Kinoplakat: John Carter – Zwischen zwei Welten
Brutal schlecht
brutal abgewatscht
Titel John Carter – Zwischen zwei Welten
(John Carter)
Drehbuch Andrew Stanton + Mark Andrews + Michael Chabon
nach der Geschichte "A Princess of Mars" von Edgar Rice Burroughs
Regie Andrew Stanton, USA 2012
Darsteller Taylor Kitsch, Lynn Collins, Samantha Morton, Willem Dafoe, Thomas Haden Church, Mark Strong, Ciarán Hinds, Dominic West, James Purefoy, Bryan Cranston, Polly Walker, Daryl Sabara u.a.
Genre Fantasy
Filmlänge 132 Minuten
Deutschlandstart
8. März 2012
Inhalt

Wir schreiben das Jahr 1871. John Carter, Bürgerkriegsveteran ist tot. Sein Neffe Edgar Rice Burroughs kommt als Alleinerbe zur Beerdingung, nur um zu erfahren, dass Carters Leiche in einem Mausoleum verwahrt wird, das nur von innen geöffnet werden kann. Carters Anwalt übergibt ihm dessen Tagebuch, und Edgar („Ned”) beginnt zu lesen. Im Jahre 1868 wird der ehemalige konföderierte Offizier John Carter, der als Goldsucher in Arizona unterwegs ist, auf der Flucht vor den Apachen auf wundersame Weise zum Mars teleportiert.

Der ursprünglich erdenähnliche Planet Barsoom, wie der Mars von den Einheimischen genannt wird, entwickelte sich im Laufe der Jahrtausende zu einer unwirtlichen, lebensfeindlichen Umgebung. Die einst große Zivilisation des Mars liegt zum Großteil in Ruinen und ein Teil der einst friedvollen Einwohner wandelte sich in harsche, kriegslüsterne Barbaren, die ihre einzige Überlebenschance im ständigen Kampf um die knappen Ressourcen sehen. Der Mars wird von verschiedenen Rassen bewohnt, von denen die wesentlichen die menschenähnlichen Roten Menschen auf der einen sowie die zirka drei Meter großen, grünen, vierarmigen Tharks auf der anderen Seite sind.

Teaserplakat: John Carter – Zwischen zwei Welten

Bald steckt Carter zwischen allen Fronten. Die einen sehen ihn als Feind, die anderen als Erlöser, wieder andere als Futter. Nur einer, Matai Shang, weiß, wer der seltsame Fremdling in Wirklichkeit  ist, der so große Sprünge machen kann. Shang und seine weißen Marsianer, eine Priesterkaste, unterstützen vordergründig den Jeddak von Zodanga.

Zu der unterlegenen Rasse der Roten Marsianer gehört Dejah Thoris, Tochter des Königs – kampferprobt, Oberste Wissenschaftlerin, und bald rassige Begleiterin Carters. Jedenfalls, bis sie Sab Than zu heiraten hat, den Jeddak von Zodanga. Das hat der allmächtige Matai Shang so verfügt, weil erst dadurch seine eigentlichen Pläne aufgehen können.

Carter kommt aus dem Kämpfen gar nicht mehr raus …

Was zu sagen wäre

Filme, die erst einmal fünf Minuten brauchen, um eine Legende zu erzählen, in der es von fremdartigen Namen wimmelt, während fremdartige, schwer zu unterscheidende Gerätschaften über die Leinwand fliegen, sind verdächtig. Man möchte dem Vorführer zurufen „Stopp! Halt mal an, ich hole mir was zum Mitschreiben!” Erst vor kurzem hat „Green Lantern” (2011) bewiesen, dass solche Einleitungen ein Indiz dafür sind, dass der Autor entweder seinen Job nicht versteht und noch nie was von dramaturgischen Bögen gehört hat, oder aber, dass die Produzenten sein Drehbuch haben publikumsgerecht umbauen lassen. Und dann dauert der Film auch noch über zwei Stunden.

Am Anfang zu viel – und dann nichts mehr

Ein Ende hat der Autor offensichtlich auch nicht gefunden. In jedem Fall ist das Drama nach so einer Einleitung meist schon auserzählt; die restliche Handlung fügt sich in der und-dann-und-dann-Erzählhaltung mit möglichst spektakulären Bildern an. Man mag den Zuschauer nach sowas schließlich nicht noch mehr verwirren.
Aber rätseln soll er eben auch nicht, der Zuschauer. Schließlich soll er sich ja all die tollen 3D-CGIs anucken, für die er 13 Euro (inkl. Brille) bezahlt hat.


Also, was haben wir: Anfangs reiten die Konföderierten durchs Monument Valley wie einst John Wayne unter John Ford. Aber dann hat der Mars das imposantere Monument Valley. Aber sonst ist da oben alles wie gehabt: ziemlich rot. Aber lebendiger, als man gemeinhin so glaubt. Dazu wird ein brutaler Herrscher gereicht, der durch einen geheimnisvollen Finstermann in weiß (Mark Strong spielt Mark Strong) eine ultimative Waffe erhält, um alle anderen zu unterjochen. Es gibt die schlagkräftige Amazonenprinzessin, die ein bisschen an „Xenia” erinnert und natürlich ihren eigenen Kopf hat – schließlich sollen ja die Mädchen ihren Jungs erlauben, diesen Film zu sehen und nicht die Teenie-Romanze im Saal nebenan. Dann gehört dazu noch die – in diesem Fall vierarmige – Alienrasse, die heute einfach dazugehört und der hier unter anderem Willem Dafoe und Thomas Hayden Church Gesichtsvorlage und Stimme leihen. Erkennen tut man sie nicht. Ist aber egal: Beides sind gefeierte Schauspieler und Geld war genug da. Die Blogs surren was von „250 Millionen Dollar Produktionskosten” plus „100 Millionen fürs Marketing”.

Wie gut, dass es den Menschen gibt

Zwischen all diesen Figuren steht unser Fish-out-of-Water, John Carter, der auf dem roten Planeten schneller den Durchblick hat, als die Autoren und der Regisseur und der also immer irgendwo kämpft oder die anderen mit seinen hohen Sprüngen (aufgrund der niedrigeren Schwerkraft) beeindruckt und auf jeden Fall am Ende eine gescheite Armee ehemals Verfeindeter hinter sich versammelt, um dem weißen Marsianer in den Arsch zu treten. Alle sind über ihren Schatten gesprungen, die vierarmigen Aliens sind sogar geflogen, obwohl sie doch gleich am Anfanbg klar machen, dass sie „niemals fliegen” würden.

Mensch da kann der Marsianer aber froh sein, dass er den Mensch hat (von wegen „Ich habe Homo Sapiens” – „Mach Dir nix draus, das geht vorbei”). Ach so, und einen mystischen „Neunten Strahl”, der einem die große Über-Allmacht verleiht, gibt es auch noch … Möge der Bluray mit Dir sein.

Die Mutter aller Star-Wars- und Avatar-Abenteuer

Edgar Rice Burroughs hat seine Pulp-Vorlagen Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben und das, was davon nun verfilmt wurde, kommt einem elend bekannt vor – da kämpft der gute John Carter in der Arena angekettet gegen zwei riesige Monster … schon gesehen in Star Wars - Episode II. Eine menschenähnliche Alienrasse und eine Art Menschenavater (der John Carter tatsächlich auf dem Mars ist) kennen wir aus „Avatar” (2009), die Fantasywelt mussten auch Conan und Co. schon durchschreiten, wilde Wesen gibt es auch im Herrn der Ringe und je länger der Film dauert, desto nerviger wird das déja vu, was gemein ist: Denn sowohl George Lucas mit Star Wars als auch James Cameron mit „Avatar” haben sich explizit auf die Ideen von Edgar Rice Burroughs' Marsbesucher John Carter berufen. Die Jedi-Ritter heißen wahrscheinlich Jedi, weil bei John Carter die Könige als Jed oder Jeddak bezeichnet werden. Tatsächlich sind die John Carter Pulps das Role Model für all diese Figuren und Filme. Aber John Carter blieb Text und wurde Comic, die anderen wurden Kinoereignisse. By the way: Das Art Work für die Kinoplakate erinnerte frappierend an den Fantasy-Comic Trigan.

John-Carter-Verfilmungen scheiterten immer wieder – die erste schon 1931. Damals sollte ein Zeichentrickfilm entstehen. Anfang der 1980er wollten die Disney Studios schnell noch ins Fahrwasser der Star-Wars- und Conan-Erfolge springen, scheiterten aber, weil Regisseur John McTiernan sagte, die notwendige Bildtechnik sei noch zu primitiv. Tom Cruise hätte John Carter sein sollen. McTiernan wandte sich statt dessen Stirb Langsam zu.

Ein Computergame, dem der Joystick fehlt

Disney hätte weniger Geld da rein stecken sollen, dann wäre aus dem vorliegenden Filmstoff eine gute TV-Serie geworden, die vielleicht sogar eine zweite Staffel bekommen hätte. Aber dafür sind dann die CGI wieder zu aufwändig und zu teuer. Im Kino wirkt dieser Film wie aus der Zeit gefallen. Anfang der 1980er – zwischen der fünften/zweiten und der sechsten/dritten Star-Wars-Episode vielleicht – hätte der Film was reißen können (aber natürlich sind damals auch haufenweise solcher SciFi-Märchen mit der damals möglichen Tricktechnik grässlich baden gegangen). Aber die Welt hat sich seit Star Wars 30 Jahre weiter gedreht. Das ist die Botschaft des Films. Und jetzt wirkt diese John-Carter-Bildpalette wie ein hochgezüchtetes Computergame, dem der Joystick abhanden gekommen ist: Bilder gewaltig, Handlung nicht vorhanden.

Der arme Taylor Kitsch, der hier den charmanten Raufbold gibt, geht als Pechvogel 2012 ins Rennen. Da spielt er in zwei Giga-Spektakeln hintereinander die Hauptrolle und beide Filme gehen komplett baden. Das liegt nicht unbedingt an ihm – auch wenn Kitsch die Ausstrahlung seines Namens verkörpert. Das Spielzeugabenteuer „Battleship” ist zu albern geraten und der vorliegende Fall … naja, wie gesagt.

Was Andrew Stanton (Wall•E – 2008; „Findet Nemo” – 2003; „Das große Krabbeln” – 1998) da geritten hat, ist unklar. Sein Pixar-Kollege Brad Bird (Ratatouille – 2007) hat sich etwa zur selben Zeit mit Mission Impossible: Phantom Protokoll wenigstens auf weit entferntes Terrain gewagt.

Wertung: 3 von 7 €uro