Malèna ist die hinreißende und unwiderstehliche Schönheit in Castelcutò, einer verschlafenen Stadt an der sonnigen sizilianischen Küste. Sie ist noch nicht lange hier, und da ihr Mann im Krieg ist, wird jeder Gang durch das Städtchen zu einem Spektakel, begleitet von den lüsternen Blicken der Männer und dem verärgerten Gerede ihrer neidischen Ehefrauen.
Eine Armee von dünnen Teenagern auf Fahrrädern folgt ihr überallhin, nur um ihre Schönheit anzustarren. Unter diesen Jungen ist Renato Amoroso, ein fantasievoller 13-Jähriger, den seine Begierde in ungeahnte Höhen der obsessiven Fantasie treibt.
Von seinen Träumen angeheizt, wird Renato zu Malènas heimlichem Schatten, ein Spion der Liebe, der jede ihrer sinnlichen Bewegungen genau verfolgt. Die kleinsten Momente in ihrem Leben werden mit der aufgeladenen Erotik eines Jungen wahrgenommen. Selbst als seine Eltern versuchen, sein „sündiges“, „ungesundes“ Verhalten zu unterbinden – indem sie seine Fenster vernageln, ihn zu einem Priester, dann zu einem Exorzisten und schließlich zu einer Prostituierten bringen –, hält Renato seine konzentrierte, voyeuristische Wache über Malèna aufrecht.
Er beobachtet sogar, wie ihr Schicksal eine dunkle Wendung nimmt, nachdem sie die Nachricht erreicht, dass ihr Mann im Krieg gestorben sei. Als junge Witwe ist sie Ziel und Opfer der aufgestauten Lust, Eifersucht und Wut der Stadt – das Auge eines emotionalen erotischen Sturms, der über Castelcutò hinwegfegt: Malèna wird von ihrem Vater verstoßen, vor Gericht gezerrt, vom Lebensunterhalt abgeschnitten und mittellos zurückgelassen. Renato seinerseits erfährt die sozialen Auswirkungen des provinziellen Lebens. Als alles verloren scheint, findet er den Mut zu handeln, Verantwortung zu übernehmen – und hilft Malèna damit auf ganz unerwartete Weise …
Eine Coming-of-Age-Geschichte à la italiana: Ein 13-jähriger Junge entdeckt die Begierden und Qualen des sexuellen Verlangens. Das Ziel seiner Begierden ist eine junge Frau, die eine ganze Kleinstadt in Aufruhr versetzt. Während ihr Mann im Krieg kämpft, wird jeder ihrer Ausflüge in die Geschäfte und auf den Markt zu einer heimlichen Sensation aller Männer, die der Frau lüstern hinterherschauen, und aller Frauen, die der Frau den Tod an den Hals wünschen.
Es gibt Untersuchungen, wonach schöne Menschen im Leben Vorteile haben. Im fiktiven sizilianischen Dorf Castelcutò ist die Schönheit ein Fluch. Es gibt in diesem Dorf bis auf eine Frau keine schöne Menschen. Die Männer sind dürr oder fett, haben wenig Haare und wenig Zähne – wahrscheinlich befinden sich alle, die volles Haar und noch alle Zähne haben, auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs. Die Frauen tragen schwarz, haben stechende Augen und verkniffene Gesichtszüge. Malèna, zurückhaltend gespielt von Italiens neuer Schlagzeile Monica Bellucci (Mörderisches Spiel – 2000; Bram Stokers Dracula – 1992), ist die einzige Vertreterin ihrer Generation und die einzige attraktive Frau am Ort. Das ist vielleicht ein wenig unwahrscheinlich, aber die Kunst will nicht Wahrscheinlichkeit, sie will offenlegen, in diesem Fall gesellschaftliche Mängel. Und die sind groß an diesem Ort.
Der männliche Teil Castelcutòs glotzt und befriedigt sich mit ihrem Bild vor Augen. Der weibliche Teil glotzt und hasst. Dabei will Malèna nur einkaufen und wartet ansonsten einsam auf ihren Mann. Das glaubt nur keiner. Die Fantasien der Einwohner verselbständigen sich und schließlich muss sich Malèna sogar vor Gericht wegen angeblichen Ehebruchs verteidigen.
Erzählt wird die Begebenheit von einem alten Mann, der sich an seine Kindheit in Castelcutò erinnert, wo er in der erwachsenen Malena seine erste Liebe erkennt. Das nimmt dem von Lajos Koltai (Tango gefällig? – 1997; "Im Sumpf des Verbrechens" – 1995) beeindruckend fotografierten Drama dieser bedauernswerten, getriebenen Malèna die Schärfe; denn was ihr widerfährt, ist brutal. Aber weil Guiseppe Tornatore (Die Legende vom Ozeanpianisten – 1998; Cinema Paradiso – 1988) den Jungen als Erzähler ins Zentrum stellt, erleben wir mehr von den Wirrungen der adoleszenten Sexualität, die mit hysterischem Vater einher geht, als von den Nöten einer gepeinigten Frau.
Umrahmt wird die Geschichte vom Faschismus des Duce Mussolini, vom Krieg und deutschen Besatzern. Aber auch hier verweigert die Perspektive des Jungen ein tieferes Drama. Und so bleibt der ganze Film ein Als ob. Als ob da etwas von Moral und psychischer Tiefe erzählt worden wäre. Letztlich bleiben Maléna, der Krieg, der Faschismus nur wunderbar gefilmtes Beiwerk für die Nöte eines Pubertierenden. Das Schicksal Malènas bewegt, weil man sich einmal mehr im Kinosessel für den Homo Sapiens schämt.
