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Plakatmotiv: Zeit des Erwachens (1990)

Ein relevantes Drama, das
in Hollywoodkitsch ertrinkt

Titel Zeit des Erwachens
(Awakenings)
Drehbuch Steven Zaillian
nach einem Erfahrungsbericht von Oliver Sacks M.D.
Regie Penny Marshall, USA 1990
Darsteller
Robert De, Robin Williams, Julie Kavner, Ruth Nelson, John Heard, Penelope Ann Miller, Alice Drummond, Judith Malina, Barton Heyman, George Martin, Anne Meara, Richard Libertini, Laura Esterman, Dexter Gordon, Jayne Haynes u.a.
Genre Biografie, Drama
Filmlänge 121 Minuten
Deutschlandstart
14. Februar 1991
Inhalt

Dr. Malcolm Sayer betreut in einem New Yorker Krankenhaus eine Gruppe von Patienten, die an einer seltenen Schlafkrankheit leiden. Seit vielen Jahren befinden sich die Männer und Frauen in einer Art Wachkoma, eine Heilung ist nicht in Sicht.

Der junge Idealist entdeckt, dass der Geist der Patienten trotz ihrer scheinbaren Hilflosigkeit noch immer hellwach ist. Sayer entwickelt eine spezielle Droge, mit der er die Menschen aus ihrem Schlaf erwecken will. Seine Forschungsarbeit trägt Früchte, sodass er erste Behandlungserfolge feiern kann.

Unter den Patienten befindet sich auch Leonard Lowe, der schon im Kindesalter ins Koma fiel, körperlich aber mittlerweile zu einem Erwachsenen herangewachsen ist. Die Behandlung schlägt bei Lowe zunächst an, aber dann kommt es zu Rückfällen. Unermüdlich arbeitet Sayer daran, die Wirkung seines Medikaments zu verbessern, damit die Wirkung dauerhaft bleibt. …

Was zu sagen wäre

Stell Dir vor, Du lebst. Aber nur innen. Von außen gesehen bist Du katatonisch, in einer Art Koma, in der du auf keinerlei Reize reagierst. So in etwa leben die Patienten, von denen Penny Marshall (Big – 1988; "Jumpin' Jack Flash" – 1986) in ihrem Film erzählt. Der Film beruht im Groben auf einer wahren Geschichte, die berührt und zu Herzen geht, wird aber dann mit den gängigen Versatzstücken eines leicht konsumierbaren Films aufgepumpt, was im Ergebnis den Nerv tötet.

Behandelt wird die Frage, wie wir mit Patienten umgehen, die nicht auf ihr Umfeld reagieren. Am Bainbridge Hospital in New York City geht man gar nicht mit ihnen um, abgesehen davon, dass die Pfleger diese Patienten waschen, ankleiden und füttern. Sie sind halt unterbesetzt, unterfinanziert, und es gibt ja schließlich auch noch die anderen Patienten. Die hoffnungslosen Fälle hat man auf dem Gang geparkt, den sie hier "Garten" nennen – „Hier pflegen und gießen wir sie“. Mit Dr. Malcom Sayer kommt dann ein Arzt an die Klinik, der noch nie einen Patienten behandelt hat, sein Berufsleben statt dessen in Laboren der Forschung zugebracht hat. Das sieht man ihm an. Robin Williams ("Cadillac Man" – 1990; Der Club der toten Dichter – 1989; Good Morning, Vietnam – 1987; Garp und wie er die Welt sah – 1982; "Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag" – 1980) spielt ihn als freundlichen, verdruckten, bescheidenen Mann, der sich wirklich für die schweren Fälle am Bainbridge Hospital interessiert und dem bald auffällt, dass die Katalanischen gar nicht katatonisch sind. Sie reagieren sehr wohl auf Reize, nur nicht auf die, die wir Gesunden erwarten.

Und dann läuft dieser engagierte Doktor natürlich erst einmal vor verschlossene Türen und verschlossene Kassen, seine Kollegen machen sich über ihn lustig, den Krankenschwestern geht er bald auf die Nerven, und die eine, seine Assistentin, die heimlich in ihn verliebt ist, übersieht er.

Behandelt wird am Rande auch die Frage, wer eigentlich krank und wer gesund ist. Leonard Lowe, der erste Patient, den Dr. Sayer ins Leben zurückholt, stellt bald fest, dass die Welt nur aus schlechten Nachrichten besteht und keiner mehr den Luxus des Lebens als solches begreift, die Gunst, geboren worden zu sein. Da ist die trockene Leitung des Krankenhauses mit all den Vorschriften und hier sind die wieder erwachten Patienten, die fröhlicher Dinge sind, die zu schätzen wissen, dass sie leben. Und die mit ihren Ängsten, zehn, 20, 30 Jahre ihres Leben verschlafen zu haben, alleine bleiben, die ihre Angehörigen verloren haben, während sie schliefen. In diesen Momenten feiert der Film das Leben und es ist eine Freude, den Menschen bei ihrem Leben zuzuschauen. Und es ist traurig, mit ansehen zu müssen, wie diese lebensfreudigen Menschen dann doch wieder in ihren Schlaf zurück sinken – immerhin jetzt aber begleitet von aufmerksamen Pflegern, die ihre Patienten nun besser verstehen und sie mit geistiger Nahrung, Vorlesen, Musik hören, Kartenspiele, bei Laune halten können.

Den ersten aufgewachten Patienten spielt Robert De Niro (GoodFellas – 1990; Midnight Run – 5 Tage bis Mitternacht – 1988; Die Unbestechlichen – 1987; Angel Heart – 1987; Mission – 1986; Brazil – 1985; Es war einmal in Amerika – 1984; "King of Comedy" – 1982; "Wie ein wilder Stier" – 1980; "Die durch die Hölle gehen" – 1978; New York, New York – 1977; Der letzte Tycoon – 1976; 1900 – 1976; Taxi Driver – 1976; Der Pate II – 1974). Er liefert als Leonard Lowe, der nach 30 Jahren aus dem Schlaf erwacht, eine große Show liefert das Porträt eines naiven, neugierigen Mannes, der das neu geschenkte Leben aufsaugt und dessen Körper dann langsam zurück fällt erst mit kleinen Tics, dann mit unkontrollierbaren Zuckungen und schließlich schweren Parkinson-ähnlichen Anfällen. Das ist bewundernswert gespielt, aber die Oscar-Nominierung für die männliche Hauptrolle belohnt hier reine Technik, belohnt, dass De Niro geübt hat, unkontrollierbare Zuckungen zu spielen. Sein Spiel bewegt, aber sein Leonard ist über diese Krankheit hinaus kein Hingucker. Der Oscar für die männliche Hauptrolle ging bei der Oscar-Show am 25. März 1991 an Jeremy Iron für seine Arbeit in "Die Affäre der Sunny von B.".

Weniger Hollywood hätte dem Film sicher gut getan. An sich singt er ein Hohelied auf den Wissensdurst, den Forschergeist, dass der Mensch sich ewig auflehnt gegen die Das geht sowieso nicht-Menschen dieser Welt. Aber et tut das mit einem ununterbrochen salbungsvoll dudelnden Score, der mir in jeder Situation sagt, welche Form der Rührung ich nun gerade empfinden sollte. Leonard Lowe muss sich ein eine freundliche Krankenhausbesucherin verlieben, die von der 20 Jahre jüngeren(!) Penelope Ann Miller gespielt wird. Da ist Dr. Sayer, der sich gegen den gleichgültigen Verwaltungsapparat stemmen muss und so schüchtern ist, dass er nicht merkt, dass seine Assistentin ihn liebt. Das alles sind Faktoren, die dem spannenden medizinhistorischen Drama seine große Relevanz kaputt machen.

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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