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Plakatmotiv: Anaconda (1997)

Schlecht getrickste Monsterschlange
in einem schlechten Drehbuch

Titel Anaconda
(Anaconda)
Drehbuch Hans Bauer & Jim Cash & Jack Epps Jr.
Regie Luis Llosa, USA, Brasilien, Peru 1997
Darsteller

Jennifer Lopez, Ice Cube, Jon Voight, J, Jonathan Hyde, Eric Stoltz, Owen Wilson, Kari Wührer, Vincent Castellanos, Danny Trejo u.a.

Genre Abenteuer, Action
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
17. Juli 1997
Inhalt

Eine Expedition bricht in das Amazonas-Gebiet auf, um einen unbekannten Indianerstamm ausfindig zu machen. Die bunt zusammengewürfelte Truppe trifft auf einen alten, vernarbten Schlangenjäger, der eine besonders gefährliche Spezies jagt: Eine monströse Anaconda, die, einmal aufgescheucht, ihr Unwesen treibt und die Crew-Mitglieder per Würgegriff dezimiert …

Was zu sagen wäre

Ein charmantes Paar, er etwas besserwisserischer Völkerkundler, sie leidenschaftliche Filmproduzentin, ein arroganter, sehr schnöseliger Auftraggeber, ein paar sympathische Nebenfiguren und ein bärbeißiger, undurchsichtiger Schlangenjäger. Letzter wird gespielt von Jon Voight (Mission: Impossible – 1996; Heat – 1995; "Runaway Train" – 1985; "Der Champ" – 1979; "Coming Home" – 1978; Die Akte Odessa – 1974; Beim Sterben ist jeder der Erste – 1972; Der böse Trick – 1970; "Asphalt-Cowboy" – 1969). Der läuft mit fettigem Pferdeschwanz und sardonischem Grinsen – „Anacondas sind die perfekten Killermaschinen.“ – über den brüchigen Kahn auf dem Fluss und verströmt Lebensgefahr, bevor die titelgebende Schlange das erste Mal aufgetaucht ist. Das ist insofern besser, weil die Schlange gar keinen Schrecken verbreitet und Voight zwar nur die Dimension eines TV-Bösewichts erreicht, aber wenigstens nicht per Special Effects animiert werden muss. Seine Gegenspieler auf der netten Seite sind der populäre RapMusiker Ice Cube ("Boyz n the Hood" – 1991) und Latin-Superstar Jennifer Lopez (Jack – 1996; Money Train – 1995).

Es baut sich dann die klassische Katastrophen- und Monsterfilmdramaturgie auf: bedrohliche Musik, diesige Nachtszenen, Crewmitglieder, die sich aus irgendeinem Grund von der Gruppe entfernen und eine riesige Monsterschlange, deren ganzen Schrecken man erst spät im Film ganz zu Gesicht bekommt. Dem Film hilft das nicht etwa, weil das den Schrecken des Unsichtbaren steigern würde, sondern weil die Trickeffekte, die die Schlange eben nicht zum Leben erwecken, höchstens erschreckend schlecht sind – für einen Film des vom Ende des 20. Jahrhunderts.

Es gibt manchmal Filme, bei denen man sich fragt, wer so etwas heute eigentlich noch finanziert und vor allem, warum. Als ich Anfang der 1970er Jahre meine Liebe für das Kino entdeckte, da liefen in meiner Altersklasse vor allem Walt-Disney-Filme, Astrid-Lindgren-Verfilmungen und Godzilla-Filme. Damals gefielen mir vor allem die japanischen Monsterfilme und deshalb sind sie für mich heute noch wichtiges Kulturgut.

Wäre "Anaconda" damals in die Kinos gekommen, und die schlechten Filmtricks täuschen vor, dass das so ist (damals wurden statt schlechter Digitaltricks schlechte Puppentricks inszeniert), hätte mir der Film sicher gefallen. Aber 1997? Da braucht man so etwas ja nicht einmal mehr als Direct-to-DVD-Release.

Aber: Der Film verströmt Lustgewinn, wenn ich beim Zappen des Nachts durch die TV-Programme auf ihn stoße. Da hat er genau die richte Tiefe und Spannung.

Wertung: 3 von 11 D-Mark
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