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Plakatmotiv: Die Reise zur geheimnisvollen Insel (2012)

Charmantes Abenteuer
für die ganze Familie

Titel Die Reise zur geheimnisvollen Insel
(Journey 2: The Mysterious Island)
Drehbuch Brian Gunn & Mark Gunn & Richard Outten
nach Motiven des Romans "Die geheimnisvolle Insel" von Jules Verne
Regie Brad Peyton, USA 2012
Darsteller

Josh Hutcherson, Dwayne Johnson, Michael Caine, Vanessa Hudgens, Luis Guzmán, Kristin Davis u.a.

Genre Abenteuer
Filmlänge 94 Minuten
Deutschlandstart
1. März 2012
Inhalt

Sean hat viel erlebt. Nachdem er bereits mit seinem Onkel zum Mittelpunkt der Erde (2008) reiste, steht nun die nächste Reise an. Zusammen mit seinem Stiefvater, Hank Parson hat es sich Sean zur Aufgabe gemacht, eine mysteriöse Insel zu finden, von der sein verschollener Großvater stets erzählt hat.

Zusammen machen sie sich auf den Weg, die Spur eines Funkspruchs zu verfolgen. Schon bald stoßen der Pilot Gabito und seine Tochter Kailani zur Reisegemeinschaft, denn ohne fremde Hilfe würden Sean und Hank nicht weit kommen. Bevor sie gemeinsam mit einem Helikopter zum Ort des abgegebenen Funkspruchs fliegen können, werden sie von einem Unwetter zur Notlandung gezwungen.

Glücklicherweise finden sie sich am Strand einer Insel wieder – der geheimnisvollen Insel. Doch die atemberaubende Schönheit der Insel täuscht.

An vielen Ecken lauern Gefahren, die die kleine Gruppe vor ganz neue Herausforderungen stellen …

Was zu sagen wäre

Und Lesen ist eben doch ein Abenteuer. Vor vier Jahren hatte Sean Anderson schon mal ein Jules-Verne-Abenteuer erlebt, als er mit seinem Onkel "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" antrat. Dort unten fand er die sterblichen Überreste seines Vaters Max. Heute, wieder zu Hause, findet er in der Küche Moms neuen Mann, seinen Stiefvater Hank. Glücklich macht ihn das nicht. Um sich abzulenken, folgt er dem Vermächtnis seines Vaters und sucht die geheimnisvolle Insel, die Jules Verne in seinem gleichnamigen Roman beschrieben hat. Und weil dieser Film diese Insel schon im Titel trägt, ist es nicht zu viel verraten, dass er die Insel finden wird. Zusammen mit dem ungeliebten Stiefvater Hank sowie einem knuffigen Latino-Piloten und dessen knapp bekleideter attraktiv gebauten Tochter. Auf der Insel stoßen sie auf Seans von aller Welt verschollen geglaubten Großvater Alexander, der sich um die Familie nie geschert hat, der aber mit Sean die Faszination für Jules Vernes Welten teilt sowie dessen Abneigung gegen Hank.

Die Art, wie der Film seine Protagonisten von A nach B nach C durch dieses Abenteuer geleitet, das Design des Filmplakats auch machen deutlich: Es handelt sich um einen Familienfilm, in dem Menschen ein großes Abenteuer erleben, das aber nur dazu dient, aus einer dysfunktionalen Famile eine funktionierende zu machen. Das Abenteuer rückt in den Hintergrund. Es hat sich nämlich einiges getan seit dem Vorgängerfilm, in dem Brendan Fraser die Hauptrolle spielte – Seans Onkel Trevor. Fraser ist ein Akteur für Actioncomedy, den die Regie auf eine Achterbahn setzt, welche dann die weitere Handlung inklusive zappeliger Reaktion des Akteurs bestimmt. Jetzt aber spielen andere Kaliber die Rollen der Erwachsenen an Seans Seite, die keine Abenteuerstory brauchen, um für Leben auf der Leinwand zu sorgen. Seans sarkastisch skurrilen Opa Alexander etwa spielt Michael Caine (Inception – 2010; The Dark Knight – 2008; 1 Mord für 2 – 2007; Prestige – Die Meister der Magie – 2006; Batman begins – 2005; Miss Undercover – 2000; Get Carter – 2000; Gottes Werk & Teufels Beitrag – 1999; Hannah und ihre Schwestern – 1986; Der 4 1/2 Billionen Dollar Vertrag – 1985; Dressed to Kill – 1980; Freibeuter des Todes – 1980; Die Brücke von Arnheim – 1977; Der Adler ist gelandet – 1976; Der Mann, der König sein wollte – 1975; Die schwarze Windmühle" – 1974; Jack rechnet ab – 1971; Charlie staubt Millionen ab – 1969; Ein dreckiger Haufen – 1969; Das Milliarden Dollar Gehirn – 1967; Siebenmal lockt das Weib – 1967; Finale in Berlin – 1966; Ipcress - streng geheim – 1965).

Sir Michael, 1993 zum Commander of the Order of the British Empire geadelt, hatte offenbar mal wieder Lust auf easy money. Diese Lust kultiviert er seit den späten 1970er Jahren: Bisweilen nimmt er ein Filmengagement an, weil dies ordentlich Geld einbringt, um ein neues Haus, ein Auto oder irgendeine kurzfristige Leidenschaft zu bezahlen. Er kann sich das leisten, seine Reputation als Charakterdarsteller ist gefestigt, warum soll er sich nicht hin und wieder auch ein bisschen Spaß gönnen? Dem vorliegenden Abenteuerfilm schadet Caines Auftritt nicht. Im Gegenteil. Die Arroganz, die er Großvater Alexander ins Gesicht legt, wenn Hank seinen Weg kreuzt, der ungeliebte Stiefvater seines geliebten Enkels Sean, bringt im Kinosessel die Gefühle in Wallung. Weil: So geht's auch nicht.

Hank ist ein reizend um den Jungen bemühter Stiefvater, der sich nicht ranzuschleimen, der die Flausen des Jungen für voll zu nehmen versucht, der für ihn Beziehungen spielen lässt, als er Ärger mit der Polizei hat, und … der ohne allzuviel Theater dem Jungen diese – aus Sicht eines Erwachsenen – bizarre Reise ermöglicht. Kurz: Der Stiefvater ist eine gute Type, die zudem gespielt wird von dem aufstrebenden Charisma-Guy des zeitgenössischen Kinos, Dwayne "The Rock" Johnson (Faster – 2010; Zahnfee auf Bewährung – 2010; Die Jagd zum magischen Berg – 2009; Walking Tall – Auf eigene Faust – 2004; Welcome to the Jungle – 2003; The Scorpion King – 2002; Die Mumie kehrt zurück – 2001). Johnson, der den Wechsel aus dem Wrestler-Milieu auf die Leinwand mit einer Großpackung Selbstironie und der Extraportion Charme reibungslos bewältigt, lässt sich im engen, von Muskelpaketen durchwölbten T-Shirt von Sir Michael, dem anerkannten Großschauspieler, souverän veralbern. Er weiß, dass er seine Punkte an anderer Stelle im Film bekommt.

Und so nimmt die Abenteuergeschichte ihren bunten Lauf. Ihren besonderen Reiz zieht sie aus der Prämisse, dass die kolportiert real existierende geheimnisvolle Insel in gleich drei weltberühmten Romanklassikern eine Hauptrolle spielen soll: Neben Jules Vernes "Die Geheimnisvolle Insel" spielen offenbar auch "Gullivers Reisen" und "Die Schatzinsel" auf ebenjener Insel irgendwo im Pazifik; was im Umkehrschluss bedeutet, dass auf dieser Insel ein gewaltiger Schatz verborgen liegt und, dass die Größenverhältnisse durcheinander geraten. Elefanten sind klein, dafür eignen sich Bienen als geduldige Reittiere – solange sie nicht in den Fokus hungriger (noch größerer) Vögel geraten.

Der Film, der eher die Teenager unterhält, für die er eine Teenage-Lovestory zwischen dem weitflächig gebildeten Josh Hutcherson und der süßen, nicht auf den Mund gefallenen Vanessa Hudgens andeutet, bietet neben bunter Action ordentliche Special Effects, Family Values und leichtgängigen Humor. Im besten Sinne ein Film für die ganze Familie.

Wertung: 4 von 7 €uro
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