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Plakatmotiv: Der 1. Ritter (1995)

Ein alter Mann erkennt, dass er
junge Mädchen nicht elektrisiert

Titel Der 1. Ritter
(First Knight)
Drehbuch Lorne Cameron & David Hoselton & William Nicholson
Regie Jerry Zucker, USA, UK 1995
Darsteller

Sean Connery, Richard Gere, Julia Ormond, Ben Cross, Liam Cunningham, Christopher Villiers, Valentine Pelka, Colin McCormack, Ralph Ineson, John Gielgud, Stuart Bunce, Jane Robbins, Jean Marie Coffey, Paul Kynman, Tom Lucy u.a.

Genre Action, Abenteuer
Filmlänge 134 Minuten
Deutschlandstart
7. September 1995
Inhalt

Die Ländereien der Lady Guinevere werden regelmäßig vom bösen Räuber Malagant überfallen. Um einen Verbündeten zu gewinnen und Schutz zu erhalten, begibt sie sich an den Hof von Camelot und nimmt den Heiratsantrag von König ­Artus an.

Auf dem Weg zu den Hochzeitsfeierlichkeiten wird sie von Malagants Handlangern überfallen, doch Ritter Lancelot kann die Angreifer in die Flucht schlagen und die Schöne retten. Er verliebt sich in Guinevere. König ­Artus ahnt nichts von diesen Gefühlen, als er Lancelot zum Dank für die Rettung seiner zukünftigen Königin zum Ritter der legendären Tafelrunde schlägt.

Zwischen Artus und Lancelot entwickelt sich eine enge Freundschaft und schon bald ist er zwischen Königstreue und seiner Leidenschaft zu Guinevere hin- und hergerissen …

Was zu sagen wäre

Dies ist die Geschichte eines alten Mannes, der unter Schmerzen lernen muss, dass Frauen, die 35 Jahre jünger sind, als er, ihn zwar lieben können, aber eher so tochtermäßig, ehrergeben; und der auf die harte Tour lernt, dass Männer, die 19 Jahre jünger sind als sie selbst, auf jene Frauen einen eigentümlich größeren Reiz ausüben. Kurz: Dies ist ein Film über alte Männer, die sich für den Mittelpunkt des Universums halten, die nicht loslassen können.

Okay, diese Altersangaben habe ich aus den Biografien der Schauspieler (Connery, Jahrgang 1930, Ormond, Jahrgang 1965, Gere, Jahrgang 1949). Die müssen mit denen ihrer gespielten Rollen ja nicht übereinstimmen. Die Erkenntnis ändert das nicht. Es war in den Feudalsystemen Usus, dass Könige sich die blutjungen Töchter anderer Könige ins Schlafgemach heirateten (manchmal auch Königinnen die blutjungen Söhne anderer König/innen), um Bündnisse zu schmieden. Solche Liaisons hatten nichts mit romantischer Liebe zu tun, sondern waren lediglich zweckgebundene Politik. Insofern ist die Ausgangssituation dieses Films von Jerry Zucker ("Ghost – Nachricht von Sam" – 1990; "Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone" – 1986; "Top Secret" – 1984; "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" – 1980) historisch nachvollziehbar: Alter König heiratet junge Maid, um ein Bündnis gegen einen finsteren Feind zu schmieden.

Schwierig wird es, wenn dieser alte Mann ganz unhistorisch dann Gefühliges ins Ohr der jungen Maid säuselt, von Leidenschaft und Liebe spricht, und dabei von Sean Connery verkörpert wird. Connery war James Bond. Connery war der virile Typ "Kämpfer" in den 70er Jahren und in den 80ern der ältere Mann, für den nicht immer die geeignete Rolle gefunden wurde ("Im Sumpf des Verbrechens" – 1995; Die Wiege der Sonne – 1993; Das Russland-Haus – 1990; Jagd auf Roter Oktober – 1990; Family Business – 1989; Indiana Jones und der letzte Kreuzzug – 1989; Presidio – 1988; Die Unbestechlichen – 1987; Highlander – Es kann nur einen geben – 1986; Camelot – Der Fluch des Goldenen Schwertes – 1984; James Bond 007 – Sag niemals nie – 1983; Flammen am Horizont – 1982; Outland – Planet der Verdammten – 1981; Die Brücke von Arnheim – 1977; Robin und Marian – 1976; Der Mann, der König sein wollte – 1975; "Der Wind und der Löwe" – 1975; Die Uhr läuft ab – 1975; Mord im Orient-Express – 1974; James Bond 007 – Diamantenfieber – 1971; Marnie – 1964; Die Strohpuppe – 1964; James Bond 007 jagt Dr. No – 1962). 1995 bleibt ihm glaubhaft die Rolle des verbalen Streiters für allgemeingültige Menschenrechte, die der plakative Schurke des Stücks gerne schleifen würde.

Als erhabener König Arthur gibt Connery die perfekte Schablone. Aber sein Liebesgesäusel gegenüber diesem jungen Mädchen wirkt weder glaubhaft, noch ist da eine echte Emotion zu spüren. Denn die jugendliche Spannkraft, die sich dieser Mann mit der jungen Frau zu erhalten glaubt, ist eine Illusion. Sean Connery lernt in diesem Film, dass seine Zeit als Womanizer vorbei ist.

Für Richard Gere, der des Königs jugendliche Nemesis Lancelot spielt, scheint es diese Zeit als Womanizer nicht zu geben. Wie ein Pfau stolziert er da im verregneten Wald vor der Angebeteten herum, als habe er als Schauspieler seit Atemlos vor 12 Jahren nichts dazu gelernt, und erzählt, wie unabhängig er doch sei, nur um im nächsten Augenblick sein Kindheitstrauma zum Besten zu geben, das ihn als Gefangenen seines Albtraums entlarvt. Und erst da, als der Held (der dann nur 16 Jahre älter ist) seine Gefühle offenbart, schmilzt die Angebetete dahin, die mit all dem vorher inszenierten Machokämpfen nichts anfangen kann. Indes: Auch mit Geres Liebesgeplänkel werde ich im Kinosessel nicht warm. Da ist viel Show, noch mehr Behauptung, aber gar kein Funke. Richard Gere sieht in erster Linie gut aus ("Begegnungen" – 1994; …und das Leben geht weiter – 1993; Sommersby – 1993; Pretty Woman – 1990; Internal Affairs – 1990; Cotton Club – 1984; Atemlos – 1983; Ein Mann für gewisse Stunden – 1980; "Auf der Suche nach Mr. Goodbar" – 1977) und hat augenscheinlich gut für die Schwertkampfszenen trainiert.

Zwischen diesen beiden Gockeln hat Julia Ormond ("Legenden der Leidenschaft" – 1994) eine gewisse Beinfreiheit, kann mal den libidinös verwirrten Backfisch geben, mal die leidenschaftlich Liebende, mal die burschikos Kokettierende, mal die reitende Kämpferin für ihr Volk. Ihr schaue ich gern zu, auch wenn ich mich mit ihrer Rolle schwer tue, die so wenig historisch ist wie das Liebesgesäusel des alternden Königs und also das Setting des ganzen Films aus der Verankerung reißt.

Darin liegt die Herausforderung dieses Films: Nichts stimmt. Die Figuren bleiben Schachfiguren auf dem Spielbrett eines Drehbuchautors. Das Drama bleibt Behauptung. Auch der Schurke, Malagant, ist das Abziehbild eines Schurken. Außer an der Macht hat er weder eigene Interessen, noch verfolgt er einen Racheplan. Er ist einfach nur ein wangenknochiger Irrer, der Macht will.

Erstaunlich: sonst beeindruckende Schauspieler, ein fantastisches Set-Design, eine wunderbare Kostümabteilung und ein Kamerateam, das bleibenden Eindruck hinterlässt – angreifende Ritter bei Nacht sieht man nicht; man hört sie und erkennt ein paar im Mondlicht glänzende Helme.

Lauter Spezialisten am Werk. Aber der Film bleibt ganz unspannend. 

Wertung: 4 von 11 D-Mark
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