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Plakatmotiv: Domino (2019)

Ein Terroristen-Stück
ohne jeden Esprit

Titel Domino
(Domino)
Drehbuch Petter Skavlan
Regie Brian De Palma, Dänemark, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande 2005
Darsteller

Nikolaj Coster-Waldau, Carice van Houten, Guy Pearce, Søren Malling, Sus Wilkins, Paprika Steen, Helena Kaittani, Eriq Ebouaney, Thomas W. Gabrielsson, Esben Dalgaard Andersen, Jacob Lohmann, Ilias Addab, Mohammed Azaay, Emrin Dalgic, Morten Holst u.a.

Genre Thriller
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
22. August 2019 (DVD-Premiere)
Inhalt

Bei einem Einsatz wird Lars, der Partner des Kopenhagener Polizisten Christian Toft, schwer verletzt. Der Täter: Ein Mann namens Ezra Tarzi. Durch Zufall sind die beiden dänischen Polizisten in ein Terrornest getreten.

Von Rache getrieben macht sich Christian gemeinsam mit Kollegin Alex auf die Suche nach Ezra, der offenbar eine persönliche Rechnung mit einem Scheich des IS begleichen will, Salah Al-Din, der Erzas Vater vor laufender Kamera den Kopf abgeschnitten hat. Ein Wettlauf gegen die Zeit, denn auch der CIA-Agent Joe Martin hat seine Finger im Spiel. Martin hat Erzas Familie festgesetzt und zwingt Ezra zur Zusammenarbeit. Er soll ihm helfen, weitere IS-Mitglieder dingfest zu machen und einen Anschlag zu verhindern.

Ein Hinweis führt nach Almeria in Südspanien. Al-Din schmuggelt, hinter der Tarnung eines Obst- und Gemüsehändlers, Waffen aus Marocco an die südspanische Küste, wo er sie von Almeria aus für neue Terroranschläge in ganz Europa verschickt. Der nächste Anschlag ist schon in Ausführung. Gleich hier, in Almeria in einer Stierkampfarena …

Was zu sagen wäre

Islamistische Terroristen. Europa. Überforderte Polizisten. Ein Anschlag auf ein prominentes Gebäude. Die Zutaten zu Brian De Palmas Films sind nicht neu, bilden tatsächlich nur einen MacGuffin, um ein wenig Kino zu zelebrieren.

Auch nicht neu, häufig erwähnt und daher überflüssig. Eigentlich. Denn hier muss man es nochmal ausdrücken: Brian De Palma liebt Alfred Hitchcock. Immer wieder verbeugt er sich in seinen Filmen vor Hitchcocks Schnittfolgen, Kameraeinstellungen, Erzählmustern, dem Suspense, indem er sie in seinen eigenen Filmen zitiert und mit eigenem Können, etwa langen Plansequenzen ergänzt. Damit sind De Palma Meisterwerke in den Genres Psycho und Thriller gelungen.

Im vorliegenden Film nun ist es so, dass der nicht spannend ist. Die ersten 20 Minuten schon noch. Aber danach bildet die weitere Handlung lediglich die Kulisse, um – bestenfalls – in Hitchcock-Historie zu schwelgen. Ein harmloser Geschäftsmann entpuppt sich als IS-Scheich – Erinnerungen an Hitchcocks Sabotage (1936). Eine Verfolgungsjagd über ein Giebeldach mit rutschenden Dachpfannen ist in sich spannend, nicht, weil das Ergebnis dieser Jagd von sonderlichem Interesse wäre.  Eine Selbstmordattentäterin bei einer Filmpremiere, ein Selbstmordattentäter in einer Stierkampfarena – hier kann De Palma visuelle Finesse ausspielen; macht er aber selten, wahrscheinlich hat das Budget nicht gereicht. Zwischen diesen Bildsequenzen ist Leerlauf.

Die ermittelnden Cops sind ausgiebig langweilig. Gespielt werden sie von den durch ihre Nebenrollen in "Game of Thrones" zu gewissem Ruhm gekommenen Nikolaj Coster-Waldau und Carice van Houten. Zu Spannung beisteuern können sie nur insoweit, als van Houten einem Attentäter in die Eier tritt und damit ein Attentat vereitelt. Das ist eine schöne Pointe gegen die chauvinistische Attitüde, dass im Paradies dann ja jede Menge Jungfrauen auf den potenten Selbstmordattentäter warten.

Meistens aber sitzen die beiden Cops im Auto und schweigen sich an, weil sie sauer aufeinander oder erschöpft sind, während der Scheich Attentäter mit Motivationsreden bei Laune hält, die darauf hinaus laufen, dass nur ein toter Ungläubiger Allahs Antlitz strahlen lässt; je mehr Tote, desto besser. Und dazwischen schwingt sich immer mal wieder Guy Pearce durchs Bild als dynamischer CIA-Mann mit Vergangenheit (Iron Man 3 – 2013; Prometheus – Dunkle Zeichen – 2012; Lockout  – 2012; Pakt der Rache – 2011; The King's Speech – 2010; "Tödliches Kommando – The Hurt Locker" – 2008; The Time Machine – 2002; Memento – 2000; Rules – Sekunden der Entscheidung – 2000; L.A. Confidential – 1997; Priscilla – Königin der Wüste – 1994). Seine Rolle dient ausschließlich der Phrasendrescherei. Die CIA muss in einem Terroristenfilm offenbar auch noch irgendwie lächerlich gemacht werden.

Der Film ist mit grobem Klotz erzählt und mit wenig Feingefühl montiert. Hat aber ein paar spannend inszenierte Situationen.

Wertung: 2 von 8 €uro
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