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Plakatmotiv: Ein Augenblick Liebe (2014)

Ein Film, der keine
Spannung aufbringt

Titel Ein Augenblick Liebe
(Une rencontre)
Drehbuch Lisa Azuelos
Regie Lisa Azuelos, Frankreich 2014
Darsteller

Sophie Marceau, François Cluzet, Lisa Azuelos, Alexandre Astier, Arthur Benzaquen, Jonathan Cohen, Niels Schneider, Stéphanie Murat, Olivia Côte, Syrus Shahidi, Lily Taieb, Jules Benchetrit, Tatiana Khayat, Stylane Lecaille, Thaïs Alessandrin u.a.

Genre Drama, Romantik
Filmlänge 81 Minuten
Deutschlandstart
7. August 2014
Inhalt

Ein Moment voller Magie – so ist es für Elsa und Pierre, als ihr gemeinsamer Freund Julien sie auf einer Buchpremiere einander vorstellt. Sie verstehen sich vom ersten Augenblick an, flirten, fühlen sich zueinander hingezogen. Doch außer einem sinnlichen Tanz passiert nicht viel an diesem Abend: Kein One-Night-Stand, kein Austausch von Telefonnummern, kein nächstes Date, ein Wiedersehen wollen sie dem Zufall überlassen.

Denn Pierre ist glücklich verheiratet und will seiner Frau nicht untreu werden; für die Schriftstellerin Elsa sind Ehemänner ohnehin tabu. Was beide nicht daran hindert, dieses knisternde Was wäre, wenn…? in ihren Fantasien auszuleben. Laufen sie sich zufällig über den Weg, ist nichts von der Faszination verloren. Aber es bleibt bei Augenblicks-Begegnungen, sie leben ihr normales Leben – und können doch nicht aufhören, aneinander zu denken und sich vor Verlangen zu verzehren.

Pierre ist erfolgreicher Anwalt, seit 15 Jahren mit der Antiquitätenhändlerin Anne verheiratet, und liebt seine beiden Kinder. Ein vielleicht spießiges, aber ausgefülltes Leben. Elsa ist eher ein Freigeist – drei Kinder, so gut wie geschieden, mit einem Hang zu jüngeren Lovern wie Hugo, ebenfalls Schriftsteller: witzig und cool, aber nichts Aufregendes. Liebe muss für Elsa wie ein Hauch von Bitterorange sein. Und Pierre entspricht genau diesem Bild. Insgesamt, findet Elsa, führe sie schon ein tolles Leben, aber manchmal würde sie es gern mit einem Mann teilen, der sie liebt. Ein Mann wie Pierre eben.

Aber seine Maxime, die Geschichten für die Ewigkeit sind die, die erst gar nicht beginnen, scheint aufzugehen. Sie lieben sich, ohne diese Liebe zu leben. Bis Elsa nicht anders kann und seine Handynummer herausfindet. Entgegen ihrer Absprache beginnen sie den SMS-Kontakt – und treffen sich erneut zufällig. In einer anderen Stadt, beide im selben Hotel …

Was zu sagen wäre

Eine Romanze aus Frankreich mit Sophie Marceau in der Hauptrolle. Da kann ja eigentlich nichts schief gehen. Aber hier ist nahezu alles schief gegangen. Die Geschichte klingt interessant: Frau trifft Mann, beide mögen sich auf Anhieb, wollen aber ihr bisheriges Leben nicht kaputt machen – er ist glücklich verheiratet, sie will „keine Mätresse“ sein – und gehen sich also freundschaftlich aus dem Weg. Allerdings knistert es zwischen beiden weiter. Wie soll das bloß enden?

Egal. Weil François Cluzet, der vor drei Jahren in Ziemlich beste Freunde den Mann im Rollstuhl gespielt hat, nicht als romantischer Liebhaber rüberkommt. Er bleibt den ganzen Film über der Familienvater, der als Anwalt brilliert und als Ehemann und Vater eine gute Partie ist. Aber als Love Interest für die Schriftstellerin, die aussieht wie Sophie Marceau (Und nebenbei das große Glück – 2012; Vergissmichnicht – 2010; Don't Look Back – Schatten der Vergangenheit – 2009; Auf der anderen Seite des Bettes – 2008; LOL (Laughing Out Loud) ® – 2008; Fluchtpunkt Nizza – 2005; James Bond – Die Welt ist nicht genug – 1999; Verborgenes Feuer – 1997; Anna Karenina – 1997; Braveheart – 1995; D'Artagnans Tochter – 1994; Meine Nächte sind schöner als deine Tage – 1989; Die Studentin – 1988; Chouans! – Revolution und Leidenschaft – 1988; "Abstieg zur Hölle" – 1986; Der Bulle von Paris – 1985; Fröhliche Ostern – 1984; La Boum 2 – Die Fete geht weiter – 1982; La Boum – Die Fete – 1980)? Plakatmotiv (Fr.): Une rencontre (2014) Marceau ist bezaubernd wie immer, aber auch keine Überraschung. Rollen wie diese Elsa hat sie in den zurückliegenden Jahren häufiger gespielt.

Das größte Problem des Films ist aber seine Leere. Es passiert nichts. Weil ja nichts passieren soll zwischen beiden. Was beide außerhalb ihrer zufälligen Treffen in ihrem jeweiligen, luxuriös ausgestatteten Leben machen, ist bar jeden Interesses. Es gibt pubertierende Kinder, die Mama/Papa voll öde finden, Elsa hat einen deutlich jüngeren Lover, mit dem es Sex, aber kein Drama gibt. Pierres Ehe kennt jene Höhen und Tiefen, die wir schon viele Male in Vorabendserien ähnlich gesehen haben.

Damit wenigstens etwas Dramatik entsteht, folgen Kamera und Regie manchmal Pierres Tagträumen, in denen er mit Marceau knutschend an einer Wand landet und heißen Sex habend, was seine Ehefrau rausfindet – natürlich! – und die Scheidung einreicht. Dann springt das Bild auf den Moment vor dem Tagtraum zurück und der Zuschauer erfährt, dass das gerade gesehene Drama nur eine Fantasie, der heiße Sex nur eine Wunschvorstellung bleibt. Beim ersten Mal klappt diese Zuschauertäuschung. Beim zweiten, dritten, vierten Mal schon nicht mehr.

Die einzige Frage, die mich durch den Film begleitet ist, wie ein Mann, der seit 15 Jahren tatsächlich glücklich verheiratet ist (so glücklich man das halt sein kann nach 15 Jahren), glauben mag, dass sein Leben mit Elsa besser werden könnte, als sein jetziges Leben. Klar, der Sex mit der bezaubernden Schriftstellerin wird anders sein, als mit der Gattin. Aber wie lange ist das interessant? Außerdem bleibt auch der leidenschaftliche Küsser Pierre immer Opfer des fehlenden Sex-Appeals von François Cluzet.

Kurz: Eigentlich ist klar, dass Elsa und Pierre kein Paar werden können, und eine heiße Nacht werden beide, auch wenn dies ein Film aus Frankreich ist, wohl eher auch nicht haben. Wozu auch? Nur um am nächsten Morgen die „Du … hör mal, ich …“-Szene zu haben, die wir auch schon in vielen Telenovelas hatten? Es wird in der Luxuswelt zwischen Paris und London nicht spannender.

Wertung: 2 von 7 €uro
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