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Kinoplakat: Collateral
Storylöcher im nächtlichen Los Angeles
und ein lyrisches Ende
Titel Collateral
(Collateral)
Drehbuch Stuart Beattie
Regie Michael Mann, USA 2004
Darsteller Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg, Bruce McGill, Irma P. Hall, Barry Shabaka Henley, Richard T. Jones, Klea Scott, Bodhi Elfman, Debi Mazar, Javier Bardem, Emilio Rivera, Jamie McBride u.a.
Genre Drama, Crime
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
23. September 2004
Inhalt

Max träumt von einem eigenen Limosinen-Service für die High Society. Davon träumt er seit 12 Jahren. In der Zwischenzeit fährt er Taxi, kennt in Los Angeles jede Straße und weiß genau, wann wo in welchem Stadtteil garantiert Stau herrscht. Das alles wird ihm heute Nacht wenig nutzen. In seinen Wagen steigt Vincent. Ein charmanter Mann Mitte 30, der – nachdem er schnell Max′ Taxi-Qualitäten erkannt hat – Max bittet, ihn zu verschiedenen Punkten in der Stadt zu bringen, wo er, Vincent, jeweils „Geschäfte” abwickeln wolle.

Als das erste dieser „Geschäfte” tot auf sein Autodach kracht, merkt Max, wen er da im Fonds sitzen hat: Vincent ist ein Auftragskiller. Fünf Leute soll er umbringen, der sechste – Max – wird wohl folgen, fürchtet der Taxifahrer. Die Polizei kommt erst nach Mord #3 darauf, dass „das Taxi” etwas damit zu tun haben könnte, glaubt allerdings, dass der Fahrer auch der Killer ist – „Erinnert euch an den Fall damals in Kanada, wo ein Taxifahrer Amok lief”. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Verzweifelt versucht Max der Polizei einen entscheidenden Tipp zu geben.

Aber zunächst muss er einen Weg finden, den Killer zu stoppen …

Was zu sagen wäre

Wenn Regisseure der Stadt, in der sie leben, Raum in ihrem Film geben, dann wird es meist ein guter Film. Woody Allen in New York, Helmut Dietl in München, Michael Mann in Los Angeles. Mann („Ali” – 2001; „Insider” – 1999; Heat – 1995; „Der letzte Mohikaner” – 1992; „Blutmond” – 1986) setzt auf die digitale Kamera, die ohne Filmmaterial auskommt – daher beweglicher und schneller ist. Außerdem liefert sie ein anderes Licht. Die Nacht in „Collateral” ist nicht blau, sondern schwarz und – durch die Straßenlaternen – orangerosa. Konturen sind schärfer. Aber Reißschwenks oder wildes Gewackel mit der Kamera wird mit Rucklern und (so was ähnlichem wie) Bildsprüngen bestraft.

Die Ausgangslage ist faszinierend: Zwei Männer in einem Taxi. Vorne der Fahrer, hinten ein Killer, der den Fahrer zwingt, ihn von einem Kill zum nächsten zu chauffieren. Dabei über zwei Stunden die Spannung zu halten ist schwer – entsprechend freizügig gehen die Autoren an die Realität im Film heran:

  1. Trotz Beschattungsteam lassen es diverse Cops zu, dass Vincent in einer Discothek ein minutenlanges Blutbad anrichtet.
  2. Max hat – über den Film verteilt – mehrfach die Gelegenheit, dem Killer zu entkommen. Warum er das nicht tut, bleibt ein Rätsel.
  3. Einer der Cops, die durch Zufall auf den Killer aufmerksam werden, sieht mit einem Seitenblick auf eine Überwachungskamera, dass bei einem Taxi im Halbschatten – im Hintergrund grobkörnig zu sehen – das Dach lädiert ist. Und schon arbeitet alles Hand in Hand und zwei Minuten später ist der Falsche als Killer verdächtig.

Derlei Löcher in der Story gibt es einige und wirken an sich tödlich. Nicht in diesem Fall. Tom Cruise (Last Samurai – 2003; Minority Report – 2002; Vanilla Sky – 2001; Mission: Impossible II – 2000; Eyes Wide Shut – 1999; Mission: Impossible – 1996; Eine Frage der Ehre – 1992; Tage des Donners – 1990; Geboren am 4. Juli – 1989; Die Farbe des Geldes – 1986; Top Gun – 1986) spielt den Bad Guy mit kühl-charmanter Arroganz. Aber wenn er seine Auftragsmorde glaubhaft durchziehen möchte, dann kopiert er die roboterhafte Entschlossenheit, mit der Arnold Schwarzenegger im ersten Terminator-Film starr-äugig auf die Opfer zustapfte und dann schoss. Jamie Foxx („Breakin' All the Rules” – 2004; „Shade” – 2003; „Ali” – 2001; Bait – Fette Beute – 2000; An jedem verdammten Sonntag – 1999) als Taxifahrer Max hält sich locker neben dem Superstar. Seine beste Szene hat er, als seine dauernde Unentschlossenheit von ihm abbricht und er beginnt, sein eigenes Spiel zu spielen.

Den besten Part hat Los Angeles. Die Stadt, der Moloch, das Straßengewirr liefern die perfekte Kulisse für den Killthrill: Kühl, charmant, zerrissen, abweisend. Deswegen ist das Ende des Films auch wahre Lyrik. Die wird demjenigen zuteil, der der Stadt, in der er lebt, Raum in seinem Film gibt.

Wertung: 5 von 6 €uro
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