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Plakatmotiv: Faster (2019)

Ordentliche Rache-Action
mit zu viel Zwischentönen

Titel Faster
(Faster)
Drehbuch Tony Gayton & Joe Gayton
Regie George Tillman Jr., USA 2010
Darsteller

Dwayne Johnson, Billy Bob Thornton, Oliver Jackson-Cohen, Carla Gugino, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Lester Speight, John Cirigliano, Maggie Grace, Xander Berkeley, Moon Bloodgood, Aedin Mincks, Matt Gerald, Jennifer Carpenter, Tom Berenger u.a.

Genre Action
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
17. März 2011
Inhalt

Vor einem Jahrzehnt musste "Driver" hilflos mit ansehen, wie eine brutale Gangsterbande erst sein ganzes Bankräuber-Team und schließlich seinen Bruder umbrachte. Die Mörder blieben frei, während der Kleinkriminelle in den Knast wanderte.

Jetzt ist er wieder frei – und keine 24 Stunden später hat er den ersten Namen auf seiner Liste bereits abgehakt. Der eiskalte Rache-Mord ruft die Polizei auf den Plan. Fieberhaft arbeiten der kurz vor dem Ruhestand stehende "Cop" und seine Partnerin am neuen Fall, während "Driver" bei seinem Rundumschlag auf eine neue Bedrohung trifft: "Killer", der sich für den scharfsinnigsten Auftragsmörder aller Zeiten hält und seinem Opfer bereits dicht auf den Fersen ist …

Was zu sagen wäre

Schon, wie der Kerl aus dem Knast geht. Kraftvoll, schneller Schritt, entschieden! Und als er die Mauern hinter sich hat, verfällt er in einen schnellen Trab, der ihn nach vielen Kilometern zu seinem neuen Auto bringt, einem röhrenden Chevi Chevelle – dieser Mann ist keiner, der geläutert ist. Er wird als "Driver" eingeführt. Der hat was zu erledigen. Und damit fängt er auch gleich an. Nach fünf Minuten schon hat er einen unbewaffneten Typen in einem Großraumbüro erschossen. Kaltblütig. Aber dieser Ex-Häftling ist nicht nur die Hauptfigur des Films, damit automatisch Sympathieträger, sondern wird auch gespielt von Dwayne "The Rock" Johnson, der seit einigen Jahren den Job des Top-Actionhelden innehat (Zahnfee auf Bewährung – 2010; Die Jagd zum magischen Berg – 2009; Walking Tall – Auf eigene Faust – 2004; Welcome to the Jungle – 2003; The Scorpion King – 2002; Die Mumie kehrt zurück – 2001). Da muss also was hinter dem Todesschuss stecken.

Die Dramaturgie macht klar: dieser Typ ist ein Racheengel. Und er ist das zurecht: „Sie haben Dinge erlebt, die man seinem ärgsten Feind nicht gönnt!“ Er hat eine Vergangenheit. Neben dem "Driver" wird ein drogenabhängiger "Cop" eingeführt, unbeliebt bei den Kollegen. Und es gibt einen "Killer", dessen Fototapete ihn als special ausweist, Kinderlähmung, behoben mit augenscheinlich brutalen chirurgischen Eingriffen. Plakatmotiv: Faster (2019) Fette Narben erinnern den "Killer" täglich daran. Diese Figur macht die schöne, einfache Struktur, die so ein Film braucht, zunichte. Der Mann ist eitel, irgendwie durchgeknallt, was er in Dauertelefonaten mit seiner Therapeutin aufarbeitet, zusammen mit einer durchschnittlichen Model-Schönheit, die Blondhaar Maggie Grace (Knight and Day – 2010; 96 Hours – 2008; "The Fog – Nebel des Grauens" – 2005) vor allem mit schwarzer Spitzenunterwäsche charakterisiert, und durch irgendwelche Börsenjobs stinkreich; für seine Killjobs berechnet er nur jeweils einen Dollar. In diesem Killer steckt soviel Erklärnotwendigkeit, dass wir die Motivation der Hauptfigur zwischenzeitlich aus dem Blick verlieren.

Denn da sind ja auch noch der "Cop" und seine Partnerin, die die brutalen Morde möglichst schnell aufklären sollen. Und auch der Cop hat eine reichhaltige Vergangenheit, die psychische Tiefe vermitteln soll, aber dann bald klar macht, wohin die Suche des Rächers schließlich führen muss. Das nimmt dem Film, der schon unter dem völlig unnötigen Killer-Charakter landet, noch mehr seiner Spannung: „Ich habe meine eigene Hölle erschaffen.“ „Und ich bin der Dämon, der daraus hervorgekrochen ist."

Während diese Nebencharaktere eingeführt werden – der eine will ihn töten, der andere ihn verhaften – wird der Hintergrund des gnadenlos tötenden Hauptcharakters enthüllt; seinem wehrlosen Bruder wurde neben ihm die Kehle aufgeschnitten nach einem gemeinsamen Banküberfall, den andere Killer für sich ausgenutzt haben und die jetzt auf der Abschussliste des "Driver" stehen. Seine Ex hat, nachdem klar war, dass er zehn Jahre im Knast sitzen würde, sein Kind abtreiben lassen („Ich hoffe, Du bringst sie alle um!“). Und als dann noch herauskommt, dass auch sein Vater ihn immer abgelehnt hat, weil er nicht von ihm ist – „Du hattest nie eine Chance.“ – ist es der Motive dieses am Leben verzweifelten Mannes ein bisschen viel, aber eben nötig, um die Schicksale der anderen ausführlich erzählten Figuren zu überstrahlen.

Es ist blöd, sich bei Filmen über das zu mokieren, was es nicht gibt. Denn offensichtlich wollte ja der Regisseur genau das nicht Vorhandene auch eben nicht. Allerdings handelt es sich hier um ein klassisches Rache-Movie. In dem es nur darum geht, dass der Maincharacter sein Ziel erreicht. So wie Arnold Schwarzenegger in Phantom Kommando (1985), der Mutter aller Rächer-Actionfilme. Die brauchte all diese Nebenfiguren samt des nötigen Lebensraums im Film nicht. Da ging es um Er gegen Ihn. Man muss das nicht mögen, es gibt dramaturgisch sicher ausgefeiltere Konzepte. Aber wenn man eine Rachestory mit Dwayne Johnson in der Hauptrolle drehen will, sollte man sich auch auf ihn konzentrieren. Der Rest wird dann schon.

Wertung: 4 von 7 €uro
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