Wien im Jahr 1888: Kronprinz Rudolf widersetzt sich in vielen Dingen seinem Vater Kaiser Franz-Josef I., dem Herrscher über Österreich-Ungarn. So pflegt er Kontakte zu ungarischen Nationalistenführern, die die Unabhängigkeit anstreben. Außerdem ist Rudolf unglücklich mit Prinzessin Stephanie verheiratet. Eines Tages verliebt er sich in ein junges Mädchen namens Maria Vetsera und beginnt ein Verhältnis mit ihr.
Doch der Kaiser ist gegen diese Liaison. Er überwacht jeden Schritt seines Sohnes, schickt ihn ins Manöver und Maria nach Venedig ins Exil. Nach seiner Rückkehr sucht Rudolf Maria auf und will sich mit ihr in Frankreich niederlassen. Doch Frankreich verweigert ihm Asyl. Der Kaiser gestattet dem Paar einen einmonatigen Aufenthalt im Jagdschloss Mayerling. Danach sollen sich die beiden nie wiedersehen.
Unterdessen sorgt die ungarische Unabhängigkeitsbewegung für Unruhe im Land. Rudolf, dem die ungarische Königskrone angetragen wird, geht nach Wien, wo er seinen Vater vergebens um Milde für die Aufständischen bittet. Nach dem Scheitern des ungarischen Aufstands empfinden die Liebenden, die vom väterlichen Hof in Wien verstoßen werden, ihre Lage als ausweglos. In der Nacht auf den 30. Januar 1889 gehen sie in Mayerling gemeinsam in den Tod …
Oh, gesegnete Zeiten, die keine Kameras kannten. Ende des 19. Jahrhunderts noch kann der Thronfolger mitten in der Stadt unerkannt mit einer unbekannten Schönen parlieren. Rudolf, der frustrierte Erbe eines Mannes, der ihn von Vater und Thron gleichermaßen fern hält, stolpert orientierungslos durch sein Laben, unterstützt kleines Rebellentum im eigenen Land und gibt seinem Vater, dem Kaiser allen Grund, seinem Sohn Unreife zu attestieren und von den Amtsgeschäften fern zu halten.
Terence Young hat als Regisseur des Geheimagenten Ihrer Majestät mehrfach gezeigt, dass er große Budgets prachtvoll auf der Leinwand entfalten kann (Warte, bis es dunkel ist – 1967; Spion zwischen zwei Fronten – 1966; Mohn ist auch eine Blume – 1966; Feuerball – 1965; Liebesgrüße aus Moskau – 1963; James Bond 007 jagt Dr. No – 1962).
In "Mayerling" entfaltet er die ganze Pracht der österreichischen KuK-Monarchie in prachtvoll ausgestatteten Palästen und glänzend dekorierten Ballsälen mit eleganten Roben und stolzen Uniformträgern. Und vergisst dabei manchmal die Geschichte, die sein Film erzählen soll.
Der Film erzählt eine Liebesgeschichte, von der nicht klar ist, wie authentisch sie ist. Historisch mehr oder weniger gesichert ist die Annahme, dass der österreichische Thronfolger in der nacht seines Todes zuerst die Freiin Maria Vetsera erschoss und dann sich selbst mit einer Kugel in den Kopf. Im Film spielt Catherine Deneuve (Belle de Jour – 1967; Ekel – 1965) jene Baroness, die einem unruhigen Rudolf den Kopf verdreht – und das völlig nachvollziehbar. Ihre Baroness ist eine dem Thronfolger gegenüber natürlich folgsame Dame, was bliebe ihr auch anderes übrig? Aber Deneuve strahlt als Maria eine natürliche Autorität aus, die die verliebte Augenhöhe zwischen ihr und Rudolf glaubhaft macht.
Das gilt auch andersherum: Rudolf ist ein feuriger Thronerbe. Omar Sharif, Ägypter von Geburt, spielt den Österreicher als von Pomp und Hofprotokoll genervten Sohn des Kaisers (Mohn ist auch eine Blume – 1966; Doktor Schiwago – 1965; Der Untergang des Römischen Reiches – 1964; Lawrence von Arabien – 1962). Sein Rudolf steckt voller Ideen für ein Land, in dem das Volk mit entscheiden darf – unter kaiserlicher Aufsicht natürlich – und selbst entscheiden soll, welchem Beruf es nachgeht und wen es heiratet. Um diesem im Kinopublikum populären Freiheitsdrang entgegenzustehen braucht es einen James Mason (Der Untergang des Römischen Reiches – 1964; Lolita – 1962; Der unsichtbare Dritte – 1959; Ein neuer Stern am Himmel – 1954; 20.000 Meilen unter dem Meer – 1954; Prinz Eisenherz – 1954; Julius Caesar – 1953). Der Brite spielt den Wiener Kaiser Franz-Josef als nach außen freundlicher Onkel, der aber seinen Staat zu jedem Moment eisern im Griff hat und keiner Intrige abgeneigt ist, sofern sie seinen Zielen nutzt.
In der deutsch synchronisierten Fassung des Films sprechen die Adligen aufdringlich in österreichischem Dialekt. Das ist einerseits hilfreich, weil so ham's schließlich a scho' 1955 in "Sissi" g'sprochen. Aber James Mason mit neuer Synchronstimme und mit österreichischem Dialekt, das ist ein andauernder Stolperstein.
Die Welt im Palast ist eine trügerische. Es ist nicht etwa so, dass Kaiser und Königssöhne hier einfach machen können, was sie wollen. Es braucht Manöver für Tarnen und für Täuschen. Darin ist der Hof geübt. Rudolfs dramatische Liaison mit Maria ist keineswegs einzigartig in dieser Umgebung. Im Gegenteil, augenscheinlich gehört es zum verschwiegenen Ton, dass man ein Land ehelicht, also eine Thronerbin, aber seine Befriedigung dann anderswo sucht. Auftritt Kaiserin Elisabeth, dem deutschen Publikum besser bekannt als Sisi. Sie ist in diesem Film eine nicht zwingende Nebenfigur, wird aber gespielt von Ava Gardner (Die Bibel – 1966; Die Nacht des Leguan – 1964; Die barfüßige Gräfin — 1954; Die Ritter der Tafelrunde – 1953; Mogambo – 1953; "Schnee am Kilimandscharo" – 1952), die der Kaiserin Grandezza und Widerstandskraft gibt. Ihr gelebtes Contra gegen den kaiserlichen Ehemann gibt Rudolfs Renegat die nötige Glaubwürdigkeit.
Schauen wir unter rein dramaturgischen Gesichtspunkten auf diesen Film, ist er zum Füße einschlafen. Weder steht die verbotene Liebe deutlich im Zentrum, noch der sich anbahnende ungarische Aufstand. Statt dessen beherrschen Pomp, Glanz und Hofprotokoll – überladene Bilder und architektonische Pracht – den Film. Terence Young beherrscht sowas. Durch seine visuelle Kraft ist der Film aufregender, als es sein Drehbuch vermuten ließe.

