kriegskorrespondenten Manning die Geschichte des Bordschützen Jean Matrac:

Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, soll Freycinet aus Südostasien auf dem Frachter Ville de Nancy nach Frankreich zurückkehren. An Bord befindet sich auch der französische Major Duval. Nachdem sie den Panamakanal passiert haben, stoßen sie auf ein Boot mit fünf ausgezehrten Männern. Diese behaupten, einfache Bergleute zu sein, die von Venezuela nach Frankreich unterwegs seien. Duval ist jedoch überzeugt, dass die Männer von der Teufelsinsel, einer Strafkolonie, geflohen sind. Der Kapitän der Ville de Nancy, Patain Malo, will sie entgegen Duvals Warnungen jedoch nicht fesseln und sie stattdessen auf seinem Schiff anheuern lassen.

Später gibt einer der Männer namens Renault gegenüber Freycinet zu, dass sie tatsächlich von der Teufelsinsel geflohen seien. Er selbst sei als Deserteur auf der Insel gelandet, zwei der anderen, Garou und Petit, wurden für Mord und Totschlag in die Strafkolonie verbannt, ein weiterer namens Marius sei ein Dieb. Ihr Anführer Matrac sei hingegen ein politischer Häftling gewesen. Aufgrund der schrecklichen Bedingungen auf der Insel planten sie die Flucht.

Wie sich herausstellt, war Matrac bis 1938 als Journalist in Frankreich tätig. Als Patriot und Antifaschist hatte er die Vichy-Regierung in seiner Zeitung kritisiert, worauf diese unverzüglich eingestellt wurde. Mit einer Frau namens Paula floh er in eine ländliche Gegend. Sie heirateten, doch ihr Glück währte nur kurz. Matrac wurde fälschlicherweise des Mordes an einem Reporter beschuldigt und schließlich auf die Teufelsinsel gebracht.

Vor ihrer Flucht von der Insel schworen sich Matrac, Renault und die drei anderen Männer, dass sie für Frankreich kämpfen würden, sollte ihre Flucht erfolgreich sein. Freycinet will ihnen nun dabei helfen. Die Ville de Nancy sollte eigentlich Marseille ansteuern. Da Kapitän Malo fürchtet, seine Fracht könne dort den Deutschen in die Hände fallen, willigt er ein, den Kurs zu wechseln und in einem englischen Hafen anzulegen. Major Duval und einige andere Vichy-Anhänger wollen dies jedoch verhindern.

Sie versuchen, das Schiff zu übernehmen, können dann aber von den Matrosen und Matracs Männern überwältigt werden. Über Funk kann einer von Duvals Männern ihre Position den Deutschen durchgeben, worauf der Frachter von einem deutschen Flugzeug angegriffen wird. Mehrere Männer kommen an Bord ums Leben, ehe es Matrac gelingt, das Flugzeug abzuschießen. Die deutschen Piloten haben den Absturz überlebt und versuchen auf die Tragflächen ihres im Meer treibenden Flugzeugs zu klettern, doch Matrac schießt sie erbarmungslos ab.

Nachdem die Ville de Nancy in England vor Anker gegangen ist, erfährt Matrac, dass er mit Paula einen Sohn hat. Als Bordschütze in Freycinets Bombergeschwader versucht er fortan so oft wie möglich über Paulas Haus in Frankreich zu fliegen und Briefe an sie abzuwerfen …

Was zu sagen wäre

Eine kompliziert strukturierte Geschichte um mutige Männer, schmachtende Frauen und böse Nazis. Auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkrieges, 1944, kommt dieser Propaganda-Film, um nochmal die letzten Reserven der Jungs an der Front zu mobilisieren. Da taucht dann auch schon mal Humphrey Bogart und seine (Casablanca-)Clique – Claude Rains, Sydney Greenstreet, Peter Lorre – als native Franzosen auf. Dafür wird auf eine irgend geartet stringente Dramaturgie verzichtet. Die Erzählung verzettelt sich in der Rückblende einer Rückblende in einer Rückblende um endlich zu seinem Ziel, der Geschichte des patriotischen Journalisten Matrac, zu gelangen.

Dieser Matrac, Bogart, irrlichtert lange als (prominenter – das Gesicht kennen wir ja nun mittlerweile alle) Bordschütze ohne Zusammenhang durch den Film und die Drehbuchautoren Casey Robinson und Jack Moffitt sind außer Stande, dem Ganzen einen Roten Faden zu geben. Wir sehen zu Beginn Bogart als Bordschütze, dann, wie er beim Flug zurück zum Stützpunkt über dem Haus seiner auf ihn wartenden, liebenden Gattin einen Brief abwirft. Und dann verlieren wir ihn erst einmal aus den Augen. Es geht dann zunächst einmal um die Geschichte Claude Rains‘, dann um die französischer Widerstandskämpfer und irgendwann schält sich aus dem Hintergrund dieser Bordschütze wieder ins Bild, der dann freilich noch kein Bordschütze ist. Alle Figuren sind jederzeit hochgradig patriotisch, betonen mehrfach, „für Frankreich“ kämpfen zu wollen.

Unter der Regie von Michael Curtiz ist, abgesehen von dem patriotischen Tamm-Tamm und den verschachtelten Rückblenden, ein technisch gut gemachter, solide inszenierter und gespielter Kriegsfilm entstanden. Statt aber, dass durch die Rückblenden eine besonders spannende Dramaturgie entsteht, sorgen sie für einen hohen Wortanteil – dauern muss etwas erklärt werden – und angesichts der Besetzung (s.u.) bleibt „Passage to Marseille“ eine Enttäuschung

Wertung: 2 von 6 D-Mark
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