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Plakatmotiv: Monster Hunter (2020)

Der Titel ist Programm: Monster jagen
Menschen, Menschen jagen Monster

Titel Monster Hunter
(Monster Hunter)
Drehbuch Paul W.S. Anderson
nach dem gleichnamigen Video Game von Kaname Fujioka
Regie Paul W.S. Anderson, D., USA, Jap., Chi., SA, Kan. 2020
Darsteller

Milla Jovovich, Tony Jaa, Ron Perlman, Tip "T.I." Harris, Meagan Good, Diego Boneta, Josh Helman, Jin Au-Yeung, Hirona Yamazaki, Nanda Costa, Jannik Schümann, Nic Rasenti, Clyde Berning, Paul Hampshire, Schelaine Bennett, Bart Fouche, Pope Jerrod, Aaron Beelner u.a.

Genre Monsterfilm, Abenteuer
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
1. Juli 2021
Inhalt

Artemis ist die Anführerin einer kleinen Militärpatrouille, die sich in einer Wüste auf der Suche nach einer verschollenen Einheit befindet, deren letzte Meldung abrupt abgerissen ist. Ein mysteriöser Sandsturm erfasst die Fahrzeuge der Einheit und schleudert sie offensichtlich in eine fremde Welt, in der sie von riesigen, echsenartigen Monstern angegriffen werden.

Für die Gestrandeten beginnt ein Kampf ums Überleben.

Beim Versuch, in ihre Welt zurückzukommen, treffen die Soldaten auch auf den mysteriösen Hunter, der sich dank besonderer Ausrüstung und seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten bereits wiederholt gegen die Kreaturen behauptet hat. Doch werden Artemis und Co. bald mit einer Bedrohung konfrontiert, der sie selbst mit Hunters Unterstützung nicht gewachsen scheinen …

Was zu sagen wäre

Es ist das Wesen des Menschen, dass er selbst, wenn vor dem Haus gigantische Mörderspinnen darauf warten, ihre Eier in den schmackhaften Menschen abzulegen, erst mal gegen den menschlichen Nachbarn zu Felde zieht, um dem den Kopf einzuschlagen und erst dann zu schauen, wie man diesen Mörderspinnen beikommen könnte. Hier sind es Hunter, der sich in der fremden Welt ganz gut auskennt, weil er dort lebt, und Ranger, eigentlich Captain Artemis, die hier fremd ist. Das Gekloppe ist redundant, weil im Kinosessel ohnehin klar ist, das beide nur miteinander überleben können in dieser Welt, in der riesige Mörderspinnen, noch größere Untersand-Monster, die an die Raketenwürmer aus dem lustigen, gleichnamigen Film von 1990 erinnern, und noch viel größere Drachen herrschen, die nur in dem Moment, in dem sie Feuer speien, verwundbar sind.

Also sitzen wir einige Zeit im Kinosessel und warten auf die zwingende Verbrüderung, die dann mittels des guten alten Hershey-Scholadenriegels erfolgt; und bis dahin haben wir dann wenigstens verstanden, dass die westliche Soldatin es in Sachen Prügelkunst mit dem in asiatischen Kampfkünsten geübten Kerl locker aufnehmen kann: „Wir sind Soldaten und Soldaten geben nicht auf zu kämpfen! Habe ich recht?“ „Ranger gehen immer voraus!“ „Seid Ihr dabei?“ „Immer Boss!“ „Wir machen, was wir am besten können: Kämpfen! Und wir überleben! Egal, ob wir eine Chance haben oder nicht!“ Und dann näht sie sich, die Zähne zusammengebissen, erst einmal eine tiefe Wunde, was seit Rambo: First Blood zum kleinen Einmaleins des Überlebens in fremder Wildbahn gehört. Na klar, wichtig in diesen diversen Zeiten: Frauen prügeln und nähen nicht schlechter als die Kerle.

In der Folge lernen dann Europäerin und Asiate, miteinander klar zu kommen, manchmal lachen sie miteinander, manchmal übereinander, zwischenzeitlich wirkt die Monsteraction in diesen harten, von "China-Virus" und Fern-Ost-gegen-den-Westen-Konfrontation geprägten Monaten wie ein großes How-to-Völkerverständigung. Und weil die Produzenten – unter ihnen die Münchner Constantin Film und das japanische Godzilla-Studio TOHO – diese filmische Umsetzung eines Videospiels als Auftakt einer Kinoserie verstehen, halten sie sich auch nicht mit subtilen Überraschungen auf: Es muss krachen. Und dafür zitiert Paul W.S. Anderson ("Resident Evil: The Final Chapter" – 2016; Pompeii – 2014; Resident Evil: Retribution – 2012; Die drei Musketiere – 2011; Resident Evil: Afterlife – 2010; Alien vs. Predator – 2004; Resident Evil – 2002; Star Force Soldier – 1998; Event Horizon – Am Rande des Universums – 1997; "Mortal Kombat" – 1995) fleißig seine Vorbilder, die er in spektakulär anmutenden Bildern neben den Raketenwürmern bei Ridley Scotts Erfolgscharakteren Alien und Gladiator findet sowie bei den geschwisterlichen Game-of-Thrones-Drachen und dem Dunklen Turm Sarumans aus der Herr der Ringe-Trilogie. Da ist jetzt auch nicht so wirklich zwingend was Neues am Start: Anderson und seine Frau, Milla Jovovich, haben schon aus der Videospiel-Adaption Resident Evil das Maximum an Box Office rausgeholt.

Dazu passen die Charaktere, die lediglich Holzschnitte sind. Ron Perlman, der Admiral, gefällt sich und uns in der Rolle des unbeeindruckten Kerls mit weicher Seele (Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – 2016; Pacific Rim – 2013; Conan – 2011; Drive – 2011; Hellboy – 2004; Star Trek: Nemesis – 2002; Blade II – 2002; Duell – Enemy at the Gates – 2001; Alien – Die Wiedergeburt – 1997; D.N.A. – Experiment des Wahnsinns – 1996; Der Name der Rose – 1986), Milla Jovovich als unkorrumpierbare Amazone (Resident Evil: Retribution – 2012; Die drei Musketiere – 2011; Resident Evil – 2002; Zoolander – 2001; The Million Dollar Hotel  – 2000; "Johanna von Orleans" – 1999; Das fünfte Element – 1997) und Tony Jaa als asiatischer Stratege in allen Lebenslagen (xXx: Die Rückkehr des Xander Cage – 2017; Fast & Furious 7 – 2015). Und sie kämpfen in einer Welt, die die Sache mit dem Klimawandel und der Globalisierung schon mal nicht hinbekommen hat: „Und was ist mit dieser uralten Zivilisation passiert?“ „Die haben sich zerstört. Ihre Technologie hat sich gegen sie gewandt.

Bei diesem Film kann ich mal getrost sagen: Der Filmtitel, Monster Hunter, ist Programm. Wenn auch zu Beginn noch offen ist, wer hier der titelgebende Hunter ist – erst jagen die Monster die Menschen, dann die Menschen die Monster (aber natürlich nur, weil sie sich verteidigen müssen, niemals, weil sie, belastet nur durch unfaire Vorurteile, Monster würden töten wollen). Ich kenne das originäre, dem Drehbuch zugrunde liegende Videospiel nicht, habe nach diesem Film aber eine klare Vorstellung. Das irgendwie Schöne an dieser Art Stories ist doch immer, dass sich am Ende nur durchsetzt, wer versteht, dass Humanoid gleich Humanoid ist und es keinen Sinn ergibt, wenn sich gelbe Humanoide mit roten und schwarzen prügeln, während draußen die eigentlichen Monster lauern. TOHOs Godzilla war, obwohl vordergründig ein reines Monsterspektakel, ein Fanal gegen die atomare Aufrüstung der Blöcke. Lassen wir doch TOHOs "Monster Hunter", obwohl vordergründig ein reines Monsterspektakel, als Fanal zur Völkerverständigung durchgehen.

Wertung: 3 von 8 €uro
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