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Kinoplakat: Die Entführung der U-Bahn Pelham 123
Zu verbissen, um seinem Vorgänger
das Wasser reichen zu jönnen
Titel Die Entführung der U-Bahn Pelham 123
(The Taking of Pelham 1 2 3)
Drehbuch Brian Helgeland
nach dem Roman von John Godey
Regie Tony Scott, USA 2009
Darsteller Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, Victor Gojcaj, John Turturro, James Gandolfini, Michael Rispoli, Ramon Rodriguez, Saidah Arrika Ekulona, John Benjamin Hickey, Alex Kaluzhsky, Gbenga Akinnagbe, Katherine Sigismund, Jake Richard Siciliano u.a.
Genre Drama, Action
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
24. September 2009
Inhalt

„Zehn Millionen Dollar binnen einer Stunde. Oder ich fange ab Minute 61 an, Passagiere zu erschießen. Jede Minute einen!”

Es gibt Tage im Leben Walter Garbers, die besser verlaufen sind. Wenn auch nicht in letzter Zeit. Jetzt sitzt der Fahrdienstleiter der New Yorker U-Bahn am Mikrofon und verhandelt mit einem Geiselnehmer. Mit einem Typen, der eine U-Bahn entführt hat! Kann man das ernst nehmen?

Garber sowie das FBI, aber auch der Bürgermeister, der längst die Lust an seinem Job verloren hat, werden das wohl müssen, denn „Ryder” – so möchte der Chef der Geiselbande angeredet werden – erschießt gleich mal den Zugührer. Fieberhaft also leitet die New Yorker Administration den Dollartransfer ein.

Zehn Millionen entsprechen genau der Summe, die ohne großen Papierkram transferiert werden darf. Geiselnehmer „Ryder” scheint sich auszukennen. Auch seine Art, sich auszudrücken, spricht nicht für einen durchgeknallten Spinner oder für einen selbstmordgefährdeten Terroristen. Walter Garber, gegen den ein Verfahren wegen Bestechung im Amt läuft, merkt rasch, dass „Ryder” kein einfacher Geiselnehmer ist. Er will mehr.

Dass Garber dafür vor versammelter Mannschaft zugeben muss, tatsächlich Geld unterm Ladentisch angenommen zu haben, ist dabei nur eine Petitesse …

Was zu sagen wäre

An sich ein spannender Film. Tony Scott (s.u.) auf dem Regiestuhl, da darf ich professionelle Großstadt-Actionbilder erwarten. Die bekomme ich. Dennoch nerven seine Mätzchen. Shutter-Effekte für den verzerrenden Helikopterflug über New York, Jump-Zooms von Close-Up auf Super-Close-Up täuschen eine Hektik vor, die die Story komischerweise gar nicht hergibt.

Handlungselemente sind wirr

Schaut man sich das Original von 1974 an, stellt man fest, dass das – naturgemäß – viel langsamer geschnitten ist, aber mit einem Walter Matthau in der Denzel-Washington-Rolle und ausgeklügelter Dramaturie im Drehbuch den viel größeren Thrill verursacht. Vergleichen ist doof, aber wenn man perfekte Filme – die, okay, heute etwas aus der Zeit gefallen sind – neu dreht, liegt der Vergleich auf der Hand. Die Frage, wie die Gangster eigentlich aus dem Tunnelsystem unerkannt entkommen wollen, wo doch alles mit Kameras und Sensoren überwacht wird, spielt in der Neufassung weniger eine Rolle, als Börsenkurse, die dauernd über Bildschirme flimmern und die nur darauf hinarbeiten sollen, dass „Ryder“ (John Travolta als Schurke gewohnt smart) was noch viel Größeres im Sinn hat. Soweit okay.

Kinoplakat: Die Entführung der U-Bahn Pelham 123Aber das Größere scheint „Ryder“ ebenso wenig tatsächlich zu interessieren, wie den Regisseur ein Spannungsaufbau. Scott gelingen unglaubich intensive Szenen. Wenn zum Beispiel Garber seine Bestechlichkeit einräumen muss, ist die Kamera ganz ruhig und nah bei ihm, auch der Cutter schaltet auf Pause. Aber, ob die zehn Millionen nun pünktlich kommen oder nicht, erwirkt keine Spannung. Die penetrant eingeblendeten Börsenkurse sorgen lediglich für ein „Ja-habe-ich-verstanden-,-da-ist-noch-was-anderes-als-die-simple-Entführung“-Gefühl. Und dann wird nicht nur die Auflösung der Börsengeschichte unglaublich plump vorbereitet – die Überraschung ist da schon längst keine mehr.

Eine nervtötende Gattin und Moral im Vertrag

Dann bekommt Garber auch noch eine Ehefrau, die mitten in der größten Verzweifelung darauf dringt, dass Garber vier Liter Milch mitbringt, wenn er heimkommt. Okay, schon klar: „Gebt dem Helden ein Familienleben, das macht ihn menschlicher“. Und sicher will die Gattin die vier Liter Milch auch als Metapher auf „komm bitte gesund heim“ verstanden wissen. Das macht die Szene aber nicht weniger überflüssig.

Kurz vor Ende ist „Ryder“ um etwa 300 Millionen Dollar reicher. Aber er schleppt einen Rollkoffer mit 2,5 Millionen Dollar hinter sich her – sein Anteil aus dem U-Bahn-Ding – der ihn im entscheidenden Moment an der Flucht hindert. Was soll das? Ein „Ich bin John Travolta und verlange ein moralisches Ende für meine Figur“-Deal?

Gute Action – Das war's

Der Film macht Spaß beim Gucken: Es passiert was. Es gibt gute Action. James Gandolfini als Bürgermeister ist klasse – und die einzige Figur, die seinem 1974er-Vorgänger das Wasser reicht. Denzel Washington („The Great Debaters“ – 2007; „American Gangster“ – 2007; Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit – 2006; Der Manchurian Kandidat – 2004; Training Day – 2001) und John Travolta („Hairspray” – 2007; Lovesong für Bobby Long – 2004; Tödliches Vertrauen – 2001; Passwort: Swordfish – 2001; Wehrlos – Die Tochter des Generals – 1999; Im Körper des Feindes – 1997; Operation: Broken Arrow – 1996; Pulp Fiction – 1994) leisten gute Arbeit, die unter der deutschen Synchro erkennbar leidet.

Aber wenn der Vorhang wieder zu ist – pffft – bleibt kaum etwas übrig. Und der Rest fällt in sich zusammen.

Wertung: 4 von 7 €uro
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