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Plakatmotiv: Der weiße Büffel (1977)

Eine Monsterjagd, die ohne roten
Faden nicht auf Touren kommt

Titel Der weiße Büffel
(The White Buffalo)
Drehbuch Richard Sale
nach seinem gleichnamigen Roman
Regie J. Lee Thompson, USA 1977
Darsteller

Charles Bronson, Jack Warden, Will Sampson, Kim Novak, Clint Walker, Stuart Whitman, Slim Pickens, John Carradine, Cara Williams, Shay Duffin, Clifford A. Pellow, Douglas Fowley, Ed Lauter, Martin Kove, Scott Walker, Ed Bakey, Richard Gilliland, David Roya u.a.

Genre Abenteuer, Action
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
12. Mai 1977
Inhalt

Wyoming, 1874: Der alternde Trapper und legendäre Revolverheld Wild Bill Hickok wird von wiederkehrenden Alpträumen geplagt, in denen er von einem weißen Büffel angegriffen wird. Als er erfährt, dass noch ein Exemplar in den Black Hills für Angst und Schrecken sorgt, beschließt er, Jagd auf das Untier zu machen, um endlich seinen inneren Frieden wieder zu erlangen.

Er reist unter dem Namen James Otis, wird jedoch von alten Feinden wiedererkannt, weshalb es zu mehreren Schießereien kommt. Von Poker Jenny, einer ehemaligen Geliebten, erfährt er, dass der Büffel ein Indianerdorf vernichtet hat. Zusammen mit seinem Partner, dem Veteranen Charlie Zane, begibt sich Bill in das Gebiet der Sioux, wo sich dem Duo der einsame Indianer Crazy Horse anschließt. Dieser nennt sich selbst nur mehr Wurm, seitdem der weiße Büffel seine kleine Tochter zu Tode getrampelt hat.

Aus diesem Grund hat Crazy Horse mit der Bestie selbst eine Rechnung zu begleichen. In den verschneiten Wäldern der Black Mountains entwickelt sich ein Duell zweier ungleicher Gegner …

Was zu sagen wäre

Der einzige, der in diesem Film eine nachvollziehbare Motivation hat, Menschen niederzutrampeln, ist der Titelheld selbst. Zu Beginn kommt der alternde Wild Bill Hickok nach Cheyenne, wo sich hinterm Bahnhof Knochen von erlegten Büffeln zu Bergen stapeln. Mehr als sechs Millionen hätte es mal in der Gegend gegeben, sagt ein Mann. Den Rest kann der Zuschauer sich denken. Die Siedler schossen in jenen Jahren Büffel, um ihren gewaltigen Hunger zu stillen. Sie töteten Büffel aber auch, um sie den Indianer vorzuenthalten.

Es wäre also verständlich, wenn in einem Film ein Sonderbüffel, ein großer weißer Büffel, der bei seinem ausschließlich nächtlichen Erscheinen aussieht wie ein Geist und im Volksmund beinahe Legendenstatus hat, den Tod seiner Artgenossen rächen will. Aber es stellt sich schnell heraus, dass das nicht die Geschichte ist, die der Film erzählen will. Stattdessen würfelt er drei Männer zusammen, die aus unterschiedlichen Gründen Jagd auf den angeblich letzten weißen Büffel machen. Einer ist scharf auf das seltene Fell, das mehrere tausend Dollar einbringe kann. Der Indianer will seine Tochter rächen. Und die Hauptfigur, Bill Hickok, hat Albträume mit dem Büffel, aus denen er jede Nach schweißgebadet und wild um sich schießend erwacht.

Warum er diese Albträume hat, ob es da eine frühere Begegnung gab, wird nicht thematisiert. Warum in dieser erfundenen Geschichte die historische Figur des Marshalls und Revolverhelden James Butler "Wild Bill" Hickok der Büffeljäger sein muss, bleibt offen. Warum ihn die halbe Stadt erschießen will, als er zurück nach Cheyenne kommt, wird nicht so recht klar, reicht thematisch aber auch nur für ein paar handelsübliche Schießereien, die für den Verlauf der Handlung nicht wichtig sind. Auch ein Captain Tom Custer hat ein zurückliegendes Problem mit ihm. Warum nun auch noch der auftaucht, bleibt ebenfalls unerklärt. Plakatmotiv (US): The White Buffalo (1977) Historisch befinden wir uns in den Black Mountains in der Region South Dakota und Wyoming; nördlich davon, hinter der Grenze nach Montana am Little Bighorn erlitt General George Custer 1876 (zwei Jahre nach den erfundenen Ereignissen in diesem Film) seine berühmte Niederlage in den Indianerkriegen – Tom Custer war sein jüngerer Bruder. Bill Hickok war 1967 eine Weile Kundschafter für George Custer. Da gibt es also eine ganze Reihe von historischen Verknüpfungen, die angedeutet, aber nicht aufgelöst werden. Das irritiert maßlos, weil es den Zuschauer immer wieder ablenkt und den Film nicht weiter bringt.

J. Lee Thompson interessiert sich nur für sein Männerballett (Die Schlacht um den Planet der Affen – 1973; Eroberung vom Planet der Affen – 1972; Mackenna's Gold – 1969; Immer mit einem anderen – 1964; Ein Köder für die Bestie – 1962; Die Kanonen von Navarone – 1961), die drei Kerle, die in den Krieg gegen einen weißen Büffel ziehen. Eigentlich kann der arme Büffel gar nichts dafür, er teilt das Schicksal aus Steven Spielbergs Weißem Hai, der in der Realität auch nicht einfach so auf Menschen los geht. Ein (echter) weißer Büffel ist ein höchst seltenes Tier und gilt den indigenen Völkern, wie den Lakota-Sioux, als heiliges Zeichen von Frieden, Hoffnung und Glück. Unter J. Lee Thompsons Regie wird er kurzerhand zum Monster, das durch die Wälder trampelt und – wieder: wahllos – Menschen umbringt.

Auf halber Strecke hat Kim Novak einen kurzen Auftritt als Witwe, Nutte und abgewiesene Bettgefährtin von Bill Hickok, bei dem sich Drehbuch wirklich alle Mühe gibt, die Geschichte an keiner Stelle voranzutreiben. Wichtiger scheint, Charles Bronson, der hier einen psychisch angeschlagenen Kerl spielt, in Designklamotten mit Sonnenbrille in Schießereien cool aussehen zu lassen (Telefon – 1977; Nevada Pass – 1975; "Ein stahlharter Mann" – 1975; Der Mann ohne Nerven – 1975; Ein Mann sieht rot – 1974; Das Gesetz bin ich – 1974; Kalter Hauch – 1972; Chatos Land – 1972; Die Valachi-Papiere – 1972; Rivalen unter roter Sonne – 1971; Kalter Schweiß – 1970; Spiel mir das Lied vom Tod – 1968; San Sebastian – 1968; Das dreckige Dutzend – 1967; Die Panzerschlacht in den Ardennen – 1965; "Vier für Texas" – 1963; Gesprengte Ketten – 1963; Die glorreichen Sieben – 1960; Wenn das Blut kocht – 1959; Vera Cruz – 1954; Massai – Der große Apache – 1954). Immerhin ist die Sonnenbrille ein historisches Accessoire, der historische Wild Bill litt am Grauen Star. Die Brille wird im Film nicht weiter thematisiert und wirkt, nun ja, aufgesetzt.

Das eigentliche Drama, der Kampf gegen den Büffel, beginnt dann erst nach rund einer Stunde. Es hat Schießereien gegeben, immer wieder Dialoge, dass Bill aufpassen müsse, weil ihn jemand erschießen wolle und Bill sagt dann „Das bin ich gewöhnt“. Dann hat er sich – ganz dem Zeitgeist der Völkerverständigung verpflichtet – mit dem Indianer angefreundet, was seinem Trapperfreund Charlie gar nicht passt. Dann galoppiert schließlich der weiße Büffel aus dem Wald direkt auf Bill zu, so wie er es in seinen Träumen gesehen hat – und dann funktioniert sein Gewehr nicht, was das Galoppieren des Tieres in die Länge zieht, aber nicht spannender macht, weil die Spezial-Effekte-Macher kein wirklich ordentliches Monster gebaut haben und die Regie das Tier nicht inszenieren kann; es kann halt trampeln und seine Hörner zum Ritzen einsetzen, wie wir früher im Film beim Überfall auf das Indianerlager schon gesehen haben.

Als wir das Kino verlassen, streift unser Blick nochmal die Plakate im Aushang. Und zweifeln, dass die zu dem Film gehören, den wir gerade gesehen haben.

Wertung: 2 von 9 D-Mark
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