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Plakatmotiv: D'Artagnans Tochter (1994)

Gut gelauntes Kino mit einer
hitzköpfigen Sophie Marceau

Titel D'Artagnans Tochter
(La fille de d'Artagnan)
Drehbuch Jean Cosmos + Michel Léviant + Bertrand Tavernier
Regie Bertrand Tavernier, Frankreich 1994
Darsteller

Sophie Marceau, Philippe Noiret, Claude Rich, Sami Frey, Jean-Luc Bideau, Raoul Billerey, Charlotte Kady, Nils Tavernier, Gigi Proietti, Jean-Paul Roussillon, Pascale Roberts, Emmanuelle Bataille, Christine Pignet, Fabienne Chaudat, Josselin Siassia u.a.

Genre Abenteuer, Action
Filmlänge 130 Minuten
Deutschlandstart
13. Juli 1995
Inhalt

In jungen Jahren war der Musketier D'Artagnan ein vielbeschäftigter Mann; zu beschäftigt, um sich um die Erziehung seiner unehelichen Tochter Eloïse zu kümmern. Also brachte er das kleine Mädchen in einem provenzalischen Nonnenkloster unter, wo es über die Jahre zu einer temperamentvollen jungen Frau heranwuchs.

Das beschauliche Leben im Konvent nimmt ein jähes Ende, als ein Trupp bewaffneter Männer unter der Führung einer geheimnisvollen Frau in Rot das Gebäude stürmt. Eigentlich sind die Eindringlinge auf der Suche nach einem entlaufenen Sklaven, doch als Eloïse eine vom Blut des Verfolgten befleckte Wäscheliste findet, vermutet das abenteuerlustige Mädchen hinter dem harmlosen Stück Papier eine geheime Botschaft. In Männerkleidung macht sie sich auf nach Paris, um ihren Vater um Hilfe bei der Aufklärung des vermeintlichen Komplotts zu bitten.

Auf dem langen und gefährlichen Weg trifft Eloïse den mittellosen Dichter Quentin, der sich unsterblich in sie verliebt und ihr nicht mehr von der Seite weicht. In Paris angekommen, findet sie ihren Vater als bei der Krone in Ungnade gefallenen, mittellosen alten Mann vor. Dieser will nichts von einer Verschwörung wissen, aber mit viel Überredungskunst gelingt es Eloïse doch, D'Artagnan von der Echtheit der verschlüsselten Nachricht zu überzeugen.

Gemeinsam mit ihrem Vater und dessen alten Musketierfreunden Porthos, Aramis und Athos macht sich die junge Heldin auf, das angebliche Komplott zu vereiteln. Wie es der Zufall will, decken die Recken dabei eine echte Verschwörung auf …

Was zu sagen wäre

Die Musketiere werden älter, die Knochen machen nicht mehr alles so tänzelnd mit, aber die Intrigen gegen den König, die Verschwörungen bleiben im Frankreich des 17. Jahrhunderts ewig jung. Kardinal Mazarin zählt aktuell sechs Verschwörungen gegen den König und es gibt eine siebte, von der er nichts weiß, und daher die ist, die Erfolg verspricht. DVD-Cover (UK): Revenge of the Musketeers – D'Artagnans Tochter (1994) Hinter ihr allerdings steckt ein etwas verpeilter Adliger, der Herzog von Crassac, der allen möglichen Mitverschwörern für ihre Unterstützung allerlei Versprechungen gemacht hat, die sich zum Teil widersprechen, und der auch sonst ohne die "Frau in Rot", Madame Eglantine de Rochefort, aufgeschmissen wäre.

Es sind die Frauen, die in diesem Film die steine ins Rollen bringen und die Kämpfe führen. Die Männer sind entweder zu jung, wie der werdende König Louis XIII., oder zu alt, wie alle anderen Männer, um noch freiwillig das große Abenteuer zu suchen. Aber sonst ist bei den Musketieren Frankreichs alles beim Alten: die Dialoge schnell, die Klingen scharf, die Schlösser und Landsitze prachtvoll. Betrand Tavernier hat den großen Musketierfilmen aus den 40er und vor allem denen aus den 70er Jahren seine Reverenz erwiesen, alles hübsch aufpoliert und um einen schöne Aspekt bereichert: Sophie Marceau ("Meine Nächte sind schöner als deine Tage" – 1989; "Die Studentin" – 1988; Der Bulle von Paris – 1985; "La Boum – Die Fete" – 1980), die zwar nicht die filigran schwungvolle Degenkämpferin ist, die man sich in einem Film Über D'Artagnans Tochter vorstellen würde, die sich aber mit ihrem Vater, den Philippe Noiret herrlich zwischen väterlicher Strenge, liebender Fürsorge und lustvollem Kämpfer mit Rheuma spielt, wunderbare Wortgefechte liefert – für das 17. Jahrhundert ist die eben aus dem Kloster geschlüpfte junge Frau sehr emanzipiert.

Nichts ist überraschend an diesem Film und er könnte leicht auch zwanzig Minuten kürzer sein, um seine Geschichte zu erzählen. Dann wäre es ein amerikanischer Film. Das französische Kino feiert gerne das Leben und das Essen und das Streiten und die Liebe und die Ausschweifung, das war schon in den 50er Jahren so und es macht diesen Film in seiner austarierten Mischung aus Dramatik und  und Komik erst so unterhaltsam. Ich kann den Akteueren stundenlang zuschauen, wie sie ihrer Leidenschaft Zucker geben (Eloïse), ihr Alter verleugnen (D'Artagnan), Eitelkeiten pflegen (Aramis), Berge von Pasteten und Rinderschenkel verdrücken (Athos) oder umständlich um die Liebe der schönen Eloïse kämpfen und dabei dauernd auf die Nase fallen (Quentin la Misère). Und dazwischen reiten sie durch saftig grüne Landschaften und verprügeln Verschwörer.

Ein charmanter, gut gelaunter Film.

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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