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Plakatmotiv: Airpot ‘79 – Die Concorde (1979)

Abgestürzt!

Titel Airport '79 - Die Concorde
(The Concorde... Airport '79)
Drehbuch Jennings Lang & Eric Roth
nach Motiven des Romans "Airport" von Arthur Hailey
Regie David Lowell Rich, USA 1979
Darsteller
Alain Delon, George Kennedy, Susan Blakely, Robert Wagner, Sylvia Kristel, Eddie Albert, Bibi Andersson, Charo Charo, John Davidson, Andrea Marcovicci, Martha Raye, Cicely Tyson, Jimmie Walker, David Warner, Mercedes McCambridge u.a.
Genre Drama
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
25. Oktober 1979
Inhalt

Captain Joe Patroni steuert gemeinsam mit seinem Kollegen den Jungfernflug der ersten Concorde.

Mit an Bord ist die Journalistin Maggie, die über brisante Unterlagen verfügt. Die Dokumente bezichtigen den Unternehmer Kevin Harrison, illegal Waffen an kommunistische Länder zu liefern.

Harrison ist bereit, als letztes Mittel die Concorde zu zerstören. Das Überschallflugzeug soll bei der Überquerung der Alpen explodieren …

Was zu sagen wäre

Ruhe in Frieden, Du Kinoereignis über mögliche Flugzeugkatastrophen und deren heldenhaften Kerle, die die Katastrophen vor dem Adjektiv tödlich bewahren. Als George Seaton 1970 den Roman von Arthur Hailey für die Leinwand adaptierte, da machte er aus einer Geschichte über das, was an einem Flughafen alles in Gang gesetzt wird, wenn Schnee und Winter den organisierten Ablauf zerstören, einen ordentlichen Abenteuerfilm mit persönlichen Schwächen, die sich zwischen gigantischem Material behaupten müssen – einerseits eine Boeing 707, die in Eis und Schnee eine Landebahn blockiert, und dagegen Burt Lancaster als Flughafenchef, der gleichzeitig diese 707 von der Landebahn schaffen muss und andererseits seine kaputte Ehe in eine neue Beziehung zu Jean Seberg retten muss.

Das war 1970 eine echt irre Vielfalt für einen Kinofilm: Große Maschinen, große Schauspieler, menschliche Dramen, Abenteuer.

Plakatmotiv: Airpot ‘79 – Die Concorde (1979)Neun Jahre später ist dieser spezielle Reiz verflogen. Im Großen und Ganzen wirkt dieser Film so, als sei er vom Concorde-Konsortium gesponsert worden; das Überschall-Passagierflugzeug wurde 1976 in Dienst gestellt – also vor drei Jahren – und seitdem schreiben die Betreiber rote Zahlen. In "Airport '79" bekommt die Concorde ähnlich säuselnde Liebeserklärungen, wie weiland die 747 aus dem Mund der unsterblichen Airport-Legende Joe Patroni – er küsst sogar ihren Steuerhebel. Jener Patroni, der einst als damals schon legendärer Flugzeugtrainer auftrat und jetzt als Captain Superman durch die Lüfte segelt. Immer noch spielt ihn George Kennedy, allerdings ahnt man seine Irritationen bei Sätzen, die ihn zum profanen Kleinstadt-Macho degradieren. Gerade hat sein französischer Kollege Capt. Paul Metrand erzählt hat, dass er früher Fracht nach Saigon geflogen habe und Patroni antwortet mit ernster Mine: „Ich war auch in Saigon, als Militärberater, gleich als der Krieg begann. Ich erinnere mich besonders gerne an die eine Eurasierin mit ihren großen braunen Mandelaugen. Die habe ich immer Die Tarantel genannt. Haben Sie die vielleicht auch gekannt? Sie wäre ihnen bestimmt aufgefallen. Sie war eine Bombe in der Koje.“ Und dann mit Blick auf die eigentliche Hauptdarstellerin des Films, die Concorde: „Die ist auch nicht von schlechten Eltern.“ „Sie scheinen einen guten Geschmack zu haben. Dieser Vogel hier ist schon eine tolle Sache.“ Währenddessen schweift die Kamera säftelnd über die Silhouette des Flugzeugs; eine möglicherweise vom Flugzeugtyp ablenkende Fluggesellschaft, etwa die genannte "Federation World Airlines" ist nicht auf dem Flugzeug markiert.

An anderer Stelle belehrt er Sylvia Kristel, die einst als Emanuelle einschlägige Erfahrungen im Flugzeug, speziell auf der Bordtoilette sammelte und hier als Chefstewardess Isabelle Kaffee im Cockpit serviert:  „Two Cups Black. Oh, You Pilots are such Man!“ Und Patroni: „They don't call it The CockPit for nothing, Honey!“ (im Englischen bezeichnet Cockpit auch die Arena für Hahnenkämpfe) Solcherart Chauvinismus war früher den Charlton Hestons dieser Flugzeugwelt vorbehalten.

Neues hat die Serie nicht zu bieten. Die Flugzeuge in der Serie haben Landebahnen im Winter blockiert, sind in der Luft zusammengeprallt und ins Wasser gestürzt; mehr geht eigentlich nicht – vielleicht hätte noch ein Flugzeug in einen Wolkenkratzer fliegen können, in dem dann Feuer ausbricht wie weiland im erfolgreichen Towering Inferno (1974)? Bewährtes hat die Serie immerhin in Maßen zu bieten: Wieder muss ein medizinischer Transport – ein zu transplantierendes Herz – für Spannung sorgen. „Ist das Herz für Ihren Sohn?“ „Ja. Er ist gerade erst sieben geworden.“ Und mehr kann das Drehbuch mit diesem dramaturgischen Kniff auch nicht mehr anfangen – das Herz friert in der Folge vor sich hin.

Die Concorde ist nicht die Boeing 747, für die diese Kinoserie zwei Folgen lang Werbung gemacht hat. Die Concorde ist schon schnittig, aber keine 747, die mit dem charakteristischen Buckel und ihrer schieren Größe punktet. Da muss schon ein veritabler französischer Superstar her, um das Manko der kleinen, aber schnittigen Französin wett zu machen: Alain Delon wird zum Markenbotschafter der Concorde ("Der Fall Serrano" – 1977; Borsalino & Co. – 1974; "Endstation Schafott" – 1973; Scorpio, der Killer – 1973; "Der Chef" – 1972; Rivalen unter roter Sonne – 1971; "4 im roten Kreis" – 1970; Borsalino – 1974; Der Clan der Sizilianer – 1969; Der Swimmingpool – 1969; Der eiskalte Engel – 1967; Nur die Sonne war Zeuge – 1960). Mehr, als dass er den trauernden Witwer Patroni mit 2.000-Francs-Nutten versorgt, kann er aber auch nicht aus dieser leeren Flugzeugführerrolle holen.

Die Jungs und Mädels, die sich in den Airportfilmen, sogar im jüngsten – dem unter Wasser – irgendwie wiederfanden, werden hier großflächig enttäuscht. Als hätten die Produzenten sich gedacht: Mensch, so 'ne Überschallkiste kann man auch mal inszenieren, wie einen lahmen Raumschiffporno aus den 60ern. Die drei Vorgängerfilme haben sich über das Flugzeug und den Luftverkehr definiert, haben die Luftfahrt und deren Protagonisten gefeiert. Dieser Film hier beginnt mit einer banalen Krimihandlung, wie sie auch in TV-Serien auftaucht. Ein Mann, ein Geheimnisträger wird erschossen, eine TV-Journalistin – Augenzeugin – ist verzweifelt und wendet sich an ihren Freund, den Großindustriellen, dem ein gelangweilter Robert Wagner im braunen Kamelhaarmantel sein Gesicht samt Betonfrisur leiht und also gleich als der Oberschurke des Stücks entlarvt ist. Und natürlich richtet 's, nachdem wir noch ein paar Werbeclips der Concorde über elegant verschneitem Gebirge gesehen haben, der Franzose; Joe Patroni war schon immer ein guter Zweiter. Der kommt mit der gewagten These, dass, um sich und seine Unternehmungen zu retten, es eine sinnvolle Idee sein könnte, die Augenzeugin mitsamt einer ganzen Passagiermaschine aus der Luft zu bomben. Daraufhin vollführen die Kerle im Cockpit mit ihrer Concorde Ausweichmanöver, die das Flugzeug in der Luft wirbeln und Pirouetten drehen lassen; nicht nur den physikalisch Vorgebildeten im Publikum dreht sich ob solch Realitätsverweigerung der Magen um. 

Wertung: 1 von 9 D-Mark
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