Doug Kinney ist Bauingenieur. Wegen seine stressigen Berufs hat er wenig Zeit für Dinge, die nicht beruflicher Natur sind. Da macht ihm Wissenschaftler Leeds ein verlockenes Angebot: Er will ihn klonen!
Doug geht darauf ein und hat fortan eine Kopie, die seine Arbeit erledigt, während er sich den süßen Dingen des Lebens widmet. Es dauert nicht lange, da lässt er einen weiteren Klon herstellen. Schließlich möchte er sich nicht nur um seine Familie und Frau Laura kümmern, sondern auch mal nur um sich selbst.
Doch auch bei zwei Klonen soll es nicht bleiben, denn der neueste Klon beauftragt auf eigene Faust eine weitere Verdopplung – bloß ist die Kopie von der Kopie geistig minderbemittelt. Für den originalen Doug wird es zunehmend schwieriger, sein Vierfachleben unter Kontrolle zu halten. Was ist zum Beispiel, wenn einer der Klone Sex mit Ehefrau Laura haben will …
Es ist die Crux der modernen Zeit, in der Männer und Frauen gleichberechtigt dem Traum des vollkommenen Lebens hinterher jagen. Spätestens, wenn Kinder in der Krippe liegen, ist das vollkommene, selbstverwaltete Leben vorbei.
Doug und Laura stecken in der Elternfalle. Ihre beiden Kinder sind aus dem allergröbsten raus, aber davon, dass man sie zehn Stunden am Tag alleine lassen könnte, sind sie noch weit entfernt. Die Aufteilung damals in der Schwangerschaft war klassisch: Doug stürzt sich in seinen Job als Bauingenieur, Laura versorgt daheim den Haushalt mit Kindern und steigt dann irgendwann wieder in ihren Job als Immobilienmaklerin ein. Aber als die Zeit dafür gekommen ist, passiert es nicht. Doug könnte auch 48 Stunden am Tag arbeiten und würde nicht alle Aufgaben bewältigt kriegen. Andie MacDowell verkörpert diese duldsame Ehefrau mit allen Facetten (Vier Hochzeiten und ein Todesfall – 1994; Short Cuts – 1993; Und täglich grüßt das Murmeltier – 1993; The Player – 1992; Hudson Hawk – Der Meisterdieb – 1991; "Green Card – Scheinehe mit Hindernissen" – 1990; "Sex, Lügen und Video" – 1989; St. Elmo's Fire: Die Leidenschaft brennt tief – 1985; Greystoke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen – 1984), die dem Mann im Kinosessel deutlich machen, dass da Manches nicht so einfach ist, wie Ehemann Doug es mit lauter Stimme zementieren will.
Aus dieser Zwickmühle gibt es nur im Kino einen Ausgang: Doug lässt sich klonen.
Und weil der Familien-Doug nun plötzlich rund um die Uhr mit dem Ballett der Tochter, dem Footballteam des Sohnes und der gesunden Ernährung beider beschäftigt ist, während Doug-2 sehr straight und kontrolliert die Baugeschäfte leitet, kommt ein dritter Doug hinzu, damit sich Original-Doug auch mal um sich selbst kümmern kann.
Das Drehbuch verfolgt eine charmante und sehr nachvollziehbare Idee: Klonen ist die Lösung, um all die Dinge zu meistern, die der moderne Alltag von jedem Einzelnen verlangt – einfach den Einzelnen klonen und die Aufgaben unter den Klonen aufteilen. Regisseur Harold Ramis (Und täglich grüßt das Murmeltier – 1993; "Die schrillen Vier auf Achse" – 1983) versenkt die charmante Idee in einer Boulevard-Komödie mit Tür-auf-Tür-zu-Gags, durch die sich die identischen Klone abwechseln, die so identisch nicht sind. Der erste Klon ist ein raubeiniger Macho, der zweite ein sensibler Einfühler, der dritte, ein Klon von Klon Nr. 2, ein geistig minderbemittelter Pflegefall – da wird kurz das Thema Inzest abgearbeitet.
Ramis konzentriert sich in seinem Film auf den ganz privaten, familiären Alltag. Dass vier erwachsene männliche Klone auch für vier erwachsene Männer essen, sich der Lebensmitteleinkauf also vervierfachen müsste; dass eine solche Klontechnologie natürlich gesellschaftlich ganz andere Auswirkungen hätte, als ein bisschen Chaos in einem Privathaushalt in den Suburbs, lässt der Film ebenso unerwähnt wie die Antwort auf die Frage, mit welchen Mitteln der Klon-Professor nach dem ersten Doug-Klon eigentlich weitere Klone rechtfertigt hat. In "Multiplicity" geht es nur um die Überforderung der modernen Familie und um die Sorge von Original-Doug, dass einer seiner Klone trotz klar ausgesprochenen Verbots mit seiner Frau schlafen könne; um Wissenschaft, um Auswirkungen des Klonens auf die Gesellschaft geht es nicht. Das ist okay: Doug lässt sich klonen und klonen, das bringt lustige Filmszenen für eine Sitcom zustande und gibt den Tricktechnikern Hollywoods die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen.
Wenn Michael Keaton als Doug 1 auf der Leinwand mit Doug 2, Doug 3 und Doug 4 interagiert, sieht das beeindruckend aus, lässt die Filmtechnik dahinter im Kinosessel aber nie ganz verschwinden; die Bilder mit zwei, drei oder mehr Michael Keatons sind deutlich erkennbare Fälschungen. Umso beeindruckender ist die Arbeit von Michael Keaton selbst (Sprachlos – 1994; Schlagzeilen – 1994; Viel Lärm um nichts – 1993; Batmans Rückkehr – 1992; Fremde Schatten – 1990; Batman – 1989; "Süchtig" – 1988; Beetlejuice – 1988; She's Having a Baby – 1988), der seinen vier unterschiedlichen Charakteren auf den ersten Blick jederzeit unterscheidbare Charakterzüge gibt – harte, weiche, vespielte – und sich versiert zeigt im Spiel mit sich selbst.
"Multiplicity" hätte eine interessanter, seine Zeit überdauernder Film werden können, das Zeug dazu hatte das Drehbuch. Jetzt läuft eine freundliche Familienkomödie auf den Leinwänden, in der die Hausfrau ihren Wiedereinstieg in den Job freudestrahlend an den Nagel hängt, nachdem ihr Doug eine schöne neue Küche gebaut hat, und in Erinnerung bleibt für ihre noch nicht rundum gelungenen Special Effects.
