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Plakatmotiv: Die Valachi-Papiere (1972)
Ein blutiger Blick ins
Innenleben des Mob
Titel Die Valachi Papiere
(Carteggio Valachi / The Valachi Papers)
Drehbuch Stephen Geller
nach dem Buch „The Valachi Papers“ von Peter Maas
Regie Terence Young, Frankreich, Italien, USA 1972
Darsteller Charles Bronson, Lino Ventura, Jill Ireland, Walter Chiari, Joseph Wiseman, Gerald S. O'Loughlin, Amedeo Nazzari, Fausto Tozzi, Pupella Maggio, Angelo Infanti, Guido Leontini, María Baxa, Mario Pilar, Franco Borelli, Alessandro Sperli u.a.
Genre Drama, Crime
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
1. Februar 1973
Inhalt

Im Bundesgefängnis von Atlanta muss der alte Häftling Joe Valachi seine Haftstrafe wegen Heroinschmuggels absitzen. Im gleichen Gefängnis sitzt auch der Boss seiner Familie, Vito Genovese. Der ist überzeugt, dass Valachi ihn verraten hat und gibt ihn den „Todeskuss“ – ein Signal für die Mitinsassen, ihn zu töten. Valachi nimmt die Herausforderung an und küsst ihn zurück.

Seine Geschichte wird in Rückblenden erzählt. Valachi beginnt als kleiner Dieb, bevor er in die Organisation von Salvatore Maranzano eintritt. Im Krieg von Castellammare gerät Valachi zwischen die Fronten von Salvatore Maranzano und seinem Widersacher Joe Masseria, die um die Vorherrschaft der Mafia in New York kämpfen. Dabei ist er Fahrer, Laufbursche für Lucky Luciano und auch an einigen Ermordungen beteiligt. Auf einer Beerdigung eines erschossenen Gangsters eröffnet Maranzano einer Trauernden „Ich kann die Toten nicht zurückbringen. Ich kann nur die Lebenden töten.

Auf dem Höhepunkt des Gangsterkrieges wird Joe Masseria 1931 in Scarpato's Restaurant ermordet. Wenige Monate später töten seine ehemaligen Vasallen seinen Rivalen Salvatore Maranzano, als dieser ihnen zu mächtig wurde. Valachi muss in dieser Zeit auf dem Dachboden einer befreundeten Familie untertauchen. Dabei lernt er Maria Reina kennen und lieben. Später heiratet er sie, wobei Don Vito Genovese den Fürsprecher bei der Mutter des Bräutigam und seinen Trauzeugen spielt.

Valachis Aufstieg in der Genovese-Familie ist durch seine schlechte Beziehung zu seinem Caporegime Tony Bender behindert. Valachi kommt in Bedrängnis, nachdem herauskommt, dass er ein Verhältnis zwischen seinem Freund „Gap“ und der Geliebten Genoveses gedeckt hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt Vito Genovese aus Sizilien, wohin er fliehen musste, zurück und regelt mit harter Hand die vernachlässigten Geschäfte. „Gap“ lässt er durch Benders Leute in Valachis Restaurant kastrieren. Valachi bleibt nur noch, dem Schwerverletztenden den Gnadenschuss zu geben. Die Tatsache, einen Freund getötet zu haben und die Gewissheit, dass die alten Werte ihrer Organisation keine Gültigkeit mehr haben, lassen Valachi immer mehr von seiner Gangsterfamilie abkehren, zumal die Angst hinzukommt, dass sie seiner Familie etwas antun könnten. Die Polizei stellt Valachi und ein Gericht verurteilt ihn zu einer Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren.

Valachi entschließt sich, mit dem FBI zu kooperieren und vor dem Kongress der Vereinigten Staaten über das Organisierte Verbrechen auszusagen …

Was zu sagen wäre

Ein semidokumentarischer Film mit allerlei visuellen Pannen – der Film spielt in den 30er und 40er Jahren, aber als Valachi mit seinem Wagen in den Hudson River kracht, strahlen im Hintergrund die Zwillingstürme des World Trade Center. An anderer Stelle fahren zeitgenössische Oldtimer neben Autos aus den späten 60er Jahren.

Während wir uns mit derlei Abnormitäten herumschlagen, entfaltet sich eine zu Beginn verworren anmutende Geschichte, in der wir kaum nachvollziehen können, wer was warum tut – nur Charles Bronson als Joe Valachi erkennen wir als konstanten Identifikationspunkt; wer er ist, warum er im Gefängnis sitzt, wer ihn mehrfach umnbringen will, bleibt zunächst unklar. Erst als Joe Valachi aus Versehen den falschen Mann getötet hat und zum Kronzeugen der Polizei wird, bekommt der Film Struktur: In Rückblenden erleben den Werdegang eines kleinen Gangsters und seine Karriere innerhalb der Cosa Nostra.

Es ist ein interessanter Blick in die gnadenlose Welt aus Capos und Gangstern, aus Omertà und Loyalität aus Liebe oder Furcht. Das historisch Dokumentarische allerdings steht für Terence Young („Rivalen unter roter Sonne“ – 1971; „Warte, bis es dunkel ist“ – 1967; „Mohn ist auch eine Blume“ – 1966; James Bond 007 – Feuerball – 1965; James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau – 1963; James Bond 007 jagt Dr. No – 1962) nicht im Mittelpunkt. Er bemüht sich um Zeitcolorit, etwa, wenn Valachi um die Hand Maria Reinas anhält und Vito Genovese seinen Fürsprecher gibt. Während Genovese also redet, knuspert Valachi hilflos aber sehr hörbar auf hartem Gebäck herum – eine witzige Szene, die vor allem durch Lino Ventra strahlt („Der Clan der Sizilianer“ – 1969; „Der Panther wird gehetzt“ – 1960; „Fahrstuhl zum Schafott“ – 1958), der hier als Don Vito unter Einsatz seiner großen Brauen, seiner großen Augen und seiner großen Hände einen fabelhaften Mobster-Boss spielt. Mehr Interesse allerdings bringt Terence Young für die Schießereien, Garben aus spuckenden Maschinengewehren, für die würgenden Garotten und kunstvoll blutüberströmten Leichen auf; da schöpft er aus dem Vollen – allem, was ein großer Mafiakrieg für die Kinoleinwand mit sich bringt.

Der Film zeigt die Mafia als gesellschaftliches Phänomen. Wie sie aber innerhalb der Gesellschaft verankert ist, wie sie funktionieren kann, das streift der Film nur und schneidet lieber zur nächsten Schießerei. Charles Bronson gelingt als Kronzeuge Valachi ein differenziertes Portrait („Rivalen unter roter Sonne“ – 1971; „Kalter Schweiß“ – 1970; Spiel mir das Lied vom Tod – 1968; Das dreckige Dutzend – 1967; „Vier für Texas“ – 1963; „Gesprengte Ketten“ – 1963; Die glorreichen Sieben – 1960). Neben seiner klassischen Knittermiene sehen wir ihn in bemitleidenswerter Trauer und Szenen, in denen er an den Scherben, in die seine Welt zersplittert ist, verzweifelt.

Wertung: 4 von 8 D-Mark
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