Die beiden entflohenen Sträflinge Ned und Jim landen durch eine Verwechslung plötzlich als lang vermisste Priester in einem Kloster. Dort haben die zwei allerdings alle Hände voll zu tun, den Schwindel nicht auffliegen zu lassen. Sonst ist es Essig mit ihrem lang gehegten Plan, über die nahegelegene Grenze nach Kanada zu fliehen.
Die junge Molly macht es den vermeintlichen Würdenträgern auch nicht gerade einfacher, das heilige Zölibat der Keuschheit zu wahren. Und so verstricken sich die beiden Knackis in ein immer tieferes Geflecht aus Ausreden und haarsträubenden Missverständnissen.
Kaum vorstellbar, wie jetzt die einst geplante Flucht noch ablaufen soll. Da kann nur noch ein Wunder helfen …
Stolpern zwei flüchtige Strafgefangene in die Kutten von Priestern – was klingt, wie der Einstieg in einen Witz mit ungewissem Ausgang, ist eine filmische Neuinterpretation eines Bühnenstücks, das es 1955 schon einmal unter dem gleichen Titel mit Humphrey Bogart, Peter Ustinov und Aldo Ray gab. Allerdings hat die damals erzählte Geschichte im Film kaum noch was mit der heute im Film erzählten Geschichte zu tun.
Übrig aus beiden Filmen geblieben sind drei Sträflinge, die ausbrechen und in der Folge Erlösung für Beladene bringen. In Albert Hussons Bühnenstück helfen die drei Sträflinge einer Familie, die ein schlecht gehendes Kolonialwarengeschäft betreibt, das sich ihr böser Schwager unter den Nagel reißen will; dabei spielt eine kleine Viper namens Adolphe eine entscheidende Rolle.
In Neil Jordans Interpretation des Stoffes ist nur die Idee der drei Sträflinge übrig geblieben, von denen der eine schon nach 20 Minuten für länger aus dem Film verschwindet, während sich die anderen beiden, Analphabet der eine, eher simpel im Gehirn gestrickt der andere, in einem Kloster zurecht finden müssen.
Der Ire Neil Jordan (Mona Lisa – 1986; "Die Zeit der Wölfe" – 1984; "Angel – Straße ohne Ende" – 1982) findet das Zusammenspiel von Knastis, Bischöfen, leicht verführbaren Klosterbrüdern und mit beiden Beinen im Leben stehenden Frauen, die ihr taubstummes Kind allein erziehen, viel interessanter. Der Kolonialwarenladen ist ebenso verschwunden, wie der böse Schwager. Stattdessen stolpern Robert De Niro und Sean Penn durch eine Geschichte, die schwer zu glauben ist. Ganz offensichtlich keiner kirchlichen Liturgie mächtig werden sie dennoch nicht demaskiert und können mehrere Versuche unternehmen, die wenige Meter entfernte Grenze nach Kanada zu überschreiten, was dann aus verschiedenen Gründen immer scheitert.
Das ist als solches nicht wirklich was zum Mitfiebern.
Zum Glück gibt es aber die besondere Kulisse und Robert De Niro (Midnight Run – 5 Tage bis Mitternacht – 1988; Die Unbestechlichen – 1987; Angel Heart – 1987; Mission – 1986; Brazil – 1985; Der Liebe verfallen – 1984; Es war einmal in Amerika – 1984; "King of Comedy" – 1982; "Wie ein wilder Stier" – 1980; Die durch die Hölle gehen – 1978; New York, New York – 1977; Der letzte Tycoon – 1976; 1900 – 1976; Taxi Driver – 1976; Der Pate II – 1974; Hexenkessel – 1973). De Niro präsentiert sich hier als fröhlicher Grimassen-August, der locker wie nie und mit offensichtlicher Spiellaune auftritt. Dies tut er in einer selten gezeigten Weltgegend. Wir sind irgendwo im Norden der USA in einem Bergwerkdorf an der Grenze zu Kanada. Neben dem großen, aber heruntergekommenen Kloster beherrschen Arbeitslosigkeit und ein Krämerladen die nasskalte Stadt. Das ist ein rau-schönes Setting, das uns Neil Jordan hier hinstellt.
Sean Penn, der die zweite Hauptrolle spielt (Die Verdammten des Krieges – 1989; Ein Richter für Berlin – 1988; "Colors – Farben der Gewalt" – 1988; "Der Falke und der Schneemann" – 1985; Ich glaub' ich steh' im Wald – 1982; Die Kadetten von Bunker Hill – 1981), übernimmt als Jim in der Paarung mit seinem Knastbruder Ned die Rolle des doofen August. Sein Jim ist ein bisschen, nun ja, geistig herausgefordert, findet prompt Gefallen am kirchlichen Alltag im Kloster – „Die servieren hier drei Mahlzeiten am Tag!“ – und verschwindet immer wieder für länger aus dem Film. Mehr als einige Stichwort-Auftritte, bei denen Sean Penns Figur mit naivem Starrsinn glänzt, hat Neil Jordan für Penn augenscheinlich nicht übrig.
Und irgendwie dazwischen als rettender Strohhalm für eine stringente Handlung läuft die bezaubernde Demi Moore durchs Bild (Nochmal so wie letzte Nacht – 1986; St. Elmo's Fire: Die Leidenschaft brennt tief – 1985), die sich und ihre taubstumme Tochter mit sexuellen Dienstleistungen durchs wenig schöne Leben schlägt. So richtig findet ihre Figur keinen Platz im Stück, wird erst mit gewaltigen zufallen in die Handlung gehämmert und taucht dann immer nur noch auf, wenn sie als Fluchtoption in Frage kommt. Eigene Beweggründe hat diese Figur nicht, das heißt, doch: „Ich will heiraten!“ Und guckt dabei ausgerechnet den falschen Priester an.
Es macht Freude, De Niro, Penn und Moore in dieser malerisch-matschigen Umgebung zuzuschauen. Das Drehbuch alleine hebt mich nicht aus dem Sessel.
