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Plakatmotiv: Green Card – Scheinehe mit Hindernissen (1990)

Sympathische Menschen machen schöne
Sachen in einer belanglosen Story

Titel Green Card – Scheinehe mit Hindernissen
(Green Card)
Drehbuch Peter Weir
Regie Peter Weir, Frankreich, Australien, USA 1990
Darsteller

Gérard Depardieu, Andie MacDowell, Bebe Neuwirth, Gregg Edelman, Robert Prosky, Jessie Keosian, Ethan Phillips, Mary Louise Wilson, Lois Smith, Conrad McLaren, Ronald Guttman, Danny Dennis, Stephen Pearlman, Victoria Boothby, Ann Wedgeworth, Stefan Schnabel, Anne Shropshire, Simon Jones u.a.

Genre Romantik, Komödie
Filmlänge 107 Minuten
Deutschlandstart
7. März 1991
Inhalt

Der Franzose George Fauré will in New York per Scheinehe zur "Green Card", der US-Arbeitserlaubnis, gelangen. Seine Partnerin Bronté kann ebenfalls vom Trauschein profitieren. Die Gärtnerin erhält den Zuschlag für eine große Stadtwohnung, die nur an Ehepaare vergeben wird.

Nur die Einwanderungsbehörde muss überzeugt werden, dass die Zufallsbekannten ein trautes Paar sind. Nachdem der erste Versuch scheitert, treten der Bonvivant George und die zurückhaltende Gesellschaftsdame Bronté in Klausur. Anfängliche Abneigungen werden überwunden und kurz vor der Prüfung funkt es zwischen den ungleichen Eheleuten.

Ein Versprecher Pauls beim Ehetest beendet ihre kurze Affäre …

Was zu sagen wäre

Es treffen sich zwei ungleiche, zwei, die nicht zueinander passen und auch kein Interesse aneinander haben. So beginnt der Film. Die letzten Bilder vor dem Abspann zeigen die beiden sich küssend in den Armen liegend. die Tränen fließen.

Das Schöne an romantischen Komödien ist, dass wir uns bequem zurücklehnen und den beiden zuschauen können, wie sie alle Hindernisse, die den erwähnten Küssen im Wege stehen, aus dem Weg räumen. In Peter Weirs "Green Card" gibt es eigentlich kein Hindernis. Nur die Einwanderungsbehörde, die überzeugt werden will, dass die vorgespielte Ehe eine echte, verliebte Ehe ist. Also setzen die ungleichen Partner sich hin und lernen generalstabsmäßig das Leben des anderen auswendig, um alle Fragen der Beamten beantworten zu können.

Irgendwo in dem Teil muss im Drehbuch gestanden haben, dass sich die beiden ineinander verlieben. Im Film sehe ich das nicht. Gérard Depardieu spielt gekonnt seinen rauen Charme aus, den er als harter Hund in französischen Polizeifilmen gelernt hat ("Cyrano von Bergerac" – 1990; Die Flüchtigen – 1986; Der Bulle von Paris – 1985; Zwei irre Spaßvögel – 1983; "Danton" – 1983; "Die Wiederkehr des Martin Guerre" – 1982; Der Hornochse und sein Zugpferd – 1981; "Wahl der Waffen" – 1981; Die letzte Metro – 1980; 1900 – 1976; Vincent, François, Paul und die anderen – 1974; Der Mann aus Marseille – 1972; "Der Killer und der Kommissar" – 1972), aber außer, dass er mal ein Foto Brontés etwas länger anschaut, während Hans Zimmer seinen eklektischen Score über die Bilder verteilt, oder George eifersüchtig auf Brontés Liebhaber reagiert, weist nichts auf eine aufkeimende Liebe hin. Und andersherum scheint auch Bronté nicht besonders viel mit dem bulligen Franzosen anfangen zu können. Wäre da nicht diese Traumwohnung, die sie nur bekommen hat, weil sie verheiratet ist, würde sie dem Mann schnell aus dem Weg gehen. Dass ich auch Bronté ihre tieferen Gefühle nicht ansehe, liegt nicht daran, dass Andie MacDowell, die sie spielt, von Haus aus eigentlich Model ist und in die Schauspielerei eher so reingeschlittert ist ("Sex, Lügen und Video" – 1989; St. Elmo's Fire: Die Leidenschaft brennt tief – 1985; Greystoke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen – 1984). Der Film gibt diese überraschende Entwicklung einfach nicht her.

Ausgangspunkt für das Drama sind die US-Einwanderungsgesetze, die nicht jeden Menschen auf der Welt einfach mal so ins Land lassen, eine Maßnahme, die die USA mit vielen andern Ländern dieser Erde teilen. Prompt werden Probleme, die sich aus diesen Gesetzen für individuelle Menschen ergeben können, im Film auch nicht vertieft. Der Franzose will eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, die Amerikanerin diese sehr schöne Dachwohnung mit angeschlossenem Gewächshaus. Um ihren jeweiligen Wunsch zu verwirklichen, sind beide bereit zu lügen und gegen Gesetze zu verstoßen. Genau genommen sind die beiden also Kriminelle. Aber natürlich kommen sie so nicht rüber. Depardieu und MacDowell spielen die beiden als grundsympathische Menschen, Bronté kümmert sich mit viel Herzblut darum, unterprivilegierten Kindern in ihren städtischen Mietskasernen Grünflächen und Bäume zu verschaffen, damit „sie wenigstens etwas haben“, George möchte gerne komponieren und macht andere Frauen, die nicht Bronté heißen, ganz wuschig. Allein: Komponieren könnte er auch in Frankreich. George als Filmcharakter ist keine Person. Er will nichts, er macht nichts und lässt sich treiben. Was er ausgerechnet in den Vereinigten Staaten will, bleibt unklar. Wieso dann Bronté ihrerseits irgendwann plötzlich was von George will, bleibt auch unklar.

Nichts im Film, für den Peter Weir (Der Club der toten Dichter – 1989; Mosquito Coast – 1986; Der einzige Zeuge – 1985; "Ein Jahr in der Hölle" – 1982; "Gallipoli" – 1981) auch das Drehbuch geschrieben hat, treibt die beiden aufeinander zu. Sie bleiben sich fern, bis sie sich im Finale küssen. Aber sie spazieren viel durch New York, das Kameramann Geoffrey Simpson an seinen schönsten Plätzen eingefangen hat. Einer von Gérard Depardieu früheren Regisseuren, François Truffaut hat den Leitsatz geprägt „Kino heißt, schöne Menschen schöne Dinge tun zu lassen“. Nach diesem Motto sehen wir in "Green Card" schönen, oder: attraktiven Menschen dabei zu, wie sie in einer schönen Stadt in schönen Wohnungen schöne Dinge tun – kochen, essen, reden, schlafen.

Wertung: 5 von 10 €uro
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