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Plakatmotiv: Good Morning, Vietnam (1987)

Die Tragödie des Vietnam-Einsatzes der
USA fokussiert auf ein paar US-Soldaten

Titel Good Morning, Vietnam
(Good Morning, Vietnam)
Drehbuch Mitch Markowitz
Regie Barry Levinson, USA 1987
Darsteller

Robin Williams, Forest Whitaker, Tung Thanh Tran, Chintara Sukapatana, Bruno Kirby, Robert Wuhl, J.T. Walsh, Noble Willingham, Richard Edson, Juney Smith, Richard Portnow, Floyd Vivino, Cu Ba Nguyen, Dan Stanton, Don Stanton u.a.

Genre Biografie, Komödie
Filmlänge 121 Minuten
Deutschlandstart
8. September 1988
Inhalt

Als Radiomoderator Adrian Cronauer 1956 nach Vietnam geschickt wird, um dort auf Sendung zu gehen, tut er das, was er am Besten kann – unterhalten. Sein frecher Sinn für Humor und seine Vorliebe für Rock’n’Roll machen ihn schnell zum Liebling seiner Hörer und zur Ikone der in Vietnam stationierten Truppen der US-Army.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund und macht sich über alles und jeden lustig – auch über seine Vorgesetzten. Doch auch wenn er bei den Kameraden große Beliebtheit genießt, stößt er bei den höheren Rängen auf blankes Entsetzen. Sie fürchten um die Kampfmoral der Soldaten, wenn Adrian das sagt, was zwar alle wissen, was sich aber niemand traut auszusprechen.

Daher ist er ihnen ein Dorn im Auge und sie setzen alles daran, ihn aus seiner Position herauszubekommen …

Was zu sagen wäre

Als Adrian Cronauer nach Saigon kommt, gilt der Einsatz der US-Armee in Vietnam noch einem Konflikt. 1965 ist von Krieg noch keine Rede, die Mannstärke aber wird gerade von 75.000 auf 125.000 Soldaten erhöht – und später immer weiter auf bis zu 450.000 Mann. Die Menschen in den USA nehmen diesen Einsatz in ihrer Mehrheit noch nur am Rande wahr, die US-Medien hatten noch kaum Witterung aufgenommen, das Militär – oder: die Politik – hatte die Außendarstellung des Konflikts unter Kontrolle.

Da kommt einer wie Adrian Cronauer gerade ungünstig. Der ist, als er nach Saigon kommt, alles andere als ein politisch denkender, ernst zu nehmender Debattenteilnehmer. Cronauer will einfach Spaß machen, bezeichnet den Krieg nicht als Krieg oder Konflikt, sondern als „Polizeieinsatz“. Er denkt nicht nach, bevor er, wenn das Rotlicht im Studio angeht, seinem Mundwerk freien Lauf lässt; statt seiner Kodderschnauze will er den GIs im Einsatz coole Musik präsentieren. Naiv geht der US-amerikanische Radio-DJ davon aus, dass doch alle zusammen dasselbe wollen: die Amerikaner den Südvietnamesen gegen die Kommunisten aus dem Norden helfen und dann heim zu einem zünftigen Barbecue. Hier fasst Barry Levinson ("Tin Men" – 1987; Das Geheimnis des verborgenen Tempels – 1985; Der Unbeugsame – 1984; Diner – 1982) die weltpolitische Situation Mitte der 60er Jahre rund um Vietnam in einer Figur der Zeitgeschichte treffend zusammen – Adrian Cronauer hat es gegeben und er war auch Radio-Discjockey in Saigon 1965. In einem Interview sagte er, er sei aber nicht derart politisch in seinen Moderationen gewesen. Das hätte ihn nur vor Gericht gebracht. Cronauer zufolge entsprechen 45 Prozent des Films der Realität. Aber eine historisch genaue Biografie eines DJ ist auch nicht Barry Levinson Begehr.

Levinson nutzt die Person des an Kriegshandlungen unbeteiligten Moderators als Spiegelbild der historischen Verhältnisse. Irgendwie hatten sich die USA in einen Konflikt hineinmanövriert, den die Franzosen zuvor schon nicht hatten lösen können, der den USA aber interessant erschien im Kalten Krieg gegen die kommunistische Sowjetunion, die den Vietcong im Norden unterstützte. So kommt im Film auch Cronauer nach Vietnam – irgendwie, zufällig halt, weil ein General dessen Radioshow auf Kreta schätzte. Und prompt macht sich Cronauer dran, Land und Leute kennenzulernen. Das heißt, zu Beginn ist er einfach nur geil; männlich, weiß, geil. Geil auf die süßen Vietnamesinnen, der klassische Eroberer. Aber kein Arschloch. Und weil er sich also in ein vietnamesisches Mädchen verguckt, taucht er ein in die fremden gesellschaftlichen Normen – und lernt das Land kennen sowie seine eigenen Leute. Denn die kommen gar nicht, um Südvietnamesen in einem Konflikt zu helfen. Die Soldaten im Film sind in Saigon, weil sie ein Oberkommandierender im fernen Washington hierher befohlen hat, weil sie halt einen Job in der Army gesucht haben. Sie finden sich selbst geil, verachten die Vietnamesen und prostituieren die Frauen. All das klingt in diesem Film an, der so viel mehr als die "Komödie" ist, als die er verkauft wird – was Wunder, wo doch Robin Williams die Hauptrolle spielt (Garp und wie er die Welt sah – 1982).

Worum sich der Konflikt dreht, der da im fernen Vietnam ausgetragen wird, lässt der Film, der rund 15 Jahre nach Kriegsende entstand, offen. Barry Levinson Komödie erzählt de Geschichte einer hoch gezüchteten Soldateska, die einem fernen Land gegen irgendwen helfen will, und sich dabei aufführt, wie eine Besatzungsarmee. Gegen die dann (folgerichtig) manche Einwohner dieses fernen Landes zu explosivem Widerstand greifen. Das Geniale an seinem Film ist, das Levinson dieses Dilemma auf wenige Figuren herunter bricht, die alle zur US-Army gehören

Die Vietnamesen im Film sind freundliche Platzhalter, forcieren lediglich hier oder da das Drama. Gleichzeitig pflegen die Vorgesetzten im American Forces Network (AFN) ihre Eitelkeiten und Ideen, was über den Sender geht oder was nicht. In diesen Streitereien geht es nie um die Vietnamesen. Es geht vor allem darum, was den GIs mitgeteilt werden kann und was nicht; dass ihre Art, sich in Vietnam breit zu machen, längst auf bewaffneten Widerstand stößt, will man die fleißigen GIs lieber nicht wissen lassen.

Dabei ist das die zentrale Botschaft des Films (der aber lieber unterhaltsamer Film als lahmer Botschafter sein will): Misch Dich nicht in Dinge ein, die Du nicht verstehst. Der Ausgang des Krieges in Vietnam gibt beredtes Zeugnis von der Wahrhaftigkeit dieser Botschaft.

Wertung: 9 von 10 D-Mark
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