Kinoplakat: Die Klapperschlange
Gefängnisinsel Manhattan
Carpenters moderner Western
Titel Die Klapperschlange
(Escape from New York)
Drehbuch John Carpenter + Nick Castle
Regie John Carpenter, USA 1981
Darsteller Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau, Tom Atkin, Charles Cypher, Season Hubley, Joe Unger, Frank Doubleday, John Strobel, John Cothran Jr., Garrett Bergfeld u.a.
Genre Action
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
3. September 1981
Website The official John Carpenter.com
Inhalt
Hartungs Vorbemerkung: Der Film kam 1981 in die Kinos, also 16 Jahre vor dem Jahr, in dem die Handlung spielt.


Die USA im Jahre 1997. In den Gefängnissen der Vereinigten Staaten ist kein Platz mehr. Das Verbrechen hat derart zugenommen, dass sich die Regierung entschloss, das Sündenbabel Manhattan umzubauen in ein Hochsicherheitsgefängnis. Hohe Mauern umgeben die ganze Insel, bestückt mit Scharfschützen auf Wachtürmen. Wer einmal in dieses Gefängnis einfährt, kommt nie wieder raus. Die Gefangenen sind sich selbst überlassen und haben eine eigene Gesellschaft entwickelt. Es gilt das Gesetz des Stärkeren – Banden haben die Straßenzüge aufgeteilt.

Auch sonst hat sich die Lage im Land nicht zum Besseren entwickelt. Die USA liegen im atomaren Clinch mit China und der Sowjetunion. Alle Augen sind deshalb gerichtet auf eine Friedenskonferenz, auf der der Präsident der Vereinigten Staaten eine Friedensinitiative vorstellen will. Seine Air Force One überquert dabei den Luftraum Manhattans. Blöd, dass ausgerechnet an dieser Stelle Terroristen das Kommando an Bord übernehmen und die Maschine über Manhattan Island abstürzen lassen. Der Präsident entkommt dem Inferno in einer Rettungskapsel und sitzt nun irgendwo in den Gangsterterritorien des Mega-Gefängnisses fest.

Kinoplakat: Die KlapperschlangeGlück für die meisten Beteiligten: Es soll ein neuer Insasse nach Manhattan gebracht werden, Snake Plissken. Der ehemalige Elitesoldat der US-Army hat eine Bank ausgeraubt. Es gab Tote. Nun kriegt er lebenslänglich in der Hölle. Es sei denn … es gelingt ihm, den Präsidenten mitsamt einer Audiokassette von der Insel zu holen, die Informationen zu einer neuartigen Energiequelle, der Kernfusion, enthält. Diese Cassette ist entscheidend für das Gelingen der Friedenskonferenz. Geht die Geschichte schief, wird es wohl zum Atomkrieg kommen. Plissken bleiben 22 Stunden Zeit. Ihm wurden bei der Vorsorgeuntersuchung explosive Miniaturkapseln in die Halsschlagadern eingepflanzt, die nach Ablauf dieser 22 Stunden detonieren sollen. Kommt er rechtzeitig – mit Präsident und Cassette zurück – können die Kapseln unschädlich gemacht werden.

Plissken gelangt mit einem Segelflugzeug nach Manhattan und landet auf dem Dach des World Trade Centers.Mit der Hilfe eines Taxifahrers und dem in der ehemaligen New York Public Library lebenden Harold „Brain” Helman kämpft er sich durch die Stadt und gerät in die Fänge des „Duke”. Der Duke ist der Boss der Bosse in Manhattan. An ihm führt kein Weg vorbei; auch nicht der des US-Präsidenten, den er sich als wimmernde Zielscheibe für Schießübungen in seinem Anwesen hält. Mit ihm als Geisel will der Duke Manhattan verlassen. Plissken stört da nur. Also stellt er ihn in den Ring; Plissken soll sich in einem Kampf bewähren, bei dem es keine Regeln gibt.

Sein Widerpart: Ein Zwei-Meter-Hühne mit Nagelbewehrten Baseballschläger. Plisskens Zeit läuft ab …

Was zu sagen wäre

We call it a Klassiker. John Carpenters fünfter Kinofilm markiert den kreativen und kommerziellen Höhepunkt seines Schaffens. Auf dem Niveau hat er nie wieder gefilmt.

Carpenter hatte Mitte der 1970er Jahre, dem Beginn seiner Kinokarriere, einen Klassiker an dem anderen gereiht: Zuerst die Weltraum-Satire Dark Star (1974), die zum Liebling der Kritiker und Filmfestivalbesucher wurde. Mit Assault – Anschlag bei Nacht (1976) definierte er die Grundstruktur der später beliebten Gang-Thriller („Sie haben nichts zu verlieren“). Es folgten Halloween – Die Nacht des Grauens (1978), der das Genre des Teenie-Horrormovies begründete, dem ebenso zahllose Fortsetzungen wie Epiogonen („Freitag, der 13.“ etc.) folgten und Ehrfurcht forderndes Vorbild war für die Scream-Reihe in den 1990er Jahren. Nach The Fog (1980) hatten die Kinobosse in Hollywood Vertrauen in die Arbeit des Außenseiters gefasst und ihm ein Big Budget bewilligt, um „Escape from New York – Die Klapperschlange“ zu drehen.

Kinoplakat: Die Klapperschlange

Der Film ist ein Meilenstein des Kinos. Das Design futuristisch martialisch, die Klamotten Punk. „Escape from New York“ bewegte sich in vielerlei Hinsicht auf der Höhe seiner Zeit. Manhattan in den späten Siebzigern war schmutzig, die Kriminalitätsrate hoch und entsprechend sieht Carpenters New York in vielen Straßen gar nichht so verändert aus gegenüber dem damaligen Original. Höchste Auszeichnung: Die New Yorker reagierten beleidigt und waren stinksauer auf den Film. Wieder hatte Carenter die Musik selbst komponiert und traf mit seinem Electro-Techno wieder den Nerv der Zeit. Und die über dem ganzen Film schwebende Angst vor der atomaren Auslöschung war Anfang der 1980er Jahre eine durchaus reale Vorstellung – der Kalte Krieg brodelte vor sich hin.

Snake Plisskens Augenklappe wurde zum Must-Have der Saison auf den Partys der Schönen und Reichen; nur, warum der Film im Deutschen „Die Klapperschlange“ heißt, wurde nicht klar. Die Schlange, die sich Plissken auf seinen Bauch tätowiert hat, ist ein eindeutig eine Kobra.

Die kargen, kühlen Ein-Satz-Dialoge („Snake Plissken ..! Ich habe schon von Dir gehört. Aber ich hörte, Du wärst tot!“), Gladiatorenkämpfe, die großartige Montage und die kalten Bilder machten den Film außerdem zum perfekten Gegenentwurf zu den gefühligen Zukunftsvisionen, derer sich das Science-Fiction-Genre bemächtigt hatte - Logan's Run etwa, oder „Silent Running“ (Douglas Trumbull, USA 1972), Star Wars, „E.T. - Der Außerirdische“ und natürlich Unheimliche Begegnung der Dritten Art. Und schließlich, von wegen „Nerv getroffen“: Ende der 1980er Jahre eröffnete Bolivien eine Art Manhattan-Island-Gefängnis in klein: Die Siedlung „Palmasola“ ist ringsum mit einer doppelten Mauer und Stacheldraht abgeriegelt und wird von außen bewacht. Bewohnt wird sie von verurteilten Verbrechern und Untersuchungshäftlingen, manche davon zusammen mit ihren Familien. Der Spiegel hat mal über sie berichtet.

Wertung: 10 von 10 D-Mark