Ost-Berlin, 1978: Sigrid Radke und Helmut Thiele wollen schon lange aus der DDR flüchten. Nachdem der erste Fluchtplan scheitert, beschließen die beiden, in Polen ein Flugzeug zu entführen. Thiele schafft es, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen, und zwingt den Piloten, auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof im Westen der Stadt zu landen. Dort werden die beiden Entführer von den Amerikanern in Empfang genommen und verhaftet.
Die beiden Flüchtlinge beantragen Asyl, doch die Behörde will sie als Luftpiraten verurteilt sehen. Der unabhängig denkende Richter Herbert J. Stern wird gefragt, ob er das Verfahren übernehmen will, und stimmt zu, in der Annahme, dass der Fall relativ klar ist und es nur ein kurzer Aufenthalt in West-Berlin werden wird. Aber der Verteidiger von Radke und Thiele, Bernard Hellring, erweist sich als überaus clever und beginnt das Verfahren mit einem Paukenschlag: Er verlangt deutsche Geschworene für das unter US-Recht stattfindende Verfahren. Die Anklage lehnt dieses Ansinnen ab, mit der kaum verklausulierten Begründung, dass den Ost-Berliner Angeklagten im Amerikanischen Sektor nicht das Recht unter der US-Verfassung zustünde. Aber Stern besteht auf einen ordentlichen Prozess …
„Seit es den Eisernen Vorhang gibt, ist nie jemand wegen Flucht aus dem Osten angeklagt worden. Aber eine Flugzeugentführung? Da geht es um internationale vertragliche Vereinbarungen, die wir gerade erst unterzeichnet haben”, sagt der Mann aus dem US-Justizministerium. „Also auch um internationale Aufmerksamkeit. Und keiner will den Prozess. Wir schon gar nicht.“
Dieses Gerichtsdrama aus dem Jahr 1988 ist bei uns in Deutschland erst 2002 im Fernsehen ausgestrahlt worden. Wahrscheinlich hatte bis dahin – die deutsche Wiedervereinigung liegt erst 12 Jahre zurück – niemand Interesse an so einer Geschichte über eine Flugzeugentführung, die zur Flucht in den Westen genutzt wurde.
Vielleicht wollte man keine Nachahmer für ähnliche Fluchtideen nutzen. Denn tatsächlich beruht der Film auf realen Fakten. Tatsächlich waren Flugzeugentführungen in der Volksrepublik Polen vor allem in den 1980er-Jahren eine häufige Fluchtmethode. Bis 1987 wurden sechzehn Flugzeugentführungen von Polen nach West-Berlin registriert. Die meisten entführten Flugzeuge landeten in Tempelhof, was dem Kürzel der polnischen Fluggesellschaft LOT bald die Deutung Landet oft in Tempelhof einbrachte.
Der damals Vorsitzende Richter Herbert J. Stern hat aus der Geschichte einen Tatsachenroman destilliert, der die Grundlage für diesen US-Film liefert. Der US-Schauspieler Martin Sheen (Catch me if You can – 2002; Spawn – 1997; Hallo, Mr. President – 1995; JFK – Tatort Dallas – 1991; Wall Street – 1987; "Siesta" – 1987; "Der Feuerteufel" – 1984; Dead Zone: Der Attentäter – 1983; Gandhi – 1982; Der letzte Countdown – 1980; Apocalypse Now – 1979; Treffpunkt Todesbrücke – 1976) spielt die Hauptrolle des guten amerikanischen Richters, der den Geist der US-Verfassung für Jedermann vertritt auch gegen einen US-Staat, der sich an dem Fall einer Flugzeugentführung lieber nicht die internationalen Finger verbrennen will, was den Richter stöhnen lässt: „Zwei US-Staatsanwälte, einer schwarz, der andere Jude und sie klingen wie zwei gottverdammte Nazis!“ Wie sachlich richtig das Geschilderte im Film ist, lässt sich nicht überprüfen. Uns Zuschauern bleibt, den Film spannend oder langweilig zu finden und sich mit der Frage auseinderzusetzen, ob es Situationen gibt, in denen eine Flugzeugentführung gerechtfertigt sein könnte.
Regie führt Leo Penn, Vater von u.a. Chris und Sean Penn (Sweet and Lowdown – 1999; Being John Malkovich – 1999; Der schmale Grat – 1998; The Game – 1997; U-Turn – Kein Weg zurück – 1997; Dead Man Walking – 1995; Carlito's Way – 1993; Im Vorhof der Hölle – 1990; Die Verdammten des Krieges – 1989; Ein Richter für Berlin – 1988; "Colors – Farben der Gewalt" – 1988; "Der Falke und der Schneemann" – 1985; Ich glaub' ich steh' im Wald – 1982; Die Kadetten von Bunker Hill – 1981). Sean spielt hier eine wichtige Nebenrolle als Zeuge, der diese Flugzeugentführung als nicht ganz so erschreckende Flugzeugentführung darstellt. Leo Penn hat seine erste Regiearbeit 1963 abgeliefert für eine Folge der TV-Serie "77 Sunset-Strip". Als er den vorliegenden Film drehte, war er in seinen hohen 60er Jahren. Er geht unaufgeregt zu Werke, sein Film prahlt nicht mit kunstvoller Filminszenierung. Aber er hat On Location gedreht, zeigt also viele Bilder aus dem damals noch geteilten Berlin. Das ist – für den deutschen Zuschauer – historisch aufregend. Der Rest spielt im hastig für diesen Prozess damals aufgebauten Gerichtssaal, der filmisch keine Aufgeregtheit bereit hält, in dem aber ein paar juristische Feinheiten debattiert wurden, etwa wann eine Flugzeugentführung als internationaler Terrorismus zu gelten hat und wann als Wahrung der Menschenrechte.
Vor allem für Jurastudenten an einem Rotwein-Abend mit anschließender Diskussionsrunde interessant.
