Seit Jahren träumt Deadpool davon, ein Avenger zu werden – und nun bietet ihm der zwielichtige TVA-Agent Mr. Paradox an, in die heilige Zeitlinie zu wechseln, um dort Teil des MCU zu sein.
Doch dafür muss der vorlaute Söldner ein großes Opfer bringen: Seine Welt wird ausgelöscht. Weil Deadpool dies nicht zulassen will, schickt Mr. Paradox ihn und eine von Deadpool rekrutierte, abgehalfterte Variante von Wolverine in die Leere – die große Müllhalde aller Universen. Dort hat die finstere Cassandra Nova ein Schreckens-Regime errichtet.
Deadpool ist klar: Will er seine Welt, all seine Freunde und seine große Liebe Vanessa retten, muss er an ihr vorbei und auch Mr. Paradox aufhalten. Doch dazu muss er erst einmal den verbitterten Wolverine überzeugen, ihm zu helfen …
Das Multiversum erwacht zum Leben. Das Marvel Cinematic Universe (MCU) spielt schon seit einiger Zeit mal in diesem, mal in jenem Universum. Sie nennen das "Multiversum". Seit die Disney Studios halb Hollywood aufgekauft haben, darunter die Marvel- und die 20th Century Fox-Studios, zeigen sie, was sie unter dem Begriff eines Multiversums verstehen: sie haben Zugriff auf alle Bildrechte an allen Marvel-Filmen, die in den zurückliegenden 30 Jahren entstanden sind und mischen die nun fröhlich durcheinander.
Im letzten Spider-Man-Film (2021) tauchten plötzlich die Peter-Parker-Darsteller aus den SONY-Filmen – Tobey Maguire und Andrew Garfield – auf und mischten mit; ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns im vorliegenden Film erwartet. Immerhin gehören die SONY-Studios nicht mal zu Disney. In "Deadpool & Wolverine" rührt das Disney-Multiversum seine Bildrechte in das Marvel-Multiversum rein. Es gibt ein Wiedersehen mit Heldenfiguren, die früher in den Marvel-Filmen der Prä-Disney-Ära eine Rolle spielten – wir treffen auf die Schauspielerin Jennifer Garner als "Elektra", auf den Schauspieler Wesley Snipes als "Blade", die alle in einem Universum vegetieren, das in der großen MCU-Erzählung mit dem vorliegenden Film als "Die Leere" etabliert wird – im Alltag sprechen sie da von der Müllhalde für all die Comicfiguren, für die sie im Kino keine Verwendung mehr haben. Chris Evans spielt auch mit – nicht als Captain America, sondern als Johnny Storm, das feurige Mitglied der Fantastic Four, das Evans in den Verfilmungen von 2005 und 2007 gespielt hat.
Die Deadpool-Figur ist im Kino seit ihrem ersten Auftreten für die Meta-Ebene des Kinos zuständig. Bei ihm ist alles gleichzeitig, Film und Realität, verfilmte Realität und reale Filmwelt, Gestern und Morgen, Heute und … Mist … na ja, das andere Heute eben; in einer Paralleldimension halt. Deadpool, ein Charakter aus der X-Men-Welt aus den 20th Century Fox-Studios (wie gesagt: jetzt Teil von Disney) möchte Mitglied der Avengers werden, die, seit sie 2019 mit Endgame abgetreten sind, in Disneys Marvel Cinematic Universe ein großes tiefes leeres Loch hinterlassen haben, sowohl in den Drehbüchern als auch in den Kinokassen. Alles, was Marvel nach "Endgame" ins Rennen geschickt hat, floppte – auf wirtschaftlich zum Teil ordentlichem Niveau, aber immer unter Zorngeheul der Mavel-Fancommunity und begleitet vom Schicksal vieler langlebiger Kinoserien, plötzlich funktionierten Charaktere und Schauspieler nicht mehr. Schauspieler, die eine gewichtige Rolle im MCU spielen sollten, wurden mit Aussagen zitiert, mit denen die betont diversen Disney-Studios nicht in Verbindung gebracht werden wollten, neue Helden ertranken in einer Überhand nehmenden SFX-Flut.





Wir dürfen davon ausgehen, dass, nachdem der Universum-Zerstörer Thanos 2019 ordentlich besiegt worden ist, im nächsten Avengers-Film mindestens ein noch mächtigerer Feind auftaucht. Der Arbeitstitel des Films lautet "Doomsday", also wird Dr. Doom auftreten, der als potenzieller Weltenzerstörer aber nicht unbedingt Thanos' Kragenweite hat, da wird also noch wer anderes kommen, gegen den die ganze Menschheit zusammen aufstehen muss. Und auch die beiden unzerstörbaren Deadpool und Wolverine, die im Marvel-Kino bisher ein Dasein als Stiefkinder fristen – der eine offiziell verstorben, der andere eine Randfigur, die im Kino zu populär geworden ist, um sie auf die Müllhalde in "die Leere" zu werfen – werden 2026 dann wohl mitmischen.
Im vorliegenden Film lernen die beiden sich kennen und prügeln sich dann stundenlang, stechen, metzeln und schießen sich tot, was sie aber nicht stört, weil sie ja beide unzerstörbar sind. Wenn sie sich mal nicht prügeln, streiten sie sich und machen Witze über die Erzähltechnik ihres eigenen Films (den wir gerade im Kino sehen), freuen sich über Auftritte in Mega-Zeitlupe mit Fanfarengetöse von der Tonspur, Deadpool prophezeit Wolverine und seinem Darsteller Hugh Jackman, jetzt müsse er diese Rolle spielen, „bis Du 80 bist“ und der ist angemessen den ganzen Film über stinksauer – entweder ist Hugh Jackman wirklich stinksauer, weil er in eine vertragliche Falle getappt ist, oder ihm hat dieser Film wirklich Spaß gemacht (Der Spitzenkandidat – 2018; "Greatest Showman" – 2017; Logan: The Wolverine – 2017; X-Men: Apocalypse – 2016; "Eddie the Eagle: Alles ist möglich" – 2015; Pan – 2015; Chappie – 2015; X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – 2014; Wolverine: Weg des Kriegers – 2013; Real Steel – Stahlharte Gegner – 2011; X-Men: Erste Entscheidung – 2011; X-Men Origins: Wolverine – 2009; Prestige – Die Meister der Magie – 2006; Scoop – Der Knüller – 2006; X-Men: Der letzte Widerstand – 2006; Van Helsing – 2004; X-Men 2 – 2003; Kate & Leopold – 2001; Passwort: Swordfish – 2001; Männerzirkus – 2001; X-Men – 2000). Das ist unterhaltsam, wenn ich da sitze und einen selbstreferentiellen Joke nach dem anderen erlebe, wo auch das Logo der 20th Century Fox (seit 2019 im Besitz von Disney) als Ruine auf der Müllhalde in der "Leere" entsorgt liegt. Ich amüsiere mich im Moment und konstatiere erst später, dass all diese Witze davon ablenken, dass da eigentlich gar kein Film ist.
Die Story ist in "Deadpool & Wolverine" noch egaler, als die in den jüngsten anderen Marvel-Filmen. Im Prinzip ist der Film ein einziges großes Easter Egg für Nerds, die mehr Anspielungen auf Marvel und Kino entdecken können, als die Milchstraße Sterne hat. Für alle anderen ist der Film ein lustiger Tiger, der hoch abspringt und schließlich als matter Bettvorleger aufplatscht. Auf der 130-minütigen Strecke gehen dem ununterbrochenen Augenfutter irgendwann Story und Stringenz verloren. Im Kinosessel guckt man, sieht nichts mehr, wartet aber noch auf den Abspann, um zu erfahren, wie die beiden es trotz des als unausweichlich angedrohten Heldentodes – den sie sterben müssen, um die Welt, das Universum und das Multiversum zu retten – lebend über die Ziellinie und in den künftigen Avengers-Film schaffen, der dann Disneys Marvel-Universum in unserem Universum retten soll.
Disney hat für diesen Film rund eine halbe Milliarde Dollar (inkl. Marketing) ausgegeben, 534 Millionen Dollar. Das hat sich gelohnt. An den Kinokassen weltweit hat der Film knapp 1,4 Milliarden Dollar eingespielt.
Deadpool im Kino
- Deadpool (2016)
- Deadpool 2 (2018)
- Deadpool & Wolverine (2024)
Übersicht: Helden im Comic, Helden auf der Leinwand
Mit der Übernahme von 21st Century Fox durch Walt Disney im März 2019 gingen auch die Rechte an "Deadpool", den "X-Men"-Charakteren und "Fantastic Four" zurück an Marvel. Während alle laufenden Fox-Produktionen zu "X-Men" und "Fantastic Four" gestoppt wurden, soll das überraschend erfolgreiche "Deadpool"-Franchise mit Ryan Reynolds in der Hauptrolle weitergeführt werden.
