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Plakatmotiv: Good Luck, Have Fun, Don't Die (2025)

Eine gallige Satire auf uns, die viel
Horror und wenig Komödie bietet

Titel Good Luck, Have Fun, Don't Die
(Good Luck, Have Fun, Don't Die)
Drehbuch Matthew Robinson
Regie Gore Verbinski, Deutschland, USA 2025
Darsteller

Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Michael Peña, Zazie Beetz, Asim Chaudhry, Tom Taylor, Georgia Goodman, Daniel Barnett, Artie Wilkinson-Hunt, Riccardo Drayton, Dominique Maher, David Sturzaker, Adam Burton, Elly Condron, Meghan Oberholzer, Berenice Barbier, Tanya van Graan u.a.

Genre Komödie, Science Fiction
Filmlänge 134 Minuten
Deutschlandstart
12. März 2026
Inhalt

Ein mysteriöser "Mann aus der Zukunft" betritt ein unscheinbares Diner in Los Angeles. Dort trifft er auf eine bunte Mischung von Gästen. Doch diese scheinbar gewöhnliche Begegnung entpuppt sich schnell als alles andere als zufällig.

Der Mann aus der Zukunft enthüllt, dass er dringend eine Gruppe von Menschen braucht, um an einer nächtlichen Mission teilzunehmen, die das Schicksal der Welt entscheiden könnte: Diese Gruppe soll ihm helfen, in ein Haus einzubrechen, in dem ein 9-jähriger Junge an seinem Computer just an diesem Abend ein Programm austüfteln wird, dass die künstliche Intelligenz auf eine neue, menschheitsvernichtende Stufe katapultiert …

Was zu sagen wäre

Eigentlich ist das ein Horrorfilm. Deren oberster Daseinszweck ist es, den Zuschauer zu erschrecken, mit eigenen Ängsten zu konfrontieren und/oder aufzuzeigen, wohin ihre Schritte die Menschheit führen können. Solche Filme gibt es hin und wieder, die als Komödie annonciert werden und sich als der pure Horror herausstellen; Idiocracy von 2006 ist so ein Film, der aufzeigt, wohin es führt, wenn sich die Blödheit immer stärker vermehrt. "Good Luck, Have Fun, Don't Die", der daherkommt, wie ein sympathisch durchgeknallter Ideenwettbewerb, zeigt, wohin es schon geführt hat, dass die menschen nur noch am Handy hängen, TikTok, Instagram, SnapChat aufsaugend – den Begriff Smombie für dieses Phänomen gibt es schon eine Weile als Kombination für SMartphone und ZomBIE, "Good Luck …" zeigt, wie das aussieht: Von den Walking Dead aus der gleichnamigen Fernsehserie sind die Smartphoneglotzer nicht zu unterscheiden.

Worum es genau geht in dieser Ideenexplosion von Gore Verbinski, ist schwer zu sagen, weil sein Film an entscheidenden Stellen nicht funktioniert, an seiner inneren Logik scheitert und damit sind nicht die ohnehin permanenten Großfallen aller Zeitreisefilme gemeint. Hier liegen die Stolperfallen im Bereich von Extern und Intern, also darin, dass Dinge, die der Mann aus der Zukunft tut, nur sinn ergeben oder nur funktionieren, wenn er selbst Teil eines Computerspiels ist, aber bekämpft er nicht diese Gefahr eigentlich?

Je länger der Film dauert, desto egaler die Antwort auf diese Frage. Gore Verbinski, der einst aus dem Auftrag, aus einer Attraktion aus den Disney-Themenparks einen Spielfilm zu konstruieren, die Pirates of the Caribbean-Serie ersann, ist keiner, der auf zwingende Logik setzt, wenn er den Spaß mit guten Ideen hochhalten kann (Plakatmotiv: Good Luck, Have Fun, Don't Die (2025) Lone Ranger – 2013; Rango – 2011; Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt – 2007; Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2 – 2006; "The Weather Man" – 2005; Fluch der Karibik – 2003; "Ring" – 2002; Mexican – 2001; Mäusejagd – 1997). Darin ist er ein Schüler Alfred Hitchcocks, der erklärte, auf die innere Logik zu pfeifen, wenn nur der Suspense in seinen Film hoch blieb.

Auftritt: Ein Mann, der aussieht, wie ein jahrelang eingelebter Obdachloser in einem Schnellimbiss, der aussieht, als führe er so Sachen wie Salat oder Gemüse nicht auf der Speisekarte. Der mann kommt ohne Umschweife zur Sache, redet laut, niemand kann ihn überhören, vom Untergang der Zivilisation. Die Gäste im Restaurant schauen kurz auf und widmen sich dann wieder dem Inhalt ihrer Handys. Schon da stellt sich die Frage, welche Zukunft er retten will, wenn die Gegenwart schon nicht mehr zu retten ist. Und was für eine Zukunft das ist, in der ein Plastikponcho und lose Elektrokabel als Kopfschmuck als Mode gelten. es stellt sich heraus, dass die Menschheit der Gegenwart noch ein paar letzte Stunden hat, bevor ein Junge ein paar Blocks weiter eine Künstliche Intelligenz an den Start bringt, für die der Begriff Superintelligenz besser geeignet ist. Aus der Rückschau des Mannes aus der Zukunft kommt dieser Zeitpunkt zu früh, weil noch keine gesetzlichen Regulierung für den Einsatz weitreichender KI formuliert, noch keine Programme für deren Einhegung geschrieben sind. Von hier entwickelt sich ein Hindernislauf vom Diner über die vielen Blocks zum Haus des Jungen durch Straßen, Parkhäuser, Gassen, Hinterhöfe, der funktioniert, wie der Aufbau eines Computerspiels: jede Gefahr, die folgt, ist noch ein wenig schriller, als die vorhergehende. Das nicht ganz freiwillige Team, dass der Mann aus der Zukunft im Restaurant rekrutiert hat, wird schnell kleiner. Irgendwann marschiert ein gigantischer Kater-Zentauer durch die Straße der Suburbs, der Menschen frisst wie Mäuse. Diesen mann aus der Zukunft spielt Sam Rockwell (Der Fall Richard Jewell – 2019; Jojo Rabbit – 2019; Vice – Der zweite Mann – 2018; Die Frau, die vorausgeht – 2017; Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – 2017; Poltergeist – 2015; Grow Up!? – Erwachsen werd' ich später – 2015; Cowboys – Aliens – 2011; Betty Anne Waters – 2010; Iron Man 2 – 2010; Everybody's Fine – 2009; Moon – 2009; "Frost/Nixon" – 2008; "Per Anhalter durch die Galaxis" – 2005; Tricks – 2003; Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind – 2002; Heist – Der letzte Coup – 2001; 3 Engel für Charlie – 2000; Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall – 1999; The Green Mile – 1999; Celebrity – Schön, reich, berühmt – 1998) als zugewachsenen Anti-Terminator, gleichzeitig KI-Killer und Menschheitsbeschützer; einige seiner Rekruten schließen sich an, weil sich die Smombie-Apokalypse schon länger anbahnt.

Manchmal unterbricht der Film seine Dramaturgie und blickt in die einzelnen Leben der rekrutierten, unfreiwilligen Kämpfer für die Zukunft. "Good Luck …" ist ein Zeitreisefilm, der mit Lust durch verschiedene Zeitebenen springt. Das Lehrerpaar Mark und Janet sieht sich in den Schulklassen einer Horde ununterbrochen in ihre Handys glotzender Teenagern ausgesetzt, im Lehrerzimmer ist vom Krieg der Lehrer gegen die Schüler die Rede. Als Mark eines der Schüler-Handys berührt, bricht die WLAN-Versorgung aller Handys zusammen – die Schüler gehen wie ferngesteuerte Zombies auf ihre Lehrer los. In einer anderen Rückblende trifft es Susan hart. Die Mutter hat bei einer High-Shool-Schießerei gerade ihren Sohn verloren und trifft auf drei Mütter und – eigentlich – Leidensgenossinnen, deren Erschütterung darüber, dass sie schon wieder außerplanmäßig durch den Feierabendverkehr zur Schule wegen einer Schießerei kommen mussten, größer ist, als darüber, dass, sie – schon wieder – ihre Kinder verloren haben. Grund: Es gibt eine vertraulich handelnde Agentur, die die erschossenen Kinder auf Staatskosten klont und zurückbringt. Weil das sehr teuer ist und diese Schulschießereien einfach überhand genommen haben in den letzten Jahren, zahlt der Staat aber nicht alle Kosten; die Differenz wird durch Werbung ausgeglichen – die Klonkinder sagen jeden Tag ein paar Werbesprüche zu den Fertiggerichten auf, die sie aus der Tiefkühltruhe holen.

Das ist zynisch? Weil sich der Film über die Opfer von Schulmassakern lustig macht? Jedes Jahr gibt es in den USA zig solcher Schießereien mit jedes mal vielen Toten. Ist es nicht zynischer, diesem Treiben zuzuschauen und die Waffengesetze nicht zu verschärfen? In seinen scharfen Momenten ist Verbinskis Film ein ätzender Kommentar auf den Zeitgeist. Und vielleicht speist sich daraus die Erklärung auf die vielen offenen Fragen, die man dem Film leicht als schlechtes Drehbuch auslegen könnte, weil er am Ende nicht aufgeht. Aber stehen wir nicht genauso ratlos vor der TikTokisierung unseres Alltags, vor Handys schon im Kinderwagen, vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz, die sich selbst schneller und besser versteht als ihre Schöpfer das tun? Wir finden täglich doch auch keine Lösung für die großen Fragen der Menschheit: Klima? Krieg? Hunger? In ihrer Ratlosigkeit über die Dummheit des Menschen ähnelt diese Sci-Fi-Satire auch der Planet-auf-Kollisionskurs-Komödie Don't Look up, die 2021 kurzzeitig das Streamingkapazitäten der Anbieter überforderte. In der Evolution setze sich durch, was die Natur weiterbringe, was dem Menschen helfe, jammert der Mann aus der Zukunft, das übrige verschwinde wieder. Wieso aber würden dann immer noch Handys erfunden, die mehr Gefahr als Nutzen berge? Wieso Künstliche Intelligenz, die das Leben nur bequemer, gleichzeitig aber unsicherer mache?

Dieser Film ist auch lustig. Er ist aber mehr Idiocracy-Horror, der Wut, Angst und die Verwunderung darüber thematisiert, wie die Menschheit sich fröhlich anschickt, über jede Klippe zu hüpfen, an deren Rand sie gerät.

Wertung: 6 von 8 €uro
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