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Plakatmotiv: Ghost in the Shell
Plastische Bilderwelt einer Graphic-Novel
die die Grenzen des Kinos aufzeigt
Titel Ghost in the Shell
(Ghost in the Shell)
Drehbuch Jamie Moss + William Wheeler + Ehren Kruger
nach dem gleichnamigen Comic von Shirow Masamune
Regie Rupert Sanders, USA, Indien, China, Japan, Hong Kong, UK, Neuseeland, Kanada, Australien 2017
Darsteller Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael Pitt, Chin Han, Danusia Samal, Lasarus Ratuere, Yutaka Izumihara, Tawanda Manyimo, Peter Ferdinando, Anamaria Marinca, Daniel Henshall, Mana Hira Davis, Erroll Anderson u.a.
Genre Action, Fantasy
Filmlänge 107 Minuten
Deutschlandstart
30. März 2017
Inhalt

In der nahe Zukunft hat die Menschheit gewaltige technologische Fortschritte gemacht, aber dennoch ist Major Mira Killian die erste ihrer Art: Sie wurde nach einem schrecklichen Unfall in einen Cyborg mit übermenschlichen Fähigkeiten verwandelt, eine perfekte Waffe im Kampf gegen gefährliche Kriminelle überall auf der Welt.

Und so ist Major auch am besten geeignet, gemeinsam mit ihrer Elite-Einsatztruppe Sektion 9 den skrupellosen Cyber-Terroristen Kuze aufzuhalten, dem es gelungen ist, sich in den Verstand von Menschen zu hacken und diese zu kontrollieren. Doch während der Jagd auf Kuze macht sie eine Entdeckung, die sie an ihrer Existenz, ihrem Verstand zweifeln lassen. Heimlich begibt sich Major auf die Suche nach ihrer Vergangenheit, will herausfinden, wer sie war, bevor sie zum Cyborg wurde, und deckt eine Verschwörung auf …

Was zu sagen wäre

Eigentlich weiß man ja von Anfang an, dass die behauptete Genese von Major Mira Killian nicht stimmt, deshalb hält man auch die Entwicklung dieses Teils der Story eher weniger im Auge. Das braucht man ohnehin in vollem Umfang für die überbordende Bilderwelt dieses Films, die den Eindruck erweckt, Gotham City und das LA aus Blade Runner hätten Nachkommen gezeugt.

Eigentlich hat der Film überhaupt keine Geschichte. Klar: Da ist die Identitätssuche. Da ist das Geheimnis um das Unternehmen Hanka Robotics, das aber so richtig auch kein Geheimnis ist, weil es den Mustern folgt, die das Dystopien-Kino seit 35 Jahren bereit hält: Industrie-Konzern geht über Leichen und strebt die Herrschaft an. Fürs Kino des 21. Jahrhunderts ist dass gänzlich ungeeignet, denn auf dem Gebiet gibt es augenscheinlich nichts Neues mehr zu erzählen – quod erat demonstrandum – und die nachgewachsene Generation befriedigt ihre Lust an CyberSciFi da, wo so etwas heute viel besser funktioniert – auf der Playstation, in der Occulus Rift. Und, wer sich sophisticated gibt, liest vielleicht die Graphic Novel oder das Manga. Das schlägt sich auch im weltweiten boxOffice nieder: Geschätzten Produktionskosten von 110 Millionen US-Dollar stehen nach vier Monaten nur Einnahmen von knapp 170 Millionen gegenüber.

Da, aus den japanischen Mangas, kommt „Ghost in the Shell“ ursprünglich her. Auf diesem Niveau erscheint diese Verfilmung ein adäquates Erbe. Bilder wie aus einem Hochglanz-Comic. Phantasievoll. Düster. Eine visuelle Party ersten Ranges. Auf der dann leider nur platter Small Talk und die immergleichen Typen geboten wird. Viel Bild, leere Story. Und wie so oft bei dieser Art Film, der mehr Trick- als Realfilm, technisch gesehen näher an Pixar als an einem Clint-Eastwood-Film ist, lohnt sich hier auch der Blick durch die 3D-Brille – ach was: Der macht das Kinobild erst richtig schön.

Dass ausgerechnet Scarlett Johansson den Major spielt (Hail, Caesar! – 2016; Don Jon – 2013; Hitchcock – 2012; Wir kaufen einen Zoo – 2011; Vicky Cristina Barcelona – 2008; „Die Schwester der Königin“ – 2008; Nanny Diaries – 2007; „Prestige – Die Meister der Magie“ – 2006; Black Dahlia – 2006; Scoop – Der Knüller – 2006; Match Point – 2005; Lovesong für Bobby Long – 2004; „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ – 2003; Lost in Translation – 2003; Arac Attack – 2002; Ghost World – 2001; The Man Who Wasn't There – 2001; Der Pferdeflüsterer – 1998), folgt einer Obsession von Regisseuren der Konsolen-Generation.

Drehen sie einen Film über ein erotisches Betriebsprogramm, spielt Scarlett Johansson die Titelrolle. Drehen sie einen Film über eine Männer fressende Entität, spielt Scarlett Johansson die die nackte Hauptrolle.
Drehen sie einen Film über jemanden, dem Drogen neue Bewusstseins-Stufen ermöglichen, spielt Scarlett Johansson die Hauptrolle.
Suchen sie eine durchtrainierte Kampfmaschine, die hundert Kämpfer erledigt und dann Captain America Probleme bereitet, spielt Scarlett Johansson die Black Widow.
Drehen sie einen Film über ein menschliches Ersatzteillager, spielt das Scarlett Johansson.
Eine Maschine mit menschlichem Gehirn, einen Ghost in the Shell?

Scarlett Johansson spielt sie. Die Texanerin entpuppt sich als perfekte Projektionsfläche für so ziemlich jede zeitgenössische Männerphantasie.

Wertung: 5 von 8 €uro
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