Kinoplakat: Justice League
Keine Menschen, keine Spannung,
aber Sonnenuntergang in Kansas
Titel Justice League
(Justice League)
Drehbuch Chris Terrio + Joss Whedon + Zack Snyder
nach den Comics von Gardner Fox (Justice League), Jerry Siegel und Joe Shuster (Superman), Bob Kane + Bill Finger (Batman), William Moulton Marston (Wonder Woman) und Jack Kirby (Fourth World)
Regie Zack Snyder & Joss Whedon, USA 2017
Darsteller Ben Affleck, Henry Cavill, Gal Gadot, Amy Adams, Ezra Miller, Jason Momoa, Ray Fisher, Jeremy Irons, Diane Lane, Connie Nielsen, J.K. Simmons, Ciarán Hinds, Amber Heard, Joe Morton, Lisa Loven Kongsli u.a.
Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
16. November 2017
Website justiceleaguethemovie.com
Inhalt

Nach dem Tod Supermans trauert die ganze Welt um ihn. Auf der Insel der Amazonen haben die Frauen andere Sorgen: „Steppenwolf“ kehrt zur Erde zurück und im Schlepptau hat er eine Armee aus Paradämonen.

Steppenwolf hatte bereits vor tausenden von Jahren versucht, die Welt zu erobern, war damals jedoch von einer Allianz bestehend aus Olympischen Göttern, Amazonen, Menschen, Atlanten und Green Lanterns besiegt worden. Um seine Rückkehr zu verhindern waren damals drei Mutterboxen auf der Erde verstreut worden und jeweils eine in die Hände der Amazonen, der Atlanten und der Menschen gegeben worden. Nur mit ihrer vereinten Kraft wäre es Steppenwolf möglich, die Erde zu erobern.

Steppenwolf gelingt es, die Mutterboxen der Amazonen und der Atlanten in seine Gewalt zu bringen. Nur die Mutterbox der Menschen, welche mittlerweile von der Organisation S.T.A.R. Labs bewacht wird, ist für ihn nicht auffindbar.

Gleichzeitig versucht Batman ein Team aus Superhelden zusammenrufen, um Steppenwolf abermals zu besiegen. Er rekrutiert nacheinander Wonder Woman, The Flash, Aquaman und schließlich Cyborg. Gemeinsam schaffen sie es, die letzte Mutterbox zu finden. Batman entscheidet sich dazu, die Energie der Mutterbox zu einer Wiederbelebung Supermans zu verwenden.

Die Wiederbelebung ist ein Erfolg, jedoch kann sich Superman an nichts erinnern. Er attackiert Batman und dieser kann sich gerade noch retten, in dem er Supermans Freundin Lois Lane einschaltet. Mit ihrter Hilfe kommen Supermans Erinnerungen langsam wieder zurück. Damit er sich ganz erholt, ziehen sich er und Lois in ihr ehemaliges Haus auf dem Land zurück.

Damit ist die letzte Mutterbox unbwacht. Steppenwolf greift sie sich und kann nun deren gesamte Energie nutzen …

Was zu sagen wäre

Dieser Film zeigt uns zwei Wahrheiten: In Kansas ist, egal zu welcher Tageszeit, immer romantischer Sonnenuntergang; die Farm der Kent-Familie badet stets in warmem Licht, während der Mais üppig sogar dann gedeiht, wenn die Farm gar nicht mehr bewirtschaftet wird. Die Farm der Kent-Familie ist die Wiege Supermans auf der Erde und damit ist jene romantische Farbenpracht berechtigt; ist nicht der Kryptonier ein selbstloser Held, der sich für die Menschheit geopfert hat? Und dessen Tod zu weltweiter Trauer und Anarchie geführt hat? Na also! Und das bringt uns zur zweiten Wahrheit.

Zack Snyder kann es wirklich nicht. Nicht, dass er in der Vergangenheit nicht mehrere Beispiele geliefert hat, die diese These untermauern (Sucker Punch – 2011; „Die Legende der Wächter“ – 2010; Watchmen: Die Wächter – 2009; „300“ – 2006; „Dawn of the Dead“ – 2004); offenbar aber gilt er für die Warner Bros.-Studios immer noch als ernstzunehmender Regisseur. Ein Mann aber, der zwei Stunden lang kostümierte Figuren auf zu groß geratene Schmeißfliegen mit Laserblastern einprügeln lässt, ohne dass dem Zuschauer eine dieser Figuren menschlich näher kommt und dabei völlig ohne dramaturgische Blögen auskommt … es wäre sicher falsch, an einen Superheldenfilm einen sensiblen Künstler zu lassen, dafür sind die Dinger zu teuer – die Blockbuster kosten mittlerweile samt Marketing und Promotion so viel, dass sie ein Vielfaches ihres Budgets einspielen müssen, damit ein Hollywoodstudio einen gewinn bilanzieren kann.
Aber einen smarten Handwerker, der es versteht, naturgemäß absurden Szenen in solchen Filmen Witz und Menschlichkeit zu injizieren, sollte man schon einsetzen – dafür sind die Dinger einfach zu teuer. Snyders jüngste Ausflüge ins Superman-Universum – Man of Steel und Batman V Superman: Dawn of Justice – wurden zwar verrissen und gelten Fans als Objekte leidenschaftlichen Hasses. Am weltweiten Box Office aber retteten sich beide Filme so gerade in die Gewinnzone. Also ging Warner Bros. mit Zack Snyder auf Nummer Sicher: Zwar mag dessen Filme niemand, aber sie rechnen sich so gerade. Alles andere hätte bedeutet, sich mit neuem Regisseur, neuem Konzept auf unbekanntes Terrain zu bewegen – und das mit einer 250-Millionen-Dollar-Produktion. Die Möglichkeit, das Filmprojekt sterben zu lassen, kam für das Studio nicht in Betracht. Diese Blöße wollte man sich gegenüber der Konkurrenz von MARVEL nicht geben, die mit jedem Superhelden-Film aufs Neue beweist, dass man kritische Fans und Box Office versöhnen kann – und dabei häufig sogar das Feuilleton auf seiner Seite weiß.

An dem „Justice League“-Film funktioniert nichts. Der Schurke, ein Alien namens Steppenwolf, sieht aus, als hätten die Pixel seiner CGI-Maske gestreikt und wären im FX-Archiv des Computers geblieben; sein Gesicht hat keinen Ausdruck, keine beweglichen Augen und – dafür kann jetzt Zack Snyder mal nichts – in der deutschen Fassung donnert eine von Bässen verstärkte 08/15-Stimme ununterbrochen Ich-werde-euch-vernichten-die-Welt-zerstören-alle-töten-Sätze, die klingen, wie aus diesen Zeichentrickserien, in denen die Superhelden Sonntagmorgens bei RTL II über den Bildschirm flimmern. Seine Schergen sind gesichtslose Paradämonen, die rumflattern wie Stubenfliegen und leicht zu zerstören sind – es sind nur halt echt sehr viele. Die drei Mutterboxen? Schlecht inszenierte, dafür klassische MacGuffins, die sich DCs Extended Universe bei den Avenger-Kollegen von MARVEL ausgeliehen haben. Das heißt: Das Bedrohungsszenario ist ein dramaturgischer Totalausfall. Heimlich träumt man sich so einen Schurken herbei wie Hans Gruber, der Ende der 1980er Jahre mit Maßanzug, Krawatte und gebildetem Habitus das Nakatomi-Gebäude in Los Angeles besetzte und Millionen abgreifen wollte – den konnte man irgendwie verstehen. Dieser Steppenwolf hingegen will einfach die Erde in eine Feuerhölle verwandeln, weil ihn das an Zuhause erinnert. Das zu verstehen, fällt im Kinosessel schwer. Charisma? Fehlanzeige

Letzteres zumindest ist aber nicht so schlimm, denn die Helden, die ihn bekämpfen, haben auch keins. Bruce Wayne ist dauernd mies gelaunt und leidet an sich und seinem Leben. In seinem Batman-Dress wirkt Ben Affleck („The Accountant“ – 2016; Suicide Squad – 2016; Gone Girl – Das perfekte Opfer – 2014; Runner Runner – 2013; Argo – 2012; State of Play – 2009; Paycheck – Die Abrechnung – 2003; Daredevil – 2003; Der Anschlag – 2002; Spurwechsel – 2002) so absurd wie 1997 George Clooney in Batman & Robin in dem Kostüm mit den berühmten Nippeln. Wonder Woman, die vor einem halben Jahr noch so einen wunderbaren Einzelfilm hatte, ist hier reduziert auf Nasenwurzel in Falten ziehen beim böse-gucken, sich prügeln oder schön aussehen – vornehmlich zeigt Zack Snyder die schöne Gal Gadot (Fast & Furious 7 – 2015; Fast & Furious 6 – 2013; Fast & Furious Five – 2011; Knight and Day – 2010) als Wonder Woman in Shorts von hinten aus der Untersicht. Dann ist da Aquaman, ein trinkfester Rockertyp mit mächtigem Brustkorb, der Bruce Wayne bei dessen Helden-Suche erst einen Korb gibt und dann doch einsteigt, weil Steppenwolf ihm eine dieser Boxen weg genommen hat – zwischenzeitlich geriert er sich dann mal als Knuddelbär, und wenn er im Meer mit Amber Heard (The Danish Girl – 2015; „Magic Mike XXL“ – 2015; 3 Days to Kill – 2014; Paranoia – Riskantes Spiel – 2013; Drive Angry – 2011; The Ward – 2010; Zombieland – 2009; All the Boys Love Mandy Lane – 2006) spricht, die seine Prinzessin Mera spielt, muss die erst eine Luftblase schaffen – zwei Wasserwesen, die nicht im Wasser kommunizieren können?

Flash und Cyborg symbolisieren die Kids im Film – „Wir sind die Unfälle“, sagt Flash, als er feststellt, dass beide ihre Kräfte nicht von Göttern, nicht durch Sonnenkonstellationen oder wegen aquatypischer Besonderheiten haben, sondern, eben, durch Unfälle erlangt haben. Die beiden haben Potenzial, kommen über das Charisma eines TV-Seriengesichts bislang aber auch nicht raus. Superman schließlich ist wieder mal edel; seine Widergeburt eine ganz unspannende Abfolge von Szenen, an deren Ende er Batman an die Gurgel geht – weil er ein bisschen verwirrt ist noch vom langen totsein, und er aber noch weiß, dass die Fledermaus und er sich zuletzt nicht so gut vertragen haben. Aber das ist dann auch schnell abgehakt und Lois nimmt ihn mit auf die Maisfarm in Sonnenuntergangsland.

Und die normalen Menschen? Die, um die es doch eigentlich geht, wenn Helden die Welt retten wollen. Abgesehen von Alfred, Commissioner Gordon und Lois Lane treten die Menschen als lebensuntüchtige Lemminge in Erscheinung, die ohne außerirdische Hilfe kein funktionierendes Sozialwesen zustande bekommen. Kaum ist Superman tot, so der Film, trauen sich jetzt sogar kleine Ladendiebe wieder, bei der Festnahme noch Obstkisten vor den Geschäften umzutreten; weil sie keine Angst mehr vor dem Kryptonier zu haben brauchen. Zack Snyder kann nur den gestählten, Öl- oder Schweiß glänzenden Heroen, das Abziehbild der Comicfigur. Zu mehr Tiefe reicht sein Handwerk nicht. Würde Alfred seinen über nicht abgesprochene Taktiken beim Schlusskampf motzenden Chef nicht darüber informieren, dass er halt „als Team“ kämpfe, könnte man das glatt übersehen; eine Gruppendynamik gibt es wie so vieles andere auch nicht.

Mit keiner Figur kann der Film was anfangen, Gemütszustände werden behaupten, nicht gezeigt. Butler Alfred ist es, der seinem beziehungsgestörten Chef hin und wieder die Leviten liest, um dem Zuschauer zu signalisieren, dieser Milliardär ist echt einsam. Was wohl daran liegt, dass dieser Milliardär irre viel arbeiten muss, wenn man bedenkt, was der alles an Millionen teurem Equipment in Windeseile verschrottet.

Dass der Film nicht komplett auf die Nase gefallen ist, hat einen tragischen Hintergrund. Kurz vor Ende der Produktion starb überraschend Snyders Tochter. Er und seine Frau, die als Executive Producer fungierte, zogen sich folglich aus dem Projekt zurück. Warner Bros. heuerte Joss Whedon an, der mit den beiden Avenger-Filmen bewisen hatte, dass er Superheldenmovie-tauglich ist. Er sollte die nahezu fertige Produktion als stilles Helferlein in Snyders Stil zu Ende bringen. Mitten hinein in diese Situation platzte der Film Wonder Woman, mit dem die Regisseurin(!) Patty Jenkins dem Studio einen Superhelden-Hit lieferte, sowohl bei Kritikern als auch an der Kasse. Jetzt entschied Warner Bros., dass Joss Whedon doch „Justice League“ bitte so umbauen solle, dass er weniger Zack Snyder und mehr Patty Jenkins werde – für Nachdrehs stellte das Studio 25 Millionen Dollar zur Verfügung. Also schrieb Whedon neue Szenen, vor allem für Gal Gadot als Wonder Woman und sorgte im Schneideraum dafür, dass aus dem Zack-Snyder-Film ein Auf-keinen-Fall-Zack-Snyder-Film werden solle – die Quadratur des Kreises. Film kaputt, aber manche Szene ganz hübsch.

Dass Henry Cavill (Codename U.N.C.L.E. – 2015; Man of Steel – 2013; The Cold Light of Day – 2012; „Krieg der Götter“ – 2001; Whatever Works – 2009), der Superman spielt, bei diesen Nachdrehs ein Schnurrbart digital retuschiert werden musste, den er sich für den nächsten „Mission: Impossible“-Film mit Tom Cruise hatte wachsen lassen und der für ordentlich Streit zwischen den Studios Paramount und Warner Bros. sorgte, wäre an sich das Hinter-den-Kulissen-Gossip der Stunde zum „Justice League“-Film, verkommt aber angesichts des dramatischen Verfalls künstlerischer, dramaturgischer oder sonstwie irgendwie noch halbwegs Unterhaltungskino-tauglicher Sitten im aktuellen Hollywood zur komischen Fußnote.

Wertung: 1 von 8 €uro