Als Mortimer Brewster an seinem Hochzeitstag seine beiden Tanten Abby und Martha besucht, wird er mit einer erschütternden Entdeckung konfrontiert: In einer Truhe unter dem Fenster liegt die Leiche eines Mannes. Seine Tanten gestehen ihm sofort, dass sie aus Herzensgüte mitunter älteren einsamen Männern einen ruhigen Tod bringen, indem sie ihnen ein wunderbares Essen anbieten, bevor sie sie vergiften.
Bei den Tanten wohnt auch Mortimers Bruder Theodore: Der hält sich für Präsident Roosevelt und übernimmt die Aufgabe, im Keller Löcher für die Leichen zu graben, wobei er glaubt, am Bau des Panamakanals beteiligt zu sein.
Nun will Mortimer verzweifelt die beiden geliebten Serienmörderinnen beschützen, sie davon abhalten, noch jemanden zu töten, und verhindern, dass seine Verlobte herausfindet, wie gestört seine Familie tatsächlich ist. Dabei hilft das plötzliche Auftauchen seines zweiten Bruders Jonathan kaum – dieser gefährliche psychopathische Mörder kommt nämlich zu Besuch, um eine Leiche im Haus zu verstecken …
Die Welt steckt voller Vorurteile. Zu gerne richtet sich der Mensch in der behaglichen Sicherheit seiner Überzeugungen ein, in der er nicht gestört werden, und unter gar keinen Umständen hinter den Vorhang seiner Überzeugungen blicken möchte.
Leichen im Keller haben nur andere, Kerle im allgemeinen, die schon aussehen wie Mörder. Und wenn es sich doch um die eigenen, liebreizenden alten Tanten handelt, die ein paar Leichen im Keller begraben haben, dann kann das nur in einem völlig überzogenen Theaterstück passieren, niemals aber in der Realität.
Davon ist Mortimer Brewster überzeugt und der muss es ja wissen. Er ist schließlich Theaterkritiker und muss sich tagtäglich mit schlechten Bühnenstücken herumschlagen. Dumm nur, dass seine eigenen, ebenfalls liebreizenden Tanten eigene Leichen im Keller haben, derer zwölf. Ganz real. Der Film ist großes Verwechslungstheater. Dauernd wird Einbildung mit Realität verwechselt: freundliche alte Damen, die sich als, nun ja, kühle Killer erweisen, ein Mörder, der aussieht, wie ein Mörder, von allen aber ständig mit Frankensteins Kreatur verwechselt wird, ein Theaterkritiker auf dem Weg in die Flitterwochen, der bekannt für seine Ratgeber ist, in denen er dringend vom Heiraten abrät und der sich nur einbildet, dass sein Leben ein geordneter Ablauf von kontrollierten Tagen ist, ein geisteskranker Bruder, der sich für Präsident Roosevelt hält, und Peter Lorre, im Kino gerne besetzt als Irrer und Mörder (Fahrkarte nach Marseille – 1944; Casablanca – 1942; Die ganze Nacht hindurch – 1942; Die Spur des Falken – 1941; M: Eine Stadt sucht einen Mörder – 1931), hier als angeblicher Arzt und Handlanger eines Mörders, der das Töten längst satt hat.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Joseph Kesselring und wurde schon 1941 gedreht. Am Broadway feierte das Stück am 10. Januar 1941 Premiere und lief dann derart erfolgreich, dass es auf 1.444 Aufführungen kommen sollte. Der letzte Vorhang fiel erst am 17. Juni 1944. Bis dahin hatte sich das Warner Bros.-Studio verpflichtet, den längst fertig produzierten Film zurückzuhalten – rund drei Jahre.
Dem Film kann das egal gewesen sein. Frank Capra hat einen schwarzhumorigen Film von zeitloser Brillanz geschaffen (Mr. Smith geht nach Washington – 1939; Mr. Deeds geht in die Stadt – 1936), geleitet durch punktgenaues Timing, gespielt von Schauspielern, die ihren Beruf vor allem als Spiel begreifen. Die erste Filmstunde hindurch treibt Capra den Film in immer neue Höhen. Harmlos steigt er ein mit Mortimer und Elaine auf dem Standesamt wenige Minuten vor der Eheschließung, nur zwei Stunden entfernt vom Zug, der sie an die Niagarafälle zum Flittern bringen soll, dann entdeckt Mortimer die Leiche im Haus seiner Tanten, dann erfährt er, dass seine Tanten schon elf weitere einsame, alte Männer getötet haben, „um sie Gott näher zu bringen“ und sich absolut nichts Böses dabei denken, dann klopfen schon zwei Polizisten, um nur mal Hallo zu sagen. Zwischendrin versteht Elaine gar nicht, wieso ihr Gatte auf einmal so hektisch und abweisend ist, da steht auch schon Jonathan in der Tür, Mortimers böser Bruder, der nach 20 Jahren aus dem Zuchthaus ausgebrochen ist und eine Leiche los werden muss. Es ist ein Kommen und Bleiben in hoher Schlagzahl. Mittendrin immer Mortimer, der seine Tanten vor der Polizei schützen, sich Jonathan vom Hals und seine frisch Angetraute gewogen halten muss.
Cary Grant spielt das leidenschaftlich albern, tobt sich an der Tücke des Objekts aus und zieht erschrockene Grimassen, als befinde er sich in einem Stummfilm und als sei die Rolle extra für ihn, den ausgebildeten Clown, geschrieben worden (Verdacht – 1941; Die Nacht vor der Hochzeit – 1940; Sein Mädchen für besondere Fälle – His Girl Friday – 1940; S.O.S. – Feuer an Bord – 1939; Die Schwester der Braut – 1938; Leoparden küsst man nicht – 1938; Die schreckliche Wahrheit – 1937). Dabei hatte Capra die Rolle des Mortimer zuerst Bob Hope, Jack Benny und Ronald Reagan angeboten. Bob Hope kam nicht aus seinem Paramount-Vertrag heraus. Erst als alle drei absagten, ging die Rolle an Cary Grant.
Von der Broadwaybühne in den Film sind nur Josephine Hull und Jean Adair, die die lieben Tanten verkörpern, übernommen worden sowie John Alexander, der den eingebildeten Teddy Roosevelt spielt. Die anderen Rollen wurden neu besetzt. Der Killer-Bruder Jonathan etwa wurde auf der Bühne von Boris Karloff gespielt, der berühmt wurde mit seiner Verkörperung der Kreatur von Frankenstein. Im Film spielt Raymond Massey (Gefährliche Begegnung – 1944) den Jonathan dämonisch gruselig mit lauter Narben im Gesicht von zurückliegenden chirurgischen Eingriffen. Dafür wurde er absichtlich so geschminkt, dass er Karloff ähnelt. Im englischen Original des Films wie auch im Theaterstück handelt es sich um einen Running Gag, dass sowohl die Tanten als auch Mortimer sagen, Jonathan erinnere sie an Boris Karloff. In der deutschen Synchronisation wurde daraus Frankensteins Kreatur. Hull, Adair und Alexander wurden für nur acht Wochen von ihren Broadway-Verpflichtungen freigestellt, deshalb wurde der gesamte Film in der Zeit vom 20. Oktober bis zum 16. Dezember 1941 abgedreht.
Capra stellt die Erwartungen auf den Kopf, spielt mit gesellschaftlichen Vorurteilen, die das zusammenleben bisweilen unmöglich machen, in diesem Falle aber erst möglich, denn natürlich winkt die immer zahlreicher anwesende Polizei energisch ab, wenn jemand verrät, dass sich im Keller der Ladies die Leichen stapeln. Auch der eigentlich längst anstehende erste Ehekrach bleibt aus, weil die frisch angetraute Elaine nur aussieht wie ein Püppchen, sich aber als solide, handfeste Partnerin in allen Lebensfragen herausstellt. Priscilla Lane fügt ihrer entsprechend bevölkerten Filmografie hier ein paar charmante Aspekte bei (Saboteure – 1942; Die wilden Zwanziger – 1939). Anstatt, dass sie empört aufschreit, weil ihr frisch Angetrauter sich ihr gegenüber benimmt, als wäre er Hauptfigur in einer seiner Heirate-bloß-nie-Ratgeber, nimmt sie das geradezu provozierend gelassen zur Kenntnis. Diese Elaine weiß, wen sie geheiratet, und wie sie ihn zu nehmen hat.
In einer Szene sitzt Mortimer sinnierend auf einem Grabstein des benachbarten Friedhofs, der den Namen Archie Leach trägt, Cary Grants bürgerlichen Namen. Grant spendete seine komplette Filmgage von 100.000 Dollar dem U.S. War Relief Fund.
