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Plakatmotiv: Das letzte Hurra (1958)

Spencer Tracy als Prototyp
des volksnahen Politikers

Titel Das letzte Hurra
(The Last Hurrah)
Drehbuch Frank S. Nugent
nach dem Roman "Der alte Mann und die Wahl" von Edwin O’Connor
Regie John Ford, USA 1958
Darsteller

Spencer Tracy, Jeffrey Hunter, Dianne Foster, Pat O'Brien, Basil Rathbone, Donald Crisp, James Gleason, Edward Brophy, John Carradine, Willis Bouchey, Basil Ruysdael, Ricardo Cortez, Wallace Ford, Frank McHugh, Carleton Young, Frank Albertson, Bob Sweeney, William Leslie u.a.

Genre Drama
Filmlänge 121 Minuten
Deutschlandstart
10. April 1959
Inhalt

Eine Stadt im Neuengland der 1950er Jahre: Der Politiker Frank Skeffington lebt den amerikanischen Traum, er hat es vom Sohn einer irischen Einwandererfamilie zum Bürgermeister gebracht. Er versteht sich als echter Interessenvertreter und sucht oft den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern.

Viermal wurde Skeffington bereits zum Bürgermeister gewählt, nun will er ein letztes Mal antreten. Doch diese Wahl hat er nicht so einfach in der Tasche wie die vorherigen. Sein Gegner ist der politisch unerfahrene Anwalt und Kriegsveteran Kevin McCluskey. Dieser wird von den einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt unterstützt, darunter der Bankier Norman Cass und der Zeitungsverleger Amos Force, der einen alten Groll gegen Skeffingtons Familie hegt.
Gemeinsam mit seinem Strategen John Gorman setzt Skeffington nun alles daran, die Wahl zu gewinnen. Dafür rekrutiert er auch seinen Neffen Adam Caulfield, der Sportjournalist ist und eigentlich für Force arbeitet. Er soll Skeffington bei seiner letzten Wahl, seinem "letzten Hurra", begleiten und seinen Arbeitsstil dokumentieren, bevor Radio und Fernsehen endgültig den Wahlkampf übernehmen. Dafür nimmt Skeffington Caulfield zu zahlreichen Abendessen, Kundgebungen und auch in das Einwandererviertel mit, in dem er geboren wurde. In seinem Kampf um den Sieg geht Skeffington so weit, dem Bankier Cass mit einem Skandal zu drohen. Als die Wahl stattfindet und die Ergebnisse verkündet werden, nimmt Skeffingtons Erfolgsgeschichte ein abruptes Ende, jedoch nicht ohne eine gebührende Würdigung seiner Verdienste …

Was zu sagen wäre

Zeitenwende in der Politik Ende der 50er Jahre: Die Nachkriegszeit geht zu Ende, Fernsehen und Radio übernehmen die Regie. Da zieht der beliebte Bürgermeister in seinen letzten Wahlkampf um das Amt. Und der väterlich verschmitzte Spencer Tracy ist für die Rolle wie gebacken ("Eine Frau, die alles weiß" – 1957; "Stadt in Angst" – 1955; "Vater der Braut" – 1950; Ehekrieg – 1949; Die Frau von der man spricht – 1942); dabei war sie gar nicht für ihn vorgesehen. Orson Welles sollte den Skeffington eigentlich spielen.

Skeffington nimmt seinen Neffen Adam mit, durch dessen Augen die Zuschauer erleben, wie er Wahlkampf in den Arbeitervierteln und bei den Leuten auf der Straße macht. John Ford, der ich hier abseits seines gewohntes Genres Western bewegt (Der schwarze Falke – 1956; Rio Grande – 1950; Der Teufelshauptmann – 1949; Faustrecht der Prärie – 1946; Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Ringo – 1939), bezieht klar Stellung gegen die Hochnäsigkeit etablierter, steifer Patriziersöhne, Plakatmotiv (US): The last Hurrah (1958) deren Vorfahren einst in der Mayflower die amerikanische Küste erreichten und als Zeitungsverleger und Stahlbarone das Land in Hinterzimmern unter sich aufteilen. Diese Leute werden im Film dargestellt von kantigen Gesichtern wie Basil Rathborne (Wir sind keine Engel – 1955; Frankensteins Sohn – 1939; Die Abenteuer des Robin Hood – 1938; Unter Piratenflagge – 1935) oder Fords Dauerbesetzung John Carradine (Die zehn Gebote – 1956; Johnny Guitar – Wenn Frauen hassen – 1954; Rache für Jesse James – 1940; Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Höllenfahrt nach Santa Fé – 1939; Jesse James – Mann ohne Gesetz – 1939). Es sind böse, rachsüchtige Männer, die die einfachen Leute von den Straßen haben wollen; sie sollen in ihren Fabriken arbeiten und den Mund halten. Skeffington geht genau zu diesen Leuten hin.

Einmal besucht er eine Totenwache. Einsam sitzt die Witwe am teuren Sarg ihres verstorbenen Mannes. Fünf Minuten später ist die Bude voll. Skeffington verbindet Pflicht mit nutzen. Einerseits ist die Witwe eine alte Freundin, andererseits weiß er, dass sich seine Anwesenheit herumspricht und alle kondolieren kommen werden – schön für die Witwe, gut für den Wahlkampf. Und der Bestattungsunternehmer wird auch noch sanft gedrängt, gefälligst die niedrigsten Gebühren zu berechnen. Auch erleben wir, wie Skeffington den konservativen Bankiers die Kredite für mehrere Sozialbauten abpresst, indem er sie erpresst.

Eine Dramaturgie hat der Film nicht. Wir begleiten Skeffington durch seinen letzten Wahlkampf, schauen zu, schmunzeln über kumpelhafte Begegnungen des Bürgermeisters, sind empört über die Intrigen der Gegner, und schließlich ist Wahlabend und Skeffington verliert. Dunkle Zeiten brechen an, darf vermutet werden, die im echten Amerika erst durch den Strahlemann Kennedy konterkariert und rund 15 Jahre nach "Das letzte Hurra" in Washington D.C. durch Richard Nixon im Watergate-Skandal aufs Schlimmste bestätigt werden.

Dem Film liegt Edwin O’Connors Roman "The Last Hurrah" zugrunde, der durch das Leben des Bostoner Bürgermeisters James M. Curley (1874–1958) inspiriert ist.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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