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Kinoplakat: Mars Attacks!
Die lustigste Welteroberung, die es gibt.
Ermüdend in der Wiederholung ihrer Gags
Titel Mars Attacks!
(Mars Attacks!)
Drehbuch Jonathan Gems
nach Motiven der Sammelkarten-Geschichten von Len Brown + Woody Gelman + Wally Wood + Bob Powell + Norman Saunders
Regie Tim Burton, USA 1996
Darsteller

Jack Nicholson, Glenn Close, Annette Bening, Pierce Brosnan, Danny DeVito, Martin Short, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Rod Steiger, Tom Jones, Lukas Haas, Natalie Portman, Jim Brown, Lisa Marie, Sylvia Sidney u.a.

Genre Science Fiction, Komödie
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
27. Februar 1997
Inhalt
Die Kleinen Grünen Männchen kommen! Aus den Casinos von Las Vegas quer durch das Herz Amerikas bis ins Allerheiligste des Oval Office, wo sogar der Präsident nur noch machtlos präsidiert. Und obwohl es dank modernster Technik gelingt, die Quäklaute der Marsianer in ein lupenreines „Wir kommen in Frieden“ zu übersetzen, bricht auf der Erde alsbald ein hysterisches Inferno sondergleichen aus.

Kein Wunder, pusten die grünen Besucher mit hinterhältiger Arglist doch mal eben zur Begrüßung den amerikanischen Kongress leer. Und das Schlimmste: Nicht nur stören sie die Präsidentengattin dabei, das Weiße Haus zu renovieren, nein: Wider jedes Wissen warten die Aliens auch nicht auf den Unabhängigkeitstag …

Was zu sagen wäre

„Aak, Aak“ oder: „Wir kommen in Frieden“ sagen die großen grünen Köpfe und blastern eine weiße Taube zu Asche. Das erstaunlichste an Tim Burtons Film ist, dass er passgenau im Schlagschatten von Roland Emmerichs Independence Day in den Kinos landet, von diesem aber nach aller Kenntnis produktionstechnischer Abläufe nicht abgekupfert haben kann oder dessen durchschlagenden Kassenerfolg nicht ahnen konnte.

Kinoplakat: Mars Attacks!Nun ist allerdings das Muster des Alien-Invasion-Genres auch nicht abwechslungsreic, was Einstieg, Verlauf und Schlusspointe angeht. Die meisten dieser Filme, so auch Emmerichs und Burtons, variieren H.G. Wells' „Krieg der Welten“. Burtons Film ist zwar die lustigste Welteroberung, die ich im Kino kenne, aber auf Dauer ermüdend.

Burton variiert in seinem weltumspannenden Katastrophenszenario seinen Kleinstadt-Horror. Die Kleinstadt, das Piefige, Verklemmte als Quelle allen Übels ist bei ihm meistens auf die Grenze dieser Stadt beschränkt – hier ist es All umspannend. Sein Personal ist eine Ansammlung von Dummbeuteln – eitle Professoren, geifernde TV-Machos, debile Präsidenten, kriegslüsterne Stabschefs und Glenn Close (101 Dalmatiner – 1996; „Mary Reilly“ – 1996; „Schlagzeilen“ – 1994; Das Geisterhaus – 1993; Hook – 1991; „Die Affäre der Sunny von B.“ – 1990; „Gefährliche Liebschaften“ – 1988; Eine verhängnisvolle Affäre – 1987; „Das Messer“ – 1985; Der Unbeugsame – 1984; „Der große Frust“ – 1983; „Garp und wie er die Welt sah“ – 1982) als Präsidentengattin mit Einrichtungsfimmel, die ihrem Gatten damit mächtig auf den Zeiger geht; Jack Nicholson ist natürlich wie gebacken für so eine Rolle (Eine Frage der Ehre – 1992; Batman – 1989; „Die Hexen von Eastwick“ – 1987; „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ – 1981; Shining – 1980; Duell am Missouri – 1976; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975; Chinatown – 1974; „Das letzte Kommando“ – 1973; Easy Rider – 1969; Psych-Out – 1968; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963). Das ist eins zu eins Personal, wie es auch in Edward mit den Scherenhänden (1990) auftritt. Die Marsianer sind in dem Fall so etwas, wie der globaler agierende Edward – sie kommen und sehen zu, wie sich die Kleinstadtbewohner in ihren Fallstricken verheddern … bis sie sie schlussendlich zerblastern. Dass die Invasoren am kleinstädtischen Geist denn auch zugrunde gehen, der hier als Countrymusik daher kommt, ist also folgerichtig.

Mehr ist nicht. Eine Entwicklung bei Mensch, Alien oder Welt, findet keine statt, Erkenntnisgewinn – über die Tatsache hinaus, dass die Marsianer keine Countrymusik vertragen – gleich Null. Es dauert, bis der Film auf Touren kommt. Zunächst muss der Regisseur erstmal seine ganzen Topstars einführen. Es ist schön, die Abwandlung auf die naiven Klassiker des Genres als zynischen Blick auf das Wir-sind-die-Supermacht-Nummer-eins-Bewusstsein Washingtoner Provenienz zu erleben. Aber das trägt keinen ganzen Film. So bleibt ein überdrehter, ein anarchischer, grotester Kostümspaß mit mittelmäßigen SFX, lustigem „Aak, Aak“ mit namhaften Schauspielern, dem der Film ausgeht.

Wertung: 6 von 11 D-Mark
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