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Kinoplakat: Lake Placid
Bizarr, rasant und
ein bisschen blutig
Titel Lake Placid
(Lake Placid)
Drehbuch David E. Kelley
Regie Steve Miner, USA 1999
Darsteller Bill Pullman, Bridget Fonda, Oliver Platt, Brendan Gleeson, Betty White, David Lewis, Tim Dixon, Natassia Malthe, Mariska Hargitay, Meredith Salenger, Jed Rees, Richard Leacock, Jake T. Roberts, Warren Takeuchi, Ty Olsson u.a.
Genre Horror
Filmlänge 82 Minuten
Deutschlandstart
24. Februar 2000
Inhalt
Paläontologin Kelly Scott wird von ihrem Boss zum Black Lake in Maine geschickt, nachdem im Torso eines toten Tauchers ein prähistorisch aussehender Zahn entdeckt wird.

Kelly identifiziert das Fundstück schnell: Es ist der Zahn eines ausgestorbenen Krokodils. Aber ganz offensichtlich ist der ehemalige Besitzer dieses Zahns alles andere als ausgestorben … eine Reihe weiterer Touristen, die in Einzelteilen angeschwemmt werden, sind Beweis genug.

Kelly, Wildhüter Jack und der örtliche Sheriff wollen das 10-Meter-Ungetüm an die Angel bekommen …

Was zu sagen wäre

Während die Vorspanntitel laufen, entführt uns die Kamera aus dem Kinosessel in üppige Natur, Wälder, Seen, Unterwasserlandschaften. Hier ist es schön, naturbelassen – und das heißt auch (wir ahnen das, weil wir ja ein Ticket für ein Creature Feature gezogen haben) abseits jeglicher erreichbarer Zivilisation.

Steve Miner (Halloween: H20 – 1998; „Forever Young“ – 1992; Freitag der 13. – Jason kehrt zurück – 1981) lässt an seiner Erzählhaltung keinen Zweifel: Das erste Opfer ist als unsympathische Nebenfigur eingeführt, niemand kann den Typen leiden, also kann sich Miner ganz auf die seit Spielbergs Weißem Hai obligatorischen Inszenierungsideen versteifen. Hier geht es um Horrorspaß à la Geisterbahn, nicht um Thrill à la „Rosemaries Baby“. Die Tonalität ist also nach fünf Minuten klar: Kein dunkler Gothic Horror aus einer üblen Welt wird erzählt, sondern ein Fun Movie mit – wahrscheinlich – ein paar unappetitlichen Szenen.

Wunderbar, wie es Minor gelingt, seine Figuren auf dem strategischen Schachberett des thrillszu verteilen. Das lässt – für den CreatureFeature-Fan – viel Storyunbelasteten Quatsch erwarten und Minor liefert: Klischeefiguren, Klischeeszenen, aber gespielt von drei wunderbaren Schauspielern: Bridget Fonda (Ein einfacher Plan – 1998; Jackie Brown – 1997; City Hall – 1996; „2 Millionen Dollar Trinkgeld“ – 1994; „Codename: Nina“ – 1993; Armee der Finsternis – 1992; „Weiblich, ledig, jung sucht …“ – 1992; Doc Hollywood – 1991; Der Pate, Teil III – 1990; „Scandal“ – 1989) gibt entzückend die unerschrockene Wissenschaftlern, die hyperventiliert, nicht wenn sie eine unappetitliche Fleischwunde sieht, sondern wenn sie nach drei Filmminuten von ihrem Lover abserviert wird. Bill Pullman (Lost Highway – 1997; Independence Day – 1996; Während Du schliefst – 1995; Malice – eine Intrige – 1993; Schlaflos in Seattle – 1993; „Eine Klasse für sich“ – 1992) gibt den smilenden Charmeur von der Forstaufsicht und Brendon Gleason den Landei-Sheriff. Oliver Platt (Dr. Dolittle – 1998; Bulworth – 1998; Die Jury – 1996; Einsame Entscheideung – 1996; Ein unmoralisches Angebot – 1993; „Flatliners“ – 1990; Die Mafiosi-Braut – 1988) gibt den exzentrischen Milliardär Hector CY, der vor allem sich selbst etwas beweisen muss. Selbst das hingebungsvolle Angebot „Komm schon, Hector: Du bist zwar verrückt, aber das kannst Du nicht machen.“ „Doch, schönes Kind, ich muss mir seinen Lebensraum aus der Nähe ansehen.“ „Dafür gibt es das Fernsehen! Okay, aber geh nicht ins Wasser! … Bitte … Ich werde auch mit Dir schlafen, nur lass uns verschwinden.“ „Schätzchen … es wird nichts machen.

Kinoplakat: Lake PlacidWir können uns bequem im Kinosessel zurücklehnen: Wir wissen, was kommt. Und hoffen auf ein paar Popcorneimer-Schüttler. Dabei fahren die Hauptfiguren auf einem lächerlich kleinen Boot über den See, was Roy Schneiders berühmten Satz aus Spielbergs Hai-Vorlage – „We need a bigger Boat“ – sehr schön karikiert.

Der Film zieht seinen Charme aus der schönen Natur, den schönen rostroten Sonnentiefstand-Bildern. Nachdem schnell klar ist, dass die Story schlicht duschdekliniert werden wird, wuchert „Lake Placid“ mit seinen ikonografischen Charakteren und seinen wunderschönen Naturbildern. Ja … wunderbar, aber … braucht man das? Im Kino? Am Ende stolpert der Film über das allgemeine Erwartungskino. Da sind wir dann plötzlich wieder im Hier und Jetzt des Durchschnitts. Aber wenigstens unterhaltsam war's.

Filmjournalist Gernot Griksch schrieb in der Filmzeitschrift „Cinema“: „So ist Lake Placid wie eine große Tüte Popcorn: total süß, aber zwischendurch wird einem manchmal übel.“

Autor und Produzent dieser augenzwinkernden Achterbahnfahrt ist TV-Produzent David E. Kelley, der mit seinen Serien „Ally McBeal“, und „Picket Fences – Tatort Gartenzaun“ Marksteine des modernen Fernsehens gesetzt hat.

Für die Krokodileffekte sorgte der Mann, der Hollywood seit Jahren das Fürchten lehrt und einige unvergessliche Ungeheuer für die Leinwand zum Leben erweckt hat: Stan Winston (Independence Day – 1996; Terminator 2 – 1991; Aliens – 1986).

Wertung: 9 von 11 D-Mark
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