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Plakatmotiv: Der Flug des Phönix (2004)

Ein schwacher Film aber gut
für einen Kumpels-Abend

Titel Der Flug des Phoenix
(Flight of the Phoenix)
Drehbuch Scott Frank & Edward Burns
nach dem Roman von Elleston Trevor und dem 1965-Drehbuch von Lukas Heller
Regie John Moore, USA 2004
Darsteller

Dennis Quaid, Tyrese Gibson, Giovanni Ribisi, Miranda Otto, Tony Curran, Sticky Fingaz, Jacob Vargas, Hugh Laurie, Scott Michael Campbell, Kevork Malikyan, Jared Padalecki, Paul Ditchfield, Martin Hindy, Bob Brown, Anthony Brandon Wong u.a.

Genre Abenteuer, Action
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
7. Juli 2005
Inhalt

Die Angestellten eines Ölunternehmens kehren nach der Schließung ihres Einsatzortes mit einem Flugzeug heim. Die Maschine gerät in einen Sandsturm und stürzt ab. Drei Passagiere sterben dabei. Ein weiterer verirrt sich des nachts, als er das Lager der Überlebenden, das aus den Trümmern der Maschine besteht, verlässt, und kommt im erneut aufkommenden Sandsturm um.

Die Überlebenden wollen ihr Glück zunächst zu Fuß versuchen. Aber der Versuch scheitert bereits an den knappen Wasservorräten und der unbeständigen Witterung. Frank Towns, der Pilot des Flugzeugs, durch Persönlichkeit und Stellung als Kapitän der Anführer der Überlebenden, setzt zunächst einzig auf die vage Hoffnung, in der durch den Vorrat an Wasser und Lebensmitteln begrenzten verbleibenden Zeit durch eine Suchmannschaft der Ölgesellschaft gerettet zu werden. Doch Elliott, seines Zeichens Flugzeugingenieur, verfolgt eine andere Idee: Aus dem Wrack des Flugzeugs ließe sich mit vereinten Kräften ein neues zusammen basteln, mit dem man es zumindest bis zur nächsten Stadt schaffen könnte.

Die Situation wird brenzlig, als die Überlebenden von einheimischen Banditen angegriffen werden. Die zusammengewürfelte Truppe muss ihre Spannungen überwinden, bevor der Plan eines Neubaus in die Tat umgesetzt werden kann. Und dann hat die Wüste noch andere Gefahren zu bieten als nur Sandstürme und die sengende Hitze …

Was zu sagen wäre

Der Film ist das Remake des gleichnamigen Abenteuerfilms von Robert Aldrich aus dem Jahr 1965 – ein Klassiker seines Genres, damals spielte James Stewart den Flugkapitän Frank Towns. Dass John Moore die Story nach 40 Jahren neu erzählen, mit der aktuellen Filmtechnik peppen will, ist zunächst eine nachvollziehbare Idee. Die Ausgangssituation ist spannend, die zusammengewürfelten Typen müssen sich zusammenreißen, zum Team zusammenfinden und gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Das ist eines der klassische Topoi in Hollywood. So war auch Robert Aldrichs Film angelegt; weil aber die Sehgewohnheiten nach 40 Jahren ganz andere sind, passt man den Film also dem 21. Jahrhundert an.

Nun ist Dennis Quaid nicht James Stewart, John Moore (Im Fadenkreuz – Allein gegen alle – 2001) nicht Robert Aldrich. Die 2005er-Version schrumpelt zu jenem austauschbaren Inszenierungsbrei, in dem man immer schon weiß, wann etwas schief geht. Es scheint in den großen Studios so einen Schablonenschrank zu geben. Da liegen Schablonen für Romanzen, Actionfilme, Dramen und Abenteuerfilme drin. Diese Schablonen sorgen für das dem jeweiligen Genre zugedachten Timing. Die Autoren passen ihre Storyelemente in diese Schablonen ein und schon hat man ein Drehbuch. Das ist ein bisschen enervierend, wenn man im Kinosessel den Rhythmus raushat und dann mitschnippen kann; da ist die Spannung dann weg. Beispiel: Zum großen Finale hat Pilot Towns fünf Versuche, die zusammengebastelte Kiste zu starten. gehen die für Versuche schief, war's das, dann sterben alle an Ort und stelle irgendwo in der Wüste Gobi. Der Film verschwendet nun allerlei Suspense auf diese fünf Startversuche, und natürlich zündet erst der letzte. Das darf man verraten, denn der Film heißt "Der Flug des Phoenix" und nicht "Nach fünf Fehlzündungen in der Wüste verdurstet". Diese Startszene ist überhaupt nicht spannend, obwohl John Moore sie inszeniert als sollte sie das sein. 

Dennis Quaid als Pilot Towns wandelt sich vom Zyniker, der keine Träume, hat zum Mensch mit Lebenswillen und ist am Ende, was man am Anfang schon ahnte: zusammen mit der einzigen Frau an Bord; mit der hatte er sich zum Auftakt gleich mal ordentlich gefetzt. Quaid, den wir auf der Leinwand meist als unbekümmerten Sunnyboy erleben (The Day After Tomorrow – 2004; Traffic – Die Macht des Kartells – 2000; An jedem verdammten Sonntag – 1999; Leben und lieben in L.A. – 1998; Dragonheart – 1996; D.O.A. – Bei Ankunft Mord – 1988; Suspect – Unter Verdacht – 1987; "The Big Easy" – 1986; Enemy Mine – Geliebter Feind – 1985; "Der weiße Hai 3" – 1983), tut sich mit dem harten Zyniker erkennbar schwer, findet aber in die Rolle, als die im Team schließlich weichere Züge bekommt. Giovanni Ribisi spielt den Flugzeugingenieur Elliott. Den spielte vor 40 Jahren Hardy Krüger als stechenden Deutschen mit kühlem Habitus. Heute ist der Blonde ein Amerikaner und ein Sonderling, einer, von dem nicht klar wird, wie der in diese Truppe kommt. Er sei als Weltreisender auf ihre Öl-Station gekommen, sagt Kelly, die Frau an Bord, die Miranda Otto mit hitzigem Auftreten spielt (Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs – 2003; Der Herr der Ringe: Die zwei Türme – 2002; Schatten der Wahrheit – 2000). Sonst wisse man nichts über ihn. Man erfährt aber auch nichts mehr über ihn. Die einzige Überraschung, die diese Figur bietet, ist die, die sie vor 40 Jahren auch schon bot. Der Mann ohne Herkunft bleibt als Story-Element ein uneingelöstes Versprechen auf ein neues Story-Element – da hat vielleicht die Schablone nicht gepasst. Die weiteren Figuren sind uninteressant, die traditionelle Zusammensetzung, die in solchen Filmen seit zehn, fünfzehn Jahren auftaucht. Von vielen kann man nicht mal die Namen behalten. Die meisten unterscheiden sich durch Äußerlichkeiten: Augenklappe, Mütze, Kopftuch, Kopfverband, Orientale, Farbiger, Frau. Dass die, über die man weniger erfährt, diejenigen sind, die das Drehbuch gelegentlich den Hitzetod schickt, war schon 1965. Aber dass die, über die man mer erfährt, so austauschbar sind, zum Beispiel nicht. Diesen Vergleich kann ich dem Film gar nicht vorwerfen – 2004 ist nicht 1965. Aber der Vergleich macht deutlich, wie vorhersehbar Kino heute im Gegensatz zu früher ist; wenn man das Kino von früher tatsächlich noch von früher kennt.

Andererseits: Für einen Kumpels-Abend bei Bier und Chips bietet der Film ganz ordentliche Unterhaltung. Die moderne Filmtechnik nämlich gibt den Absturz- und Actionszenen ordentlich Drive.

Wertung: 3 von 6 €uro
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