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Plakatmotiv: Don't Look Back – Schatten der Vergangenheit (2009)

Gut konstruierte Geschichte, der
die filmische Entsprechung fehlt

Titel Don't Look Back – Schatten der Vergangenheit
(Ne te retourne pas)
Drehbuch Marina de Van & Jacques Akchoti
nach einer Idee von Marina de Van
Regie Marina de Van, Frankreich, Italien, Luxemburg, Belgien 2009
Darsteller

Sophie Marceau, Monica Bellucci, Andrea Di Stefano, Thierry Neuvic, Brigitte Catillon, Sylvie Granotier, Augusto Zucchi, Giovanni Franzoni, Vittoria Meneganti, Francesca Melucci, Adrien de Van, Serena d'Amato, Myriam Muller, Thomas De Araujo, Lucas Preux u.a.

Genre Drama, Mystery
Filmlänge 111 Minuten
Deutschlandstart
14. Oktober 2010 (DVD-Premiere)
Inhalt

Jeanne – Schriftstellerin, verheiratet, zwei Kinder – leidet wegen eines schweren Autounfalls in ihrer Kindheit an Teilamnesie. Sie kennt ihre ersten acht Lebensjahre nur aus Fotos und Erzählungen.

Eines Tages bemerkt Jeanne beunruhigende Veränderungen in ihrem Haus. Der Küchentisch steht anders, die Einrichtung verändert sich, ihr Mann Teo und ihre Kinder sehen auf Fotos und einem Videofilm völlig anders aus. Aber keiner um sie herum scheint etwas zu bemerken.

Ihre Familie führt die Ängste auf ihren derzeitigen Stress zurück. Doch dann findet Jeanne ein altes Familienfoto, das in Italien aufgenommen wurde. Sie reist dort hin, um dem Rätsel auf die Spur zu kommen und das Geheimnis ihrer wahren Identität zu lösen …

Was zu sagen wäre

„Wer bin ich und warum und was heißt das überhaupt?“ Um diese Frage zu beantworten, wurde das Kino erfunden. Nein, das ist natürlich Quatsch. Das Kino wurde erfunden, um die triste Wirklichkeit sukzessive in eine traumhafte Fantasy zu überführen. Eine, in der Deine Frau Sophie Marceau ist.

Das Kino hat manche seiner stärksten Momente gehabt, als der Zuschauer seinen Augen nicht mehr trauen durfte – ausgerechnet, wo doch das Kino ausschließlich aus Bild und Ton, also Beweiskraft besteht. Aber Bild und Ton können Dich täuschen. Schon Alfred Hitchcock hat seine Zuschauer in die Irre geführt, sich nichts dabei gedacht, als er in Die rote Lola (1950) die Wirklichkeit bewusst verfälscht hat. Der Zauber des Kinos ist es, dass sich alles jederzeit ändern kann.

Marina de Van setzt allerlei digitale Maskenkunst ein, um uns zunehmend zu verwirren. Das funktioniert so gut, wie es nicht funktioniert. Zunächst verwirren mich dauernd anders formatierte Gesichter von bereits eingeführten Personen, die dadurch eher entstellt wirken wie nach einem Unfall. Und dann stelle ich fest, dass die Geschichte nicht da anfängt, wo der Film anfängt. Gleichzeitig aber spiegelt mir dieser Film, dass ich auch nicht immer genau hingucke. Denn warum sonst wäre ich verwirrt.

Ums Verwirrt-Sein geht es hier aber: Was nehmen wir eigentlich wahr? Worauf können wir vertrauen? In den schwarz-weißen Kinozeiten gab es das Subgenre des Paranoia-Thrillers, in dem nichts war, wie es die Kamera angeblich doch so klar zeigte. Diese Versuchsanordnung baut Marina de Van hier nach und bietet uns Sophie Marceau als Angelpunkt.

Das ist anspruchsvoll, denn Madame Marceau ist vor allem als Süße Französin bekannt – die maskulinen Jahrgänge 1960 bis 1970 sehen in ihr die ewige Vic, die seit 1980 auf einer Party erwachsen wird (LOL (Laughing Out Loud) ® – 2008; Fluchtpunkt Nizza – 2005; James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug – 1999; Verborgenes Feuer – 1997; Anna Karenina – 1997; Braveheart – 1995; D'Artagnans Tochter – 1994; Meine Nächte sind schöner als deine Tage – 1990; Chouans! – Revolution und Leidenschaft – 1988; Der Bulle von Paris – 1985; La Boum 2 – Die Fete geht weiter – 1982; La Boum – Die Fete – 1980). Hier spielt sie eine erfolgreiche Journalistin, die langsam den Faden verliert. Und im ganzen Film einmal lächelt. Ansonsten spielt sie die Ernste, die Traumatisierte, die Verwirrte, die Traurige, die Verzweifelte – ich sehe, dass sie das spielt.

Und irgendwann übernimmt Monica Bellucci ihren Part, wächst digital in Marceau Gesicht heran, bis sie es ganz übernommen hat.

Das ist alles spannend und geheimnisvoll und Mystery. Aber es klebt eben auch dauernd ein Etikett da, was sagt Achtung, das ist nicht, wie es aussieht. Du musst nur noch ein wenig Geduld haben. Belucci entpuppt sich da als die dröge Realität. Marceau dann als die romantisch-erotische Fantasie.

Die Story ist am Ende okay. Aber die filmischen Mittel, mit denen ich auf dieses Ende vorbereitet wurde, sind billig. Wo ich Niemandem und Nichts trauen kann, baut sich keine Spannung auf, der Film gerät zum Teppich schöner Bilder ohne Verknüpfung.

Wertung: 3 von 7 €uro
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